Schule des Lebens

Wie leben Kinder in München?

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Die beste Schule ist das Leben?

Wie wachsen Kinder und Jugendliche in München auf? Was prägt ihren Alltag? Ein Kongress will Antworten geben

„Es gibt Studien, die zeigen, dass Kinder sich zwei Drittel ihres Wissens über die Welt außerhalb der Schule aneignen“, sagt Albert Kapfhammer von der Bildungsinitiative „Münchner Trichter“. Wie Kinder in München aufwachsen und was ihren Alltag – vor allem neben der Schule – prägt, will der Verein jetzt mit einem Kongress beleuchten. 

Albert Kapfhammer

Fern der Noten bietet das Heranwachsen in München nämlich noch ganz andere Herausforderungen: Wie steht es um die Ernährung der Kinder, wie wirkt sich die immer zunehmende Mediennutzung aus, an welchen Orten können Kinder in der Stadt noch Kind sein, ohne dass sich jemand über den Lärm aufregt? 

Zwar sei die Struktur von außerschulischen Angeboten gut entwickelt, sagt Kapfhammer. „Mit der Ganztagsschule kommen sie aber auch hier zunehmend unter Druck.“ Doch es brauche die offene Kinder- und Jugendarbeit als Freiraum zur Entwicklung. Denn: Damit die Schule des Lebens so richtig effektiv ist, soll sie sich nicht nach Schule anfühlen: keine Zwänge statt durchgetakteter Nachmittage. Viele denken, alles was Kinder machen, brauche einen Zweck, so Kapfhammer. „Eltern fragen uns etwa, ob die Deutschnoten besser werden, wenn die Kinder bei uns Theater spielen kommen“. Dabei lernen sie ohnehin – fürs Leben.

 S. Obermeir

Der Kongress „Aufwachsen in München“ findet am 14. und 15. November im Feierwerk, Hansastraße 39, statt. Infos unter: www.muenchner-­trichter.de.

Stadtkinder haben öfter Karies

Zwar sind Kinder in Bayern gesünder als anderswo in Deutschland, wie eine Studie der DAK belegt. Dennoch: 90 Prozent sind mindestens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus. Die Studie zeigt außerdem, dass Stadtkinder öfter unter Zahnkaries, Viruserkrankungen und krankhaftem Übergewicht leiden. 

Landkinder hingegen haben häufiger eine akute Bronchitis und Allergien. Unterschiedliche Lebensgewohnheiten und Lebensbedingungen dürften die Gründe dafür sein, so Sophie Schwab, Leiterin der DAK-Landesvertretung Bayern. Die DAK rät deshalb, die Prävention an Schulen und Kitas zu erweitern.

Medien-Potenzial nutzen

Digitale Medien sind fester Bestandteil im Leben von Heranwachsenden in München. „Man sollte das Potenzial – dass die Medien für Kinder eine Attraktion sind – nutzen, aber auch lenken“, sieht Susanne Eggert, Medienpädagogin vom JFF-Institut, die Entwicklung positiv. 

Studie: Viele Kids nutzen Youtube als Nachhilfelehrer

Aber: „Es geht nicht nur darum, den Umgang mit der Technik zu lernen, sondern auch, sie kritisch zu nutzen.“ Dafür sei die Lebenserfahrungen von Erwachsenen entscheidend. „Es sind Reize, bei denen man sehr sensibel sein sollte, wie viel die Kinder davon schon verarbeiten können.“ Außerdem ganz wichtig: „Regeln sollten Eltern gemeinsam mit den Kindern absprechen. 

Und: Eltern müssen sich auch an Regeln halten. Wenn es zu Ausnahmen kommt, sollten sie kommunizieren warum.“

Eine Whatsapp-Gruppe hilft bei Lärmbeschwerden

Immer öfter wird Sven von Braumüller zu Konflikten zwischen Anwohnern und Jugendlichen im öffentlichen Raum gerufen. Oft wegen Lärms, aber auch, wenn Jugendliche lediglich auf Plätzen „rumhängen“. 

„Platzmangel und der Nutzungsdruck der vorhandenen Flächen führen in München zu steigenden Fallzahlen“, sagt der Konfliktmanager der städtischen Schlichtungsstelle Akim.

 Seine Aufgabe dann: beide Seiten anhören und vermitteln. Konfliktreiche Hotspots: der Elisabethmarkt, Parks in Neuaubing oder auch kleinere Grünfläche außerhalb des Zentrums. „Wir wollen vermeiden, dass der öffentliche Raum nicht mehr genutzt wird“, sagt Braumüller. Statt Jugendliche von Platz zu Platz zu scheuchen, setzt Akim auf ein anderes Rezept: miteinander reden. 

Am Elisabethmarkt konnte die Situation etwa durch eine Whatsapp-Gruppe von Anwohnern und Jugendlichen entschärft werden: Wird es zu laut, können sich Anwohner dort bei den Jugendlichen melden.

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