Das Ziel: Im All mitmischen

50 Jahre nach der Mondlandung: Wird München zum „Space Valley“ der Bundesrepublik?

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Roboter-Prototypen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt trainieren am italienischen Ätna für einen möglichen Einsatz auf dem Mond oder dem Mars.

Wenn es nach dem Großhaderner Dr. Florian Sellmaier vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) geht, ist es für München Zeit, auf den Mond zu fliegen...

München – Bayern hat einen direkten Draht ins All: Vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen wird der europäische Teil der Internationalen Raumstation ISS gesteuert und kontrolliert. Ginge es nach Dr. Florian Sellmaier könnte in Zukunft der Kommunikationsdraht des DLR ganz woanders hingehen – nämlich zum Mond.

„Die ISS kann noch bis circa 2030 betrieben werden, danach werden Gelder für andere Projekte frei“, meint der Leiter Geschäftsfeldentwicklung des DLR im Bereich Raumflugbetrieb und Astronautentraining. „Die nächste Herausforderung ist der Mars. Da wird man nicht um den Mond als Zwischenstation herumkommen.“ 

DEL strebt Beteiligung an Betreuung einer Mondbasis an

Der Großhaderner glaubt, dass bis Mitte der 2030er-Jahre nicht nur Astronauten in einem sogenannten Habitat um den Trabanten fliegen, sondern auch in einem Dorf auf ihm leben werden. 50 Jahre nach der ersten Mondlandung sei es darum für das DLR „an der Zeit, sich darum kümmern, wie wir mit auf den Mond kommen“.

Konkret schwebt Sellmaier vor, dass sich das DLR an der Betreuung einer Mondbasis beteiligt. Die Konkurrenz dafür ist groß. „Da wird Bayern noch einiges an Geld aufbieten müssen, damit eine Mondstation von hier aus kontrolliert werden kann.“ 

Zwar ist Bayern das einzige Bundesland mit eigenem Raumfahrtbudget. In der Strategie von Ministerpräsident Markus Söder, der in zehn Jahren 700 Millionen Euro investieren will, spielt die bemannte Raumfahrt aber keine Rolle.

Trainingsanlage für Astronauten in Planung

Dr. Florian Sellmaier vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt. Seine Vision, welche Münchnerin die erste deutsche Astronautin werden könnte und warum wir uns zum „Space Valley“ der Bundesrepublik mausern, erklärt der Experte in Hallo.

Umso mehr setzt das DLR auf seine Erfahrung als einziges europäisches ISS-Kontrollzentrum. Zudem plant Sellmaiers Institut aktuell eine spezielle Trainingsanlage für Astronauten. „Luna“ soll 2022 in Köln in Betrieb gehen. 

„Mit Regolith schaffen wir auf 1000 Quadratmetern eine mond­ähnliche Oberfläche, Lampen simulieren die Sonne und wir bauen eine Mondstation.“ Die Astronauten sollen während ihres Trainings mit Oberpfaffenhofen kommunizieren.

Mond- und sogar marsähnliche Landschaften gibt es aber auch dort: in den Laboren des DLR-Instituts für Robotik. „Unser Schwerpunkt ist Weltraumrobotik. Wir arbeiten an Antriebstechniken, Umweltwahrnehmung und Autonomie, etwa von Rovern“, erklärt Dr. Armin Wedler, der in Oberpfaffenhofen die Forschung an planetaren Explorationssystemen koordiniert.

Robotik spielt Schlüsselrolle

Sein Herzensprojekt ARCHES arbeitet an Robotern für extreme Umgebungen, etwa in der Tiefsee oder auf Himmelskörpern. Dabei geht es auch darum, wie verschiedene Roboter gemeinsam Aufgaben bewältigen. „Damit können sie weiträumiger agieren“, sagt der Experte. Unter anderem damit bereite sich sein Institut intensiv auf Mond- und Marsexplorationen vor. 

Ob es klappt, ist aber ungewiss: „Missionen sind staatlich gesteuerte Projekte. Und in Europa tut man sich damit eher schwer.“

Trotzdem soll es 2025 Robotertechnik aus Bayern ins All schaffen: Eine japanische Mission will den Mars-Mond Phobos erkunden – mit einem Roverfahrzeug des DLR

Romy Ebert-Adeikis

Tag der offenen Tür in Oberpfaffenhofen

Auch der Tag der offenen Tür am DLR Oberpfaffenhofen steht unter dem Motto „50 Jahre Mondlandung“. 

Am Sonntag, 21. Juli, haben Besucher von 10 bis 17 Uhr nicht nur die Möglichkeit, einen Blick in die Einrichtung in der Münchner Straße 20 zu werfen. Angeboten werden auch eine Raumfahrt-Show, ein Wissenschaftsvortrag, Mitmach-Stationen sowie eine Talkrunde von Experten – beispielsweise mit Dr. Suzanna Randall. Für Musik sorgt unter anderem Peter Schilling („Major Tom“). 

Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter: www.dlr.de/open

Münchnerin 2020 im All?

Dr. Suzanna Rabdall (39), Astrophysikerin aus Schwabing, greift nach den Sternen.

Mehr Frauen ins Weltall zu bringen – das ist das Ziel der Initiative „Die Astronautin“. Mit Dr. Suzanna Randall (39) wird auch eine Münchnerin gerade für einen Flug ins Universum ausgebildet (Hallo berichtete). Läuft alles nach Plan, könnte die Astrophysikerin aus Schwabing im Herbst 2020 zur ISS starten. Noch kämpft die Initiative aber um Sponsoren.

In der Zwischenzeit hat Randall – wie die zweite Astronautin-Kandidatin Dr. Insa Thiele-Eich – den Pilotenschein erworben. Im Februar 2019 übten sie in einem Airbus-Simulationsraum in Bremen das Manövrieren in der Schwerelosigkeit. Im Juni arbeiteten sie in Marseille unter Wasser in schweren Raumanzügen. Im Herbst und 2020 stehen Trainingseinheiten in Friedrichshafen und den USA auf dem Programm. Wer von den beiden Kandidatinnen – wenn überhaupt – zur ISS darf, entscheidet sich erst kurz vor Start.

Größte Raumfahrt-Fakultät Europas

TUM-Studenten arbeiten am „Hyperloop“: Auch an der neuen Fakultät soll der Hochgeschwindigkeitszug im Fokus stehen.

Sie ist das Kernstück der bayerischen Raumfahrtstrategie: die neue Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München. „Mit über 50 Professuren wird sie mit Abstand die größte ihrer Art in Europa sein“, schwärmt Ulrich Walter vom Lehrstuhl für Raumfahrttechnik in Garching.

Der Schwerpunkt soll nicht auf bemannter Raumfahrt, sondern auf dem Nutzen der Technologie für Erdbeobachtung, Landwirtschaft oder Erforschung des Klimas liegen. Statt bisher circa 500 Studenten, sollen es in ein paar Jahren über 1000 sein. Formal startet die neue Fakultät bereits heuer am 1. Oktober.

„Die Studenten sollen praktisch arbeiten, darum ist uns die Zusammenarbeit mit Unternehmen vor Ort sehr wichtig“, betont der ehemalige Wissenschaftsastronaut. Deswegen wird die Fakultät in Ottobrunn/Taufkirchen angesiedelt: Zunächst ziehen neue Professuren sogar direkt bei Airbus oder IABG ein. 

Langfristig will der Freistaat für bis zu 500 Millionen Euro einen neuen Campus bauen. Zusätzlich plant der Landkreis München ein neues Gründerzentrum für Luft- und Raumfahrtfirmen.

„Die Resonanz ist riesig, auch von Investoren“, bestätigt Walter. Er ist sich sicher: In den nächsten zehn Jahren wird sich München zum „Space Valley“ entwickeln.

Romy Ebert-Adeikis

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