Mit Puppen gegen Propaganda

80 Jahre Georg Elser-Attentat – Theaterstück zu Ehren des Münchners

+
Paul Hentze kommt mit seiner Georg-Elser-Puppe nach München. 

Das Theaterstück erinnert an den Münchner, der fast die Geschichte veränderte. Am Freitag wird das Stück im Münchner Stadtmuseum aufgeführt. Die Hintergründe...

Altstadt „Georg Elser war kurz davor, die Geschichte zu verändern“, sagt Puppenspieler Paul Hentze, der im direkten Umfeld des Gasteigs groß geworden ist. Dort entkam Hitler 1939 nur knapp Georg Elsers Bombenattentat im Bürgerbräukeller. 

Georg Elser verübte ein Bombenattentat im Bürgerbräukeller.

Hentze entschloss sich deshalb im Laufe seines Puppenspielstudiums in Berlin dafür, ein Theaterstück über den Hitler-Attentäter zu schreiben. Zum 80. Jahrestag bringt er das Stück ins Münchner Stadtmuseum (siehe unten). 

Er selbst führt es auf und setzt dabei verschiedene Masken und Puppen in Szene. Grundlage des Stücks ist seine eigene Auseinandersetzung mit der Figur Elser. „Das Textmaterial aus historischen Quellen ist collagenhaft arrangiert.“ 

Auch Gerüchte sowie die Propaganda, der Elser zum Opfer fiel, sind Teil der Aufführung. Hentze erläutert: „Zu Beginn ist es dem Publikum überlassen, sich zu fragen, was stimmt. Am Ende werden dann Erkenntnisse der Elser-Forschung auf den Tisch gelegt.“ 

Auch aktuelle Themen werden behandelt

Das Stück beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Vergangenheit, Hentze schlägt darin vielmehr einen Bogen zu brandaktuellen Themen. Er erklärt: „Es geht auch um den aktuellen Rechtsruck und zeitgenössische rechtsextreme Rhetorik.“ 

Vor allem das Phänomen von rechter Internetpropaganda wie auch Gegenbewegungen, die „Fake News“ genauer unter die Lupe nehmen, inspirierten ihn dabei. Für den Künstler steht nämlich fest: „Menschen sollen Informationsquellen kritisch hinterfragen.“ 

Um einen kritischeren Blick zu vermitteln, erfolgt die Inszenierung des Stücks als eine sogenannte „Lecture Performance“. Hentze erklärt: „Es geht nicht nur um künstlerische Unterhaltung, sondern auch darum, Informationen gezielt zu vermitteln.“ 

Im Anschluss an die Aufführungen gibt es deshalb Publikumsgespräche, für die Besucher. Moderiert werden diese von der Kuratorin Katja Kubold. 

Puppenspiel über Georg Elser 

„Elser – Rezeptionsgeschichte eines Attentats“ wird am Freitag, 8. November, im Münchner Stadtmuseum, Sankt-Jakobs-Platz 1, aufgeführt. Um 10 Uhr gibt es eine Schülervorstellung, um 20 Uhr eine Abendvorstellung. 

Veranstalter sind die Gesellschaft zur Förderung des Puppenspiels und das Künstlerkollektiv „DemocraticArts“.

Kassandra Fischer

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Feuerwerks-Verbot in München  – Wo Raketen nicht erlaubt und Böller komplett verboten sind
Feuerwerks-Verbot in München  – Wo Raketen nicht erlaubt und Böller komplett verboten sind
Versuchte Vergewaltigung im Englischen Garten – DNA-Treffer führt zu Festnahme
Versuchte Vergewaltigung im Englischen Garten – DNA-Treffer führt zu Festnahme
Große Katastrophenschutzübung: Wann sie stattfindet und wo es zu Beeinträchtigungen kommt
Große Katastrophenschutzübung: Wann sie stattfindet und wo es zu Beeinträchtigungen kommt
Umbau der alten Akademie – Tochter des Architekten nimmt sich Anwalt
Umbau der alten Akademie – Tochter des Architekten nimmt sich Anwalt

Kommentare