40 Grad und mehr!

Hitzekollaps in München: Temperatur-Rekord erneut gebrochen – So geht es weiter

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Hitze in Deutschland: Während im Westen die Hitzerekorde tagtäglich neu gebrochen werden, schwitzen die Münchner bei rund 35-39 Grad.

Waldbrandgefahr, Erschöpfung, neue Rekorde – so leidet München unter der Hitze. Wo die 40-Grad-Marke geknackt wurde, was die Stadt noch erwartet...

Update: 26. Juli

Gerade wurde mit 40,5 Grad Celsius der neue Allzeit-Hitzerekord für Deutschland ausgerufen, schon muss dieser um einige weitere Grad Celsius nach oben korrigiert werden: Vorläufiger Spitzenreiter ist jetzt das niedersächsische Lingen mit 42,6 Grad. So heiß war es hierzulande seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie! 

An mehr als 20 Wetterstationen wurden Werte von 40 Grad und mehr erreicht. Selbst in den Hochlagen der Mittelgebirge wurde es bis zu 35 Grad heiß, extrem ungewöhnlich für diese Region, wie Matthias Habel. Sprecher des Wetterdienstes WetterOnline, berichtet. Noch allerdings seien alle Rekordwerte vorläufig. Man müsse diese erst offiziell durch den staatlichen Wetterdienst bestätigen lassen.

Kimawandel als Faktor

Die Rekordwetterlage ist sowohl von den erreichten Extremtemperaturen als auch von ihrer Dauer außergewöhnlich. „Heiße Tage gab es natürlich auch in früheren Jahren. Dass die Hitze aber so brutal zuschlägt und dann gleich auch noch mehrere Tage andauert, das ist wirklich extrem.“, erklärt Habel und betont: „Die extremen Phasen haben besonders seit Beginn der 2000er Jahre deutlich zugelegt, kommen in immer kürzeren Zeitabständen und sind beständiger.“

So wird das Wetter in den kommenden Tagen

Heute wird es mit 35 bis örtlich 40 Grad vielerorts nochmals brütend heiß. Besonders in den Seen- und Voralpenregionen rings um München ist deshalb mit abendlichen Hitzegewittern zu rechnen. 

Am Wochenende sickert überall etwas erträglichere Luft ein, schon am Samstag sind Temperaturen unter 30 Grad zu erwarten. Doch auch am Wochenende ist mit unwetterartigen Gewitter zu rechnen. 

Nach einem noch wechselhaften Wochenstart beruhigt sich das Wetter bei deutlich angenehmeren, aber immer noch hochsommerlich warmen 25 bis 30 Grad.

Bund Naturschutz verweist auf kühlere Grün- und Baumflächen

Mitglieder des Bund Naturschutz Teams bei der Temperaturmessung in München.

Die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Beton und Asphalt und der hohe Versiegelungsgrad führen in den Städten zu einer Stauung der Hitze. Der Bund Naturschutz hat dehalb in München, Nürnberg und Coburg von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Lufttemperaturmessungen mit sogenannten Aspirationspsychrometern nach Aßmann durchgeführt. Mit diesem Messinstrument lässt sich die wahre, nicht durch die Sonneneinstrahlung verfälschte Temperatur ermitteln.

Die Ergebnisse der Messungen sind eindeutig und in allen drei Städten sehr ähnlich: Schon in den frühen Morgenstunden sind Temperaturunterschiede von ungefähr einem Grad zwischen unbegrünten und begrünten Flächen er-kennbar, die im Laufe des Tages noch zunehmen. In München wurden schon mittags bis zu drei Grad Unterschied zwischen Pettenkoferstraße und dem Nußbaumpark festgestellt.

Ergebnisse wie dieses zeigen deutlich: „Grünflächen und Bäume spielen für die Klima-tisierung einer Stadt eine wichtige Rolle. Ein ausgewachsener Laubbaum verdunstet an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser und kühlt somit seine Umgebung ab. Ein Laubbaum mit 15 Metern Kronendurchmesser kühlt zusätzlich eine Fläche von 160 Quadratmetern mit seinem Schatten“, erklärt die Münchner BN-Stadtbaumexpertin Angela Burkhardt-Keller.

Wer sich trotz der extremen Temperaturen im Freien bewegen möchte, dem sei deshalb wärmstens empfohlen, sich in Bereichen mit viel Grün und Baumschatten aufzuhalten. Auch, um eine Kollaps oder einem Sonnenstich zu entgehen (siehe unten).

Update: 25. Juli – Rekordhitze nimmt München den Atem

Der nordrhein-westfälische Ort Geilenkirchen ist seit gestern Rekordhalter: An einer Messstation der Bundeswehr wurde eine Rekordtemperatur von 40,5 Grad Celsius gemessen. Der Deutsche Wetterdienst hat den Hitzerekord am Tag danach bestätigt. Damit ist die bisherige Höchstmarke von 40,3 Grad im unterfränkischen Kitzingen aus dem Jahr 2015 offiziell überboten, wie ein Sprecher am Donnerstag in Offenbach mitteilte.

Auch heute klettern die Temperaturen wieder nahe an die 40 Grad-Marke - für morgen ist nicht wirklich Besserung in Sicht.
Der Deutsche Wetterdienst sagt für den morgigen Freitag erneut 34 Grad für München voraus. Da Wind häufig fehlt, kommen einem die Temperaturen noch heißer vor.
Erst am Wochenende bringen Gewitter dann etwas Abkühlung.

Waldbrandgefahr

Wegen der anhaltend hohen Waldbrandgefahr hat die Regierung von Oberbayern die Luftbeobachtung für Donnerstag, 25. Juli bis einschließlich Freitag, 26. Juli angeordnet. Dies geschieht in Abstimmung mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfaffenhofen a.d.Ilm, das für ganz Oberbayern zuständig ist. Die Flieger starten von den Stützpunkten Eichstätt, Pfaffenhofen a.d.Ilm, Erding und Oberpfaffenhofen. Sie erreichen von dort aus gefährdete Wälder in den Landkreisen Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen a.d.Ilm, Freising, Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Landsberg am Lech, Weilheim-Schongau, Ebersberg, Erding, Mühldorf a.Inn, Rosenheim und Traunstein. Die Beobachtungsflüge finden einmal täglich jeweils nachmittags statt.

Gefahr für ältere Menschen

PD Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster, Chefärztin für Altersmedizin in der München Klinik Neuperlach, zeigt sich insbesondere um ältere Menschen besorgt. "Senioren können solche Hitzewellen zu schaffen machen." Daher sei es ratsam, einige Themen an den heißen Tagen besonders zu beachten, um die Zeit unbeschwert genießen zu können. 

Die besten Hitze-Tipps

Heiße Tage machen älteren Menschen besonders zu schaffen, da die Wärmeregulierung des Körpers verändert ist. Der Wassergehalt im Körper ist deutlich geringer und das Durstempfinden weniger ausgeprägt. Aus diesen Gründen droht die Gefahr einer „Austrocknung“, der sogenannten Dehydrierung. Die Folgen können gravierend sein: von Kopfschmerzen über Schwindel, Kreislaufproblemen und Verwirrtheitszuständen bis hin zu Bewusstseinstrübungen. 

  1. Um einer Dehydrierung vorzubeugen ist es deshalb unerlässlich ausreichend zu trinken. Zwei bis zu drei Liter am Tag – nicht zu kühles Mineralwasser, leichte Saftschorlen Kräuter- und Früchtetees sind ideal. Alkohol und Koffein sollten gemieden werden. Nehmen sie bei Bedarf auch Hilfestellungen zur Hand: Große Kannen zeigen,wie viel Sie bereits getrunken haben, Wecker können genau wie Strichlisten bei der bewussten Erinnerung an die Flüssigkeitszufuhr helfen. Achtung: Bei Patienten mit bestimmten Herz- und Nierenerkrankungen kann zu viel Flüssigkeitszufuhr schädlich sein. Sprechen Sie darüber mit ihrem Hausarzt und beachten sie die empfohlene Trinkmenge.
  2. Wer schwitzt muss Salz nachlegen. Es gibt besonders an heißen Tagen durch starkes Schwitzen und vermindertes trinken die Gefahr der Veränderung der „Blutsalze“ (sog. Elektrolytstörung). Müdigkeit und Mattheit sind die Folgen. Auch verzögerte Reaktionszeiten bis hin zu Verwirrtheit können auftreten. Es helfen Gemüsebrühe oder eine leichte Fleischbrühe. Beim Mineralwasser sollte zu einer natriumreichen Sorte gegriffen werden. Zusätzlich sollte auf eine leichte und vitaminreiche Ernährung an heißen Tagen geachtet werden.
  3. Siesta statt Stress. Vermeiden sie körperliche Anstrengung in der größten Hitzezeit und passen sie ihren Tagesablauf an die Hitze an. Verlängern sie lieber ihre Mittagspause. Sie müssen nicht auf leichte Spaziergänge, den Einkauf, ihre regelmäßigen sportlichen Aktivitäten oder die Gartenarbeit verzichten. Aber verlagern sie diese Tätigkeiten in die Abend- oder Morgenstunden. Meiden sie längere und direkte Sonneneinstrahlung und Anstrengungen bei höheren Temperaturen.
  4. Die richtige Kleidung und regelmäßige Abkühlung hilft. Denken sie an eine leichte, luftige Bekleidung und den entsprechenden Sonnenschutz auch auf dem Kopf. An besonders heißen Tagen können auch feuchte Umschläge, Arm- oder Fußbäder für Abkühlung sorgen.
  5. Passen sie auch das Klima daheim an. Halten sie Räume untertags möglichst kühl. Dabei helfen Vorhänge, lüften gerade zu den kühleren Tageszeiten oder auch Ventilatoren, die für eine Luftzirkulation sorgen. Sollten sie Klimageräte verwenden, achten sie darauf, dass die Temperaturunterschiede nicht allzu groß sind und sie nicht direkt im Luftzug sitzen, sonst drohen Erkältungen. Schlafräume, die tagsüber abgedunkelt sind und vor dem schlafen gehen nochmals gelüftet werden, sind meist angenehm temperiert und helfen bei einem gesunden Schlaf.

Erstmeldung: 22. Juli – Hitzekollaps und Co. in München

Bis zu 38 Grad Celsius werden in dieser Woche laut dem Deutschen Wetterdienst in Bayern erwartet. Doch nicht für alle bedeutet die Sommerwärme pures Vergnügen. Klettert das Thermometer über 30 Grad Celsius, kann es für den Organismus äußerst anstrengend werden. In Großstädten wie München klettert das Thermometer gerne nochmal ein paar Grad weiter nach oben. Ältere und chronisch kranke Menschen sind besonders gefährdet, einen Hitzekollaps zu erleiden. Aber auch jüngere Menschen sollten sich vor Hitzschlag, Sonnenstich und Hitzeerschöpfung wappnen.

So helfen Sie bei einem Hitzekollaps richtig


Wie man sich am besten schützt und was im Notfall zu tun ist, erklären Experten der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Wenig Bewegung, nicht rausgehen, viel trinken – damit helfen Sie Ihrem Körper am besten, sich gegen Überhitzung zu schützen“, sagt Thomas Fuchs, Erste-Hilfe-Ausbildungsleiter der Johanniter in München, und empfiehlt: 

  • Halten Sie sich möglichst in Gebäuden oder im Schatten auf. 
  • Vermeiden Sie körperliche Anstrengungen, legen Sie bewusst Pausen ein. 
  • Ideale Durstlöscher sind nicht-alkoholische Getränke wie Mineralwasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen mit zimmerwarmer Temperatur. 
  • Tragen Sie luftige Kleidung und eine Kopfbedeckung. 
  • Zwischendurch Hände, Nacken und Gesicht mit Wasser abkühlen. 

So erkennen Sie die Anzeichen eines Kollaps rechtzeitig

Erste Anzeichen einer Hitzeerschöpfung sind Schwindel, Übelkeit, Kreislaufstörungen und das Gefühl, sich nicht mehr auf den Beinen halten zu können. Um drastische Temperaturstürze zu vermeiden, empfiehlt es sich, sanft die Körpertemperatur mit kalten Umschlägen zu senken. Für den Rest des Tages ist es wichtig, sich zu schonen. Bei schwerer Überhitzung droht sogar Bewusstlosigkeit. Dann sind wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen zu beachten: 

  • Bei einem Kreislaufkollaps umgehend den Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 verständigen. 
  • Die betroffene Person in den Schatten bringen. 
  • Falls nicht ansprechbar: die Atmung prüfen. 
  • Stabile Seitenlage bei normaler Atmung, bei keiner oder nicht normaler Atmung umgehend Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. 
  • Menschen ohne Bewusstsein dürfen keine Getränke verabreicht werden, sie könnten daran ersticken. 

Die Johanniter empfehlen, alle zwei Jahre das Erste-Hilfe-Wissen aufzufrischen. Nähere Informationen zu den Erste-Hilfe-Kursen, die nächsten Termine und eine Online-Anmeldung finden Interessierte unter www.johanniter.de/erstehilfe. Telefonische Informationen gibt es unter 089 72011-33.

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