Baum vor Bau

Gegen den Kahlschlag: Neue Initiative baut Druck auf Politik und Behörden auf

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Diese Eichen wollen Jürgen Schott, Evelyn Reich und Karin Hölscher (von links) retten.

Eine Baumgruppe hier, eine Jahrhunderte alte Eiche da: Immer wieder protestieren Anwohner gegen Fällungen zugunsten neuer Bauprojekte. Eine neue Initiative will Klarheit schaffen.

München – Immer wieder gehen in München die Anwohner auf die Barrikaden, weil für einen Neubau Bäume weichen müssen. 

Aktuell protestieren die Nachbarn der Koppstraße 4 in Obersendling dagegen, dass für ein neues Geschäfts- und Bürogebäude 26 Bäume gefällt werden sollen (siehe unten). Auch in Obermenzing gibt es deshalb immer öfter Unmut. Die Anwohner haben sich nun zu einer Initiative zusammengeschlossen, die sich für einen besseren Baumschutz stark machen will. 

Die Initiative hat Unterschriften von 400 Unterstützern gesammelt. Dabei soll es aber nicht bleiben. „Wir müssen auch in der Lage sein, kraftvoll aufzutreten“, sagt Jürgen Schott. Deshalb will er auch Demonstrationen und die Besetzung von Baustellen nicht ausschließen. Denn die Lage ist verheerend.

„Obermenzing als sogenannte Gartenstadt ist durch einen großen Baumbestand geprägt. Aber weil bei vielen Neubauten jeder Baum radikal weggehauen wird, verliert das Viertel zunehmend seinen Charakter“, betont Schott. Jetzt wollen er und seine Mitstreiter Druck auf Parteien und Behörden aufbauen. 

„Die Politiker verstecken sich hinter der höheren Instanz. Aber die Stadt hätte Gestaltungsspielraum“, ist sich der Obermenzinger sicher. Leider habe derzeit Wohnraum immer mehr Priorität als alle anderen Belange. Das müsse sich ändern. So könnte die Stadt größere Ersatzpflanzungen fordern oder bei illegalen Fällungen einen Baustopp verhängen, schlägt Mitstreiterin Karin Hölscher vor.

Thorsten Vogel vom Planungsreferat räumt ein, dass auf einem Grundstück mit Baurecht ein Baum schlechte Karten hat. „Der Eigentümer hat dann einen Anspruch auf die Erteilung des Baurechts.“ Immerhin hat die Stadt für Viertel, die sogenannte Gartenstädte sind, Richtlinien erarbeitet, um ihren Charakter zu erhalten. So soll sich im südlichen Teil Waldtruderings beispielsweise die bauliche Entwicklung auf Aufstockungen konzentrieren.

Für die Obermenzinger reicht das nicht aus. Sie wollen mit den Bauherren Kontakt aufnehmen. „Wir wollen in einen Dialog treten.“ Dadurch könnten sich neue Möglichkeiten ergeben. So habe eine Nachbarin bei einem Grundstück an der Pflegerstraße dem Eigentümer angeboten, dass er bei einem Neubau eine alte Eiche auf ihr Grundstück versetzen könne. Der Bauherr habe sich offen dafür gezeigt. Die Initiative habe eine Firma gefunden, die dies übernehmen könnte. In Kürze werde es ein Treffen geben.

Andreas Schwarzbauer

Kahlschlag in Sendling

Volker Widmann kann die zahlreichen Fällungen im Stadtgebiet nicht nachvollziehen.

Entsetzen herrscht bei den Nachbarn der Koppstraße 4. Dort soll ein Bürogebäude entstehen. Dafür sollen jedoch 26 Bäume – drei mit einem Stammumfang von mehr als zwei Metern – weichen. 

„Wir möchten hiergegen auf das Schärfste protestieren. Für ein gesundes Stadt- und Mikroklima brauchen wir nicht weniger, sondern im Gegenteil viel mehr Bäume“, schreiben die Anwohner an Oberbürgermeister Dieter Reiter. 

„Ich verstehe nicht, was in München abgeht. Es ist überall das Gleiche. Man muss doch so planen, dass möglichst viele Bäume erhalten bleiben“, sagt Volker Widmann. 

Er und seine Mitstreiter fordern vom OB, sich für eine Modifizierung der Pläne einzusetzen, denn: „Es ist in keinem Fall damit getan, prächtige Laub- und Nadelbäume durch kümmerliche Neupflanzungen zu ersetzen.“

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