Verzockt sich München?

Dilemma: Ego-Shooter oder Joggen im Englischen Garten? 

+
Immer mehr Spieler messen sich in E-Sport-Wettkämpfen. Doch in München fehlen oft die Räume dafür.

Während in anderen Ländern bereits Weltmeisterschaften im Bereich des E-Sports ausgetragen werden, weigert sich München noch diesen Trend als Sport anzuerkennen. 

München: Der bayerische Fußballverband startet eine E-Football-League und kein Münchner Verein ist dabei. „München ist bei E-Sport hinten dran“, sagt Marcus Meyer, der am Sportbusiness Campus in München lehrt. 

Beim E-Sport treten die Teilnehmer in Computerspielen gegeneinander an (siehe Information unten). Der Bereich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. „In München gibt es mehr als 100 000 Leute, die nicht nur zum Abschalten spielen“, vermutet Gilles Tanson, der Vorsitzende des Vereins Munich E-Sports. 

Marcus Meyer:  „München ist bei E-Sport hinten dran“

Doch die Stadt scheint diese Entwicklung zu verschlafen. „Hier wird wenig organisierter E-Sport betrieben“, so Tanson. Das Problem: „München ist abgeschlagen, was Förderung und Anerkennung angeht. Da sind andere Städte schon weiter“, kritisiert Tanson. In Mannheim gebe es beispielsweise ein eigenes Förderzentrum und Berlin stelle den E-Sportlern viele Räume zur Verfügung, so Tanson. Das wäre ebenso in München wichtig, meint auch Meyer: „Die Stadt sollte Möglichkeiten schaffen, damit sich die Spieler treffen können. Dort könnte sie in den Dialog gehen.“ 

Das ist für Meyer wichtig, weil noch viel Aufklärungsarbeit nötig sei. „Man kommt beim Spielen in eine Haltung, die nicht gesund ist. Dagegen gibt es Fitnessübungen.“ Außerdem könnten E-Sportler Strategien lernen, wie sie sich rasch verbessern. Das Referat für Bildung und Sport sieht allerdings „keine fachlichen Grundlagen für eine Unterstützung“. So empfehle der Deutsche Olympische Sportbund, E-Sport nicht als Sport anzuerkennen. „Gleichzeitig führt auch unsere Einschätzung zum Ergebnis, dass E-Sports keine nachgewiesenen sportlichen Effekte erzeugt. Insbesondere müsste der Nachweis geführt werden, dass die Ausführung selbst gesundheitsfördernde Wirkung hat“, teilt Sprecher Thomas Groß mit. 

Auch der Stadtrat zeigt sich skeptisch. Er hat im Januar abgelehnt, dass München 2021 das Finale des Strategiespiels „League of Legends“ austrägt. Die Mehrheit im Gremium wollte dem Veranstalter nicht die Miete für die kleine und große Olympiahalle erlassen. Tanson bedauert diese Haltung. „Es wäre ein riesiger Schritt, wenn endlich anerkannt würde, dass man nicht nur im Keller sitzt und seine Zeit vergeudet.“ Vielmehr entwickle man sich durch E-Sport weiter. 

Tanson selbst spielt seit 2016 den Ego- Shooter „Overwatch“ und sei relativ schnell unter den besten drei Prozent der Spieler gewesen. Er findet, dass E-Sport viele Parallelen zum konventionellen Sport hat. „Es ist ein Wettkampf zwischen zwei Parteien. Jeder startet unter gleichen Voraussetzungen. Es kommt nur darauf an, wie gut die Spieler trainiert sind.“ Ein guter Spieler müsse mentale Stärke, eine präzise Ausführung und Ausdauer mitbringen.

Gilles Tanson, Vorsitzender des Vereins Munich E-Sports

Immerhin die Sportvereine scheinen das Potenzial zu erkennen. So hat der FC Bayern ein Team für den Fußballsimulator „Pro Evolution Soccer“ aufgestellt und der TSV 1860 stieg beim Strategiespiel „League of Legends“ ein. Auch Amateurclubs haben das Thema für sich entdeckt und organisieren vermehrt Turniere. „Die Vereine wollen in der jungen Zielgruppe relevant sein“, erklärt Meyer. Nun müsse die Politik nachziehen, denn: „Es ist ein gesellschaftliches Thema, in dem tolle Möglichkeiten stecken.“ 

Andreas Schwarzbauer

Das ist elektronischer Sport

E-Sport ist der Wettkampf in Video- oder Computerspielen. Es treten Menschen gegeneinander und nicht gegen den Computer an. Zufallsfaktoren dürfen keine spielentscheidende Rolle übernehmen. Es gibt Strategiespiele (League of Legends), Ego-Shooter (Counter Strike, Overwatch) oder Sportsimulationen (FIFA, Rocket League).

Weitere aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen:

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie

in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Diebe knacken neun Opferstöcke
Diebe knacken neun Opferstöcke
Bedrohungslage in München/Schwabing: Großeinsatz der Polizei an der Leopoldstraße
Bedrohungslage in München/Schwabing: Großeinsatz der Polizei an der Leopoldstraße
Polizei München im Corona Einsatz – Geheime Shishaparty mit illegalem Glücksspiel aufgelöst
Polizei München im Corona Einsatz – Geheime Shishaparty mit illegalem Glücksspiel aufgelöst
Kreatives München: Ideen und Lösungen in Zeiten der Corona-Pandemie
Kreatives München: Ideen und Lösungen in Zeiten der Corona-Pandemie

Kommentare