Und nach dem Boom?

Bevölkerungswachstum in München: Prognose für 2040 schockiert – so reagiert die Stadt

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So weit das Auge reicht wird gebaut, geplant, abgerissen, saniert ... Dass München stetig wächst, ist nicht mehr zu leugnen...

München wächst drastisch. Das zeigt eine neue Studie. In einigen Stadtteilen wird sich die Bevölkerung innerhalb von nur 20 Jahren verdoppeln! Welche Viertel das sind und was sich ändern muss...

Stadt platzt bald aus allen Nähten

Hoher Zuzug, hohe Geburtenraten: Wie geht München mit seinem Wachstum um?

München – Wäre München ein Anzug, es wäre wohl Zeit, zum Schneider zu gehen, um die immer enger werdenden Kleider auszulassen: Der Platz wird eng, satte 1,85 Millionen Einwohner wird die Stadt 2040 haben: Das geht aus dem jetzt von Stadtbaurätin Elisabeth Merk vorgelegten „Demografiebericht München“ hervor. 18,8 Prozent mehr – und das in der Stadt, die mit 5012 Wohnberechtigten pro Quadratkilometer bereits heute die höchste Einwohnerdichte Deutschlands hat.

Junge Erwachsene kommen nach München

Höhere Geburten- als Sterberaten und der hohe Zuzug besonders von jungen Erwachsenen sind Auslöser für das Wachstum, das sich vor allem am Stadtrand bemerkbar macht. Aubing-Lochhausen könnte zum Beispiel bis 2040 doppelt so groß werden (siehe S. 7). Auch Moosach, Trudering-Riem, Schwabing-Freimann und Bogenhausen wachsen stark. Einerseits wird hier gebaut – andererseits werden am Stadtrand vergleichsweise viele Kinder geboren.

Im Zentrum dagegen scheint die Luft raus: Altstadt, Ludwigsvorstadt, Schwanthalerhöhe und Co. stagnieren bevölkerungsmäßig. Hier gibt es kaum noch Flächen für weitere, neue Wohnungen und die Geburtenraten sind geringer: 1,09 Kinder bekam die durchschnittliche Ludwigsvorstädterin 2017, 1,75 eine Frau in Aubing-Lochhausen.

Das Wachstum stellt die Stadt vor große Herausforderungen – nicht zuletzt bei der Frage, wie die Bürger von A nach B kommen können. Die Stadtbaurätin hat deshalb auch dazu eine Studie in Auftrag gegeben – und ist zum Schluss gekommen: Für das München der Zukunft müsse der öffentliche Verkehr ausgebaut und Autos effizienter werden.

Sebastian Obermeir

„München autofrei? Erstmal nicht!“

Mobilität in einer wachsenden Stadt: Die Chancen und Herausforderungen

Hohes Verkehrsaufkommen: In München an der Tagesordnung.

München – München wächst – und damit die Herausforderungen an die Mobilität in der Stadt. Für Stadtbaurätin Elisabeth Merk ist also klar: „Alles Menschenmögliche“ müsse getan werden, um Wachstum und Mobilität bestmöglich vereinen zu können, wie sie auf Hallo-Nachfrage betont. 

Denn: Das Verkehrs­aufkommen steige, die Kilometerzahl der zurückgelegten Wege ebenso, wie die Studie „Mobilität in Deutschland“ jetzt bewies. Eine weitere Erkenntnis daraus: Längere Wege werden mit dem Auto zurückgelegt; in der Stadt gewinnen Rad, Bus und Bahn an Bedeutung. Der Schluss daraus wiederum: „Gerade im Pendlerverkehr muss sich die Situation noch verbessern“, sagt Merk.

Dass Münchens Mobilität überregional gedacht werden muss, bestätigt auch Christian Breu, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands München : „Es lässt sich bereits beobachten, dass der Verkehr über die Stadtgrenzen und über die Region hinaus immer stärker verflochten ist.“ 

Die Konsequenz sind daher große Verkehrsprojekte wie der S-Bahn-Ring und Tangentialverbindungen, die in Zukunft immer wichtiger werden. „Das umzusetzen braucht aber Zeit“, so Merk, „auch in der Zwischenzeit müssen wir handeln“. Als Möglichkeit sieht sie Ring- und Expressbusse, die jedoch über den Mittleren Ring hinaus gefasst werden müssten.

Christian Breu, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands München.

Und welche Bedeutung kommt dem Auto in Zukunft zu? Zwar belegt die Studie sinkende Auto-Anteile in der Stadt. Dennoch: „Das Auto wird weiterhin einen hohen Stellenwert beim Freizeit- und Einkaufsverkehr haben. Im Pendlerverkehr wird der Umstieg auf den ÖPNV rasanter voran gehen“, prognostiziert Breu.

Doch was wäre, wenn die Menschen vermehrt von zuhause arbeiten würden? „Das ist erst mal nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Breu. Dazu kommt, dass viele Firmen Wert auf zentrale Standorte legten, um in solchen Quartieren eine innovative Stimmung schaffen zu können. Die Stadtbaurätin wolle deshalb verstärkt mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Pilotprojekte wie sogenannte Company Busses, die gezielt den Arbeitsweg der Mitarbeiter abfahren, sind ein Teil davon.

Wer über die Mobilität der Zukunft spricht, kommt auch an neuartigen Konzepten wie innerstädtischen Seilbahnen nicht vorbei. „Aus technischer und finanzieller Sicht eine Alternative“, urteilt Breu. Auch wenn einige Fragen noch ungeklärt sind: „Wo sollen sie verlaufen? Verlaufen sie über Privatgrundstücke? Was, wenn die Bahn vor den Wohnzimmerfenstern von Bürgern verläuft?“ Dennoch glaubt er an die Seilbahn in München – genau wie Merk. „Städtebaulich ist es eine neue Frage. Aber ich bin zuversichtlich, dass das Projekt am Frankfurter Ring umgesetzt werden kann.

Sebastian Obermeir

Auch die S-Bahn bleibt voll

Vorerst ist keine große Verbesserung bei der S-Bahn in München in Sicht.

1 051 200 Minuten – um diese Verspätung anzeigen zu können, braucht die S-Bahn München wohl größere Anzeigetafeln: Der Bau der 2. Stammstrecke wird sich um zwei Jahre verzögern. Das gaben Ministerpräsident Markus Söder, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Oberbürgermeister Dieter Reiter und Bahn-Chef Richard Lutz jetzt bekannt.

Der Grund: Die Streckenführung soll geändert werden. Die neue Haltestelle Ostbahnhof soll auf die andere Seite verlegt werden, um die Kapazität um rund 25 Prozent zu erhöhen.

Ein weiterer Grund für die Stammstrecken-Verzögerung: Die geplante U-Bahnlinie U9 nimmt langsam Formen an. Sie wird nun in die Planung der Stammstrecke miteinbezogen. Der Stadtrat soll bereits im Oktober 400 Millionen Euro zur Finanzierung für den Bau beschließen, so Reiter. Scheuer stellte dabei in Aussicht, dass der Bau der Linie vom Bund gefördert werden könne.

So entwickelt sich die Münchner Bevölkerung bis 2040

Die Prognosen zeichnen ein düsteres Bild...
  • Rasantes Wachstum:
    Am stärksten wächst die Stadt am Rand: In Aubing-Lochhausen wird sich die Bevölkerung sogar fast verdoppeln. 90 000 Menschen werden 2040 dort wohnen. Der Grund: die Neubautätigkeit. Rund 17 000 Wohnungen sollen dazu kommen. Feldmoching-Hasenbergl soll aufgrund von Neubau-Projekten um über 50 Prozent wachsen. Stabile Einwohnerzahlen oder sogar leichte Rückgänge erwartet man hingegen im innerstädtischen Bereich.
  • Schrumpfende Viertel: 
    Während Randbezirke wachsen, weisen einige innerstädtische Bezirke Einwohnerverluste auf: Es gibt in der Altstadt etwa kaum noch Flächen für zusätzliche Wohnungen – Zu- und Fortzüge gleichen sich in etwa aus. Auch in Untergiesing-Harlaching ist ein Rückgang zu erwarten.
  • Dicht besiedelt?
    Die derzeit höchste Einwohnerdichte weist mit 16 151 Wohnberechtigten pro Quadratkilometer Schwabing-West auf. Am geringsten besiedelt ist Aubing-Lochhausen – selbst mit dem Bevölkerungsboom bis 2040. Besonders dicht besiedelt ist auch Au-Haidhausen (14 850 Einwohner pro Quadratkilometer). Der Bezirk gewinnt vor allem durch den Wohnbau auf dem ehemaligen Paulaner Areal dazu.
  • Wo wohnen junge Menschen, wo Senioren?
    Der durchschnittliche Maxvorstädter ist 38,6 Jahre alt. Damit war die Maxvorstadt 2017 der „jüngste“ Bezirk. 2040 wird es voraussichtlich Aubing-Lochhausen-Langwied sein. Uni-nahe Gebiete profitieren zunächst durch ausbildungs- und berufsbezogene Zuwanderung. Einige Jahre später ziehen die jungen Erwachsenen dann aber in Richtung Stadtrand. Die meisten älteren Bewohner leben in Hadern und Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln.

Das Wachstum in Zahlen

Stadtviertel

2017

2040

Altstadt-Lehel

-1,4

21 997

21 696

Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

+4,3

53 231

55 542

Maxvorstadt

+3,2

53 590

55 326

Schwabing-West

+3,6

70 469

73 005

Au-Haidhausen

+6,6

62 696

66 828

Sendling

+2,5

41 518

42 573

Sendling-Westpark

+5,0

60 366

63 401

Schwanthalerhöhe

-0,1

30 105

30 073

Neuhausen-Nymphenburg

+9,4

100 789

110 296

Moosach

+34,5

54 439

73 223

Milbertshofen-Am Hart

+12,0

76 594

85 773

Schwabing-Freimann

+31,6

79 090

104 102

Bogenhausen

+31,4

87 780

115 381

Berg am Laim

+21,7

46 232

56 273

Trudering-Riem

+34,5

72 796

97 914

Ramersdorf-Perlach

+16,0

116 051

134 628

Obergiesing

+6,3

54 842

58 301

Untergiesing-Harlaching

-1,9

53 565

52 552

Thalkirchen-Obersendling

+27,8

97 002

124 002

Hadern

+3,9

50 320

52 304

Pasing-Obermenzing

+17,7

75 103

88 361

Aubing-Lochhausen-Langwied

+91,5

46 769

89 538

Allach-Untermenzing

+29,6

32 973

42 734

Feldmoching-Hasenbergl

+54,2

61 530

94 898

Laim

+7,6

57 323

61 673


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