Pioniere in Gelb

Die ADAC Luftrettung wird 50 – und plant erweiterte Einsatzzeiten

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Die ADAC Luftrettung.

Seit 50 Jahren leistet die ADAC Luftrettung einen enormen Beitrag in lebensbedrohlichen Notlagen. Was hat sich im Lauf der Zeit verändert? Hallo hat nachgefragt...

München: Gegen die Zeit und für das Leben: Seit 50 Jahren steht dafür die ADAC Luftrettung. Am 1. November 1970 nahm Christoph 1 in München seinen Betrieb auf – als erster seiner Art in Deutschland. Das Jubiläum wird am 17. Oktober mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. 

1970 beklagte man jährlich 20 000 Verkehrstote. Heute sind es, auch dank der Luftrettung, 3000 pro Jahr. Der ADAC durchbrach 2019 die Marke von insgesamt einer Million Einsätze deutschlandweit. „Der Bedarf ist hoch“, erklärt Frédéric Bruder, Geschäftsführer der Luftrettung. 50 Rettungshubschrauber starten von 37 Stationen aus – wenn es nach Bruder geht, in Zukunft deutschlandweit täglich von 6 bis 22 Uhr. „Technisch wäre das möglich, doch das ist vertraglich bisher nicht vorgesehen und die Kostenfrage ungeklärt.“ 

Bilderstrecke - ADAC Luftrettung

1967 gab es in Westdeutschland 20 000 Verkehrstote – Notfallmediziner forderten eine bessere Versorgung von Verletzten. Der ADAC greift diese Idee auf und führt Ende der 60er Jahre einen Probelauf mit angemieteten Hubschraubern durch.
1967 gab es in Westdeutschland 20 000 Verkehrstote – Notfallmediziner forderten eine bessere Versorgung von Verletzten. Der ADAC greift diese Idee auf und führt Ende der 60er Jahre einen Probelauf mit angemieteten Hubschraubern durch. © ADAC Luftrettung
Auf den Namen „Christoph“ wird der Hubschrauber getauft, der am 1. November 1970 in München seinen Betrieb aufnimmt.
Auf den Namen „Christoph“ wird der Hubschrauber getauft, der am 1. November 1970 in München seinen Betrieb aufnimmt. © ADAC Luftrettung
Mit der Eröffnung der Rettungshubschrauber-Station Bayreuth setzt sich der ADAC für den weiteren Ausbau des Luftrettungsnetzes ein.
Mit der Eröffnung der Rettungshubschrauber-Station Bayreuth setzt sich der ADAC für den weiteren Ausbau des Luftrettungsnetzes ein. © ADAC Luftrettung
Die BO105 war der erste permanent eingesetzte Rettungshubschrauber. Heute ist einer im Verkehrsmuseum auf der Theresienhöhe ausgestellt.
Die BO105 war der erste permanent eingesetzte Rettungshubschrauber. Heute ist einer im Verkehrsmuseum auf der Theresienhöhe ausgestellt. © ADAC Luftrettung
Vergangenheit und Zukunft: Der EC 135 wird seit 1996 in der Luftrettung eingesetzt – heute werden die Typen H135 und H145 geflogen.
Vergangenheit und Zukunft: Der EC 135 wird seit 1996 in der Luftrettung eingesetzt – heute werden die Typen H135 und H145 geflogen. © ADAC Luftrettung
Zum 50. Geburtstag gibt es eine besondere Lackierung für „Christoph 1“.
Zum 50. Geburtstag gibt es eine besondere Lackierung für „Christoph 1“. © ADAC Luftrettung
 © ADAC Luftrettung
 © ADAC Luftrettung

Der Harlachinger Heli ist aktuell von Sonnenaufgang, frühestens 7 Uhr, bis Sonnenuntergang im Einsatz. Ein Faktor, den auch die Luftrettung im Hinterkopf hat: Anwohner-Ärger wegen des Lärms. Mit dem H145 setzt der ADAC in Harlaching den aktuell leisesten Hubschraubertyp ein – Hallo durfte einen Tag lang mitfliegen. In ferner Zukunft sollen es geräuschlose Multikopter lösen. 

Und jetzt? „Aktuell geht der Trend zu Dachlandeplätzen, da die Geräuschentwicklung geringer ist“, erklärt ein ADAC-Sprecher. So sind derzeit beim Umbau der Kliniken Harlaching und Bogenhausen Dachlandeplätze geplant. In Großhadern, Standort der DRF Luftrettung, ist dieser umstritten (Hallo berichtete). Aktuell nimmt das Luftamt Stellung zu den Einwänden gegen die schalltechnische Untersuchung. Ein Bescheid wird Mitte des Jahres erwartet.

Einsatzbilanz 2019 – die Zahlen

54 000 Einsätze in Deutschland, 1550 für Christoph 1. Für den Standort am Klinikum Harlaching bedeutet das 5,1 Prozent mehr Einsätze als im Vorjahr – über 80 Prozent waren Primäreinsätze, entweder um den Notarzt zum Einsatzort zu fliegen oder während der Behandlung auch den Patienten in die Klinik zu transportieren. Zum fünften Mal in Folge mussten die Hubschrauber deutschlandweit rund 54 000 Mal ausrücken. Das entspricht rund 150 Notfällen täglich. 

In 42 Prozent der Fälle wurde der Hubschrauber zu Freizeit-, Sport- oder Verkehrsunfällen gerufen. Dahinter folgen mit 17 Prozent neurologische Notfälle, wie Schlaganfälle, und mit 14 Prozent Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit unterscheidet sich München von den Bundesweiten zahlen (siehe Grafik). 

Auch bei der Altersstruktur der Patienten weicht der Münchner Hubschrauber ab: Der Anteil der unter zehnjährigen Patienten lag mit zehn Prozent etwas über dem Bundesdurchschnitt von neun Prozent. Christoph 1 ist einer von vier Maschinen der ADAC Luftrettung, die mit einer Winde zur Rettung in den bayerischen Alpen oder in unwegsamem Gelände ausgerüstet ist. Diese kam 80 Mal zum Einsatz – alle Windenstationen (München, Murnau, Straubing und Sande in Niedersachsen) zusammen nutzen die Winde 306 Mal im Jahr 2019. Das entspricht einer deutlichen Zunahme dieser Spezialeinsätze um vier Prozent.

Sabina Kläsener

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