In die Falle getippt...

15 000 Euro Verlust: Rentner handelt online mit Währungen und wird zum Betrugsopfer

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Mit binären Optionen auf Internet-Plattformen zu handeln, wie Ernst Müller, ist hoch riskant, erklärt die Polizei.

Auf dreiste Weise im Internet abgezockt: Ein Münchner Ehepaar teilt seine dramatische Geschichte – und möchte andere so vor diesem Schicksal bewahren...

München – „Wie konnte ich mich so manipulieren lassen“, fragt sich Ernst Müller (Name von der Redaktion geändert). Der Rentner wollte im Internet mit Währungen handeln – jetzt sind mehr als 15 000 Euro unwiederbringlich weg.

Der Münchner sieht im Internet eine Werbung, die ihn zu eine Webseite führt, auf der mit Währungen gehandelt werden kann. Ganz leicht könne man sein Geld verdoppeln, vervierfachen. Müller möchte es versuchen, den Gewinn könnte er gut gebrauchen, um die Enkel zu unterstützen.

Doch: „Mit binären Optionen auf Internet-Plattformen zu handeln, ist hoch riskant“, erklärt die Polizei. Diese Optionen haben wie eine Wette nur zwei Möglichkeiten: gewinnen oder alles verlieren. In Deutschland ist diese Handelsform für Kleinanleger verboten. Die Anbieter sitzen meist im Ausland, auf den Internetseiten fehlen oft Impressum und Kontaktangaben. Trotzdem tappen immer wieder Anleger in die Falle – wie Müller.

Erste Anzeichen eines Betrugs schreckten ihn nicht ab...

Mit 250 Euro kann er einsteigen – kein großes Risiko, findet er. Drei Mitarbeiter der Internet-Plattform „Banqoin“ beraten ihn von einer Berliner Telefonnummer aus, verlocken ihn zu weiteren Investitionen. Sein Geld überweist Müller an ein Konto in Litauen, die Bank sitzt auf den Marshallinseln. „Das hat mich schon stutzig gemacht, aber ich dachte, die Bank sei legitim.“

Anfangs hat er Erfolg, sein virtuelles Guthaben wächst. Jederzeit, dachte er, könne er sich das Geld wieder auszahlen lassen.

Größere Investitionen hätten größere Erfolgsaussichten, versprechen ihm die Berater. Müller telefoniert, gleichzeitig kann der Berater über ein Programm auf Müllers Bildschirm zugreifen. 

So auch, als er einen Großteil der über 15 000 Euro einzahlen möchte – doch auf einmal gibt der Berater eine andere Kontonummer ein. Erst da schöpft Müller Verdacht. Er will die Überweisung sofort stornieren – ohne Erfolg.

Als Müller Verdacht schöpft, ist es bereits zu spät...

Als er sich die vermeintlichen 30 000 Euro – sein virtuelles Guthaben – auszahlen lassen will, fordern die Berater erst 33 Prozent des Betrags für Verwaltungs- und Beratungskosten. Eine übliche Masche, wie Susanne Götz von der Verbraucherzentrale erklärt. 

Müller hat das Geld nicht, wird am Telefon beschimpft und soll einen Kredit aufnehmen. Er geht zur Polizei. Die ermittelt, kann ihm aber wenig Hoffnung machen, sein Geld wiederzubekommen.

Gegenüber Hallo erklärt die Plattform „Banqoin“ in einer E-Mail, die mittlerweile entlassenen Mitarbeiter hätten die Gelder auf ihre privaten Konten überwiesen. „Diese Menschen betrügen nun auf einer anderen Internetseite weiter.“ Dem Ehepaar Müller bleibt nichts als die Scham – und der Wunsch, andere vor der Gefahr zu warnen.

Sabina Kläsener

Verbraucherzentrale: Das müssen Geschädigte beachten

Susanne Götz, Finanzjuristin der Verbraucherzentrale Bayern.

Einen Betrag überweisen zu müssen, bevor man eine Auszahlung erhält: „Eine klassische Masche von Betrügern“, erklärt Susanne Götz, Finanzjuristin der Verbraucherzentrale Bayern. 

Wenn man bei einer Finanzdienstleistung etwas bezahlen muss, sollte man sich vorher Rechtsrat einholen. „Vorher gilt: Nicht bezahlen!“ Zum Vorgehen gehöre auch oft, den Geschädigten zu ängstigen und zu erpressen.

Vorsicht ist geboten, wenn ein Mahnverfahren ins Haus steht. Wichtig: „Widersprechen Sie dem rechtzeitig.“ Dafür müsse man nur das dazugehörige Feld ankreuzen und den Bescheid zurückschicken. Denn: Bei einem Mahnverfahren werde nicht geprüft, ob die Zahlungsforderung gerechtfertigt ist. Widerspricht man nicht, müsse man zahlen – „bitteres Lehrgeld“. Wenn das Mahnverfahren nicht erfolgreich sei, dann bliebe den Tätern nur die Möglichkeit, Klage einzureichen – was Götz für unwahrscheinlich hält.

Wichtig: Götz empfiehlt Geschädigten immer zur Polizei zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit, das Geld zurückzubekommen, sei gering. „Aber so baut sich Druck auf, dass sich die Behörden kümmern müssen.“

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