Änderung der Verkehrszeichen gefordert

2. Stammstrecke: Umbau sorgt weiterhin für Chaos am Laimer Bahnhof

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Wer soll sich da noch auskennen? Diese Pendler jedenfalls nicht: Eine Frau geht in verkehrter Richtung in die Röhre, ein Radler kommt auf der falschen Seite raus.

Seit dem 20. September ist die Laimer Unterführung für den Verkehr dicht. Die neuesten Entwicklungen bei Münchens größtem Bauprojekt und was Münchner gerne daran ändern würden...

Update: 09. Oktober

Laim – Eng geht es zu in dem für Fußgänger und Radler freigegebenen Teil der Laimer Unterführung, seit die Röhre für Autos vor zweieinhalb Wochen gesperrt wurde. Denn: Am Nordausgang wurden zwei nebeneinanderliegende Schutztunnel mit Einbahnsystem errichtet.

„Dieses Chaos kann so nicht dreieinhalb Jahre bleiben“, wetterte Viertel-Chef Josef Mögele (SPD) in der jüngsten BA-Sitzung. Fraktionskollegin Martha Mertens beklagte sich, dass sie kürzlich von einem Radler fast über den Haufen gefahren worden wäre.

„Unverständlich“ und „nicht den Gewohnheiten entsprechend“ finden die Laimer Grünen die Beschilderung. Daher haben sie einen Eilantrag gestellt: Sie fordern, dass die für Fußgänger und Radler gemeinsam zu nutzenden Passagen getrennt werden. Außerdem soll die Beschilderung von „Radfahrer Schrittgeschwindigkeit“ in „Radfahrer absteigen“ geändert werden.

Auf Hallo-Nachfrage erklärt Johannes Mayer vom KVR die Situation: „Eine Trennung von Fußgängern und Radfahrern in jeweils eigene Schutztunnel, was auch wir im Grunde bevorzugt hätten, scheitert an den örtlichen Gegebenheiten. Gemäß der einschlägigen Vorgaben muss ein Zweirichtungsradweg eine Mindestbreite von zweieinhalb Metern haben. Da jeder Schutztunnel für sich aber nur zwei Meter breit ist, konnte ein solcher Radweg nicht eingerichtet werden.“ 

Seit dem 20. September besteht bei der Laimer Unterführung eine Vollsperrung wegen dem Streckenbau der 2. Stammstrecke.

Die Radler absteigen lassen möchte das KVR nicht, da die Röhre „eine wichtige Radverbindungsroute zwischen Laim und Nymphenburg ist und die einzige Querungsmöglichkeit der Gleise zwischen der Friedenheimer Brücke und der Offenbachunterführung“. Überdies habe die Behörde bisher sechs Schreiben von Bürgern erhalten, die sich sowohl negativ als auch positiv zur aktuellen Situation äußerten.

Die Lokalpolitiker bemängelten außerdem den Container der Bäckerei Müller, welcher nun dort steht, wo sich zuvor Radlständer befanden. „Der kann da nicht bleiben“, sagte Mertens. „Der Tunnel ist sowieso schon zu eng.“ Laut Mayer habe das KVR hier nur bedingt Mitspracherecht, da sich der Container auf Bahngrund befinde. „Nach Auskunft der DB soll der Container stehen bleiben bis die Arbeiten am Zwischengeschoss abgeschlossen sind und die Bäckerei wieder zurück kann“, so Mayer.

CSU-Politikerin Alexandra Gaßmann fasste die Situation am Bahnhof als „unhaltbaren Zustand“ zusammen. „Da muss ein anständiges Management her“, forderte sie. Nur einen Tag nach der BA-Sitzung gab die DB einen Führungswechsel bekannt: Zum Jahresende gibt Markus Kretschmer, Gesamtprojektleiter der zweiten S-Bahn-Stammstrecke, seinen Job auf. Nachfolgen wird ihm Wirtschaftsingenieur Kai Kruschinski.

Daniela Borsutzky

Update: 20. September – Laimer Unterführung ab sofort gesperrt

München – Aufgrund von Bauarbeiten für die 2. Stammstrecke ist die Laimer Unterführung in den kommenden Monaten für Kraftfahrzeuge gesperrt, auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt es zu Änderungen. Voraussichtlich bis 14.12.2019 ist die Laimer Unterführung zwischen Landsberger Straße und Winfriedstraße für Kraftfahrzeuge komplett gesperrt. Der Weg für Radfahrer und Fußgänger wird verengt. Die S-Bahnstation Laim bleibt zugänglich.

Die Unterführung ist für den Straßenverkehr gesperrt.

Erstmeldung: 18.September – 2. Stammstrecke sorgt weiter für Wirbel

München – Im Bauabschnitt West für die zweite S-Bahn-Stammstrecke wird es ernst: Das Nordportal der Unterführung wird auf einer Länge von 30 Metern abgerissen und mit dem Bau der Umweltverbundröhre (UVR) östlich der bestehenden Unterführung begonnen. 

Deshalb ist die Laimer Unterführung von Freitag, 20. September, bis Samstag, 14. Dezember, für den motorisierten Verkehr voll gesperrt. Zugleich startet der Neubau der S-Bahn-Station (Hallo berichtete). „Dann bekommt Laim endlich einen tollen neuen Bahnhof“, kündigt Jörg Mader (44), Bürgerbeauftragter der Bahn für die zweite Stammstrecke, an.

Bis 2026 soll die neue Station fertig sein. Sie bietet dann vier statt bisher drei Gleisstränge für die S-Bahn, zwei breitere Bahnsteige, einen neuen Hauptzugang mit Lift von der UVR, in der später Busse oder die Tram-Westtangente fahren werden, und ein neues Bahnhofsgebäude mit Roll­treppen und einer WC-Anlage. Mader versichert: „Die S-Bahn-Station Laim bleibt im Zeitplan, egal, was sich in anderen Bauabschnitten tut.“

Neuplanungen verzögern geplante Fertigstellung

Im Osten nämlich wurden die Pläne überarbeitet, weshalb die zweite Stammstrecke voraussichtlich erst Ende 2028 in Betrieb gehen wird (siehe unten).

Unter anderem gibt es Änderungen bei der Streckenführung, der Situierung des neuen Ostbahnhofs und beim Rettungskonzept. So wird eine dritte Röhre als Instandhaltungs- und Rettungstunnel dienen. Die Zahl der Rettungsschächte kann damit von neun auf vier reduziert werden. „Das erspart uns mehrere oberirdische Baustellen und den Anwohnern viele Belastungen“, sagt Mader.

Vor allem kommt das den Bürgern in Haidhausen entgegen, wo der Protest am größten war. Mehrere Haidhauser haben Klage eingereicht und eine Bürgerinitiative gegen den Ausbau gegründet (Hallo berichtete).

Arbeitskreis hofft auf Verbesserung der Planungs- und Bauarbeiten

Bauingenieur Wolfgang Beyer vom „Münchner Forum“.

Die zweite Stammstrecke verhindern – das wollen Bauingenieur Wolfgang Beyer und seine Mitstreiter vom „Münchner Forum“ nicht. „Wir schlagen eine bessere Version vor“, sagt Beyer und grinst. Seine Forderungen: „Der Ausbau muss jetzt beginnen“, sagt der 79-Jährige. 

Aber an anderer Stelle: Wenn es nach dem Arbeitskreis geht, sollen zunächst die Linien S1, S2, S4 und S 7 ausgebaut werden. Der Tunnel dann zwischen 2030 und 2040 – aber mit einer großen Änderung. „Regionalzüge und ICEs müssen darin fahren können, sonst bringt er gar nichts.“ 

Notwendig sei der für die S-Bahn nicht, denn: Im Norden gäbe es Trassen und Möglichkeiten für einen Nord­ring – vom Hauptbahnhof über Pasing zur BMW-Welt und über Johanneskirchen zurück in die Stadt. Der Südring könne über Laim, den Heimeranplatz, die Poccistraße und den Ostbahnhof verlaufen. 

Das ganze ist Teil ihres Konzepts „S-Bahn Ausbau Jetzt! Vision 2050“. Schon seit Jahren versucht das Münchner Forum, die Planungen zu verbessern. „Ich bin hoffnungsvoll, dass es auch dieses Mal gelingt“, so Beyer.

Ursula Löschau & Hanni Kinadeter

Das sehen die neuen Planungen vor

Die rote Linie zeigt die optimierte Streckenführung mit weniger Rettungsschächten.

Neue Streckenführung, weniger Rettungsschächte, Hauptbahnhof mit Station für U9

Die rote Linie zeigt die optimierte Streckenführung mit weniger Rettungsschächten. 2026 soll der Abschnitt West (Laim) fertig sein, Ende 2027 die oberirdischen Maßnahmen im Abschnitt Ost und am Marienhof. 

Die gesamte zweite Stammstrecke soll bis Ende 2028 betriebsbereit sein. Dann will man auch die S-Bahn-Station am Hauptbahnhof und den neuen Ostbahnhof fertig haben. Das neue Empfangsgebäude am Hauptbahnhof dauert bis Ende 2029. Dort errichtet die Bahn zudem eine Station für die geplante Linie U9 (Hallo berichtete).

Haidhauser wollen Pläne kippen

Heftige Proteste, aufgeheizte Gemüter und ein solcher Ansturm, dass der Hofbräukeller völlig überfüllt war und die Bürgerversammlung zum S-Bahn-Ausbau verschoben werden musste – so war die Situation im Februar 2017.

Au-Haidhausen – Um eines ist Monika Naggl aus Haidhausen besonders froh: „Ich bin jeden Tag dankbar, dass der Orleansplatz gerettet ist“, sagt sie. 15 Jahre lang hat sich die Haidhauserin in der Bürgerinitiative engagiert, um eine Umsetzung der Pläne zu verhindern. 

Statt am Orleansplatz soll die neue Station in der Friedensstraße, auf der anderen Seite des Ostbahnhofs, entstehen – dort also, wo das Werksviertel entstanden ist und weiterwächst sowie eine Konzerthalle geplant ist. Das ist aber auch schon das Einzige, was sie dem Plan an Positivem abgewinnen kann. 

Da Naggl aus Altersgründen nicht mehr so aktiv in der BI ist, haben andere das Ruder übernommen. Einer davon ist Richard Forward, er will in der Sitzung des Bezirksausschusses Au-Haidhausen mit seinen Mitstreitern gleich fünf Anträge stellen. Was ihm besonders wichtig ist: „Wir brauchen zeitnah eine Bürgerversammlung, damit alle informiert werden und sich ein Bild machen können“, sagt er. 

Jetzt fordert die Bürgerinitiative Haidhausen, nochmal eine Versammlung zum Thema einzuberufen.

Diese soll für Bürger der Bezirke Au-Haidhausen und Berg am Laim organisiert werden und noch in diesem Oktober oder November stattfinden. Die Pläne, die es zu einer Station unter dem Orleansplatz gab, sollen demnach für ungültig erklärt werden und die Genehmigung der neuen Pläne für den Abschnitt 3 soll nach den gesetzlich vorgeschriebenen Vorgaben geschehen. Also: „Das muss transparent geplant werden, für die Bürger müssen die Pläne öffentlich einsehbar können sowie die Möglichkeit, Einwände zu erheben“, sagt Forward. 

In einem weiteren Antrag fordert die BI, dass der Umweltschutz vor allem auf Höhe der Maximiliansanlagen erhalten bleibt und, dass das Gelände der Autoverladung und für die Nachtzüge erst dann umgeplant wird, wenn es einen sinnvollen Alterativstandort gibt. 

„Wir können die Planung so nicht akzeptieren“, steht für Forward fest. Jetzt, wo außerdem auch ein Fluchttunnel, also drei Röhren geplant seien, ist die Bohrung unter den Häusern viel umfangreicher geplant.

Hanni Kinadeter

Die Sitzung des BA 5, in der die Anträge gestellt werden, findet am Mittwoch, 18. September, 19 Uhr, in der MVHS, Einsteinstraße 28 im Raum A.010 (EG) statt.

Großbaustelle Nymphenburg

So soll der Bahnhof nach Fertigstellung aussehen. Doch bis dahin stehen noch einige Arbeiten an: In der Bahnhofshalle bleibt stets ein schmaler Durchgang offen, damit die Fahrgäste von und zu ihren S-Bahnen kommen. Die Radl- und Fußgängerröhre wird ebenfalls ab 20. September um 30 Meter zurückgebaut, ist jedoch nicht bis Mitte Dezember gesperrt. Ein Teil der Radständer wird vorübergehend abgebaut.

Die nächsten Schritte zum Umbau des Laimer Bahnhofs, Umleitungen und Engpass Romanplatz

Bauarbeiten am Bahnhof Laim

Nymphenburg – Der Laimer Bahnhof soll – inklusive Umweltverbundröhre – bis 2026 barrierefrei und leistungsfähig umgestaltet sein (siehe oben). Dazu wird er ab Freitag, 20. September, völlig umgekrempelt. 

Vorzeichen sind in der alten Durchgangshalle schon sichtbar. Als nächstes wird die rechte Hälfte des jetzigen Treppenaufgangs zu den Gleisen abgerissen und im Bereich des Lichthofs eine Brücke für einen neuen Bahnsteig geschaffen. 

Der Dauerbrenner im Viertel: Wie kann während der Bauarbeiten eine alternative Lift-Vorrichtung gewährleistet werden?

Ab Herbst 2020 kommt die linke Treppenhälfte weg. Dann wird auch der jetzige Lift abgerissen (Hallo berichtete). Laut Jörg Mader, Bürgerbeauftragter der Bahn für die zweite Stammstrecke, wird zur Zeit noch geprüft, wie mit einem provisorischen Aufzug zumindest ein Bahnsteig barrierefrei erreichbar bleiben kann. Immerhin geht es um über fünf Jahre Bauzeit. Der örtliche BA fordert deshalb zwingend ein Übergangsangebot für Menschen, die auf einen Lift oder ähnliches angewiesen sind.

Umwege in Kauf nehmen müssen alle motorisierten Verkehrsteilnehmer, die bis Mitte Dezember die Laimer Unterführung nicht befahren können. Laut KVR-Sprecher Johannes Mayer werden „Ableitungsbeschilderungen unter anderem in der Landsberger Straße, in der Menzinger Straße, Arnulfstraße, Wotanstraße und am Romanplatz mit Hinweis auf die Sperrung der Laimer Unterführung und die Ableitung über die Wilhelm-Hale-Straße / Friedenheimer Brücke errichtet“. 

Das betrifft auch mehrere Buslinien. So werden die Linien 51 und N78 über die Friedenheimer Brücke umgeleitet. Die Linie 151 wird geteilt in die Abschnitte Süd (Bahnhof Laim – Waldfriedhof) und Nord (Westfriedhof – Nymphenburg Süd). Hier geht es über den Romanplatz, der ebenfalls noch Großbaustelle ist.

Weiter einspurig über den Romanplatz

Für Autofahrer heißt es am Romaplatz auch weiterhin: Geduld bewahren!

Am Romanplatz bleibt es im Rahmen der noch anstehenden Arbeiten, dazu gehören Gleis- und Straßenbauarbeiten, auch in den kommenden Monaten noch sehr eng für alle Verkehrsteilnehmer. 

„Die Fahrbahnen bleiben einspurig und werden in ihrer Lage verschwenkt“, teilt KVR-Sprecher Johannes Mayer auf Hallo-Anfrage mit. „Nach derzeitigem Kenntnisstand soll die Trambahn ab dem 14. Dezember wieder fahren“, so Mayer. Dann soll nach jetziger Planung auch die Laimer Unterführung wieder geöffnet werden. 

Die Wendeschleife für die Trambahn in der Arnulfstraße wird im Frühjahr 2020 wieder zurückgebaut. 

Ursula Löschau

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