Die Odyssee der Öhlschläger-Zwillinge

Münchens wohl bekannteste Brüder suchen eine neue Heimat

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Stefan (links) und Christian Öhlschläger suchen verzweifelt nach einem neuen Zuhause.

München – Die Stadt wächst, Wohnraum ist rar, die Mieten überteuert – Das Ausmaß des enormen Zuzugs bekommen jetzt auch Münchens vielleicht bekannteste Zwillinge zu spüren 

Sie sind sicher Münchens schillerndstes Brüderpaar: die stadtbekannten Zwillinge, Stefan und Christian (59). Doch die beiden Paradiesvögel stehen auf der Straße, suchen verzweifelt eine Wohnung.

Zur Zeit sind sie in einer Kurzzeit-Unterkunft für Wohnungslose in Milbertshofen untergekommen, nicht ganz freiwillig, wie Stefan für sich und seinen Bruder betont: „Sie haben uns einfach verlegt.“ Nicht zum ersten Mal, denn in den letzten Jahren sind die beiden Schwabinger Originale öfter unfreiwillig umgezogen, „jetzt hat uns die Innere Mission aufgenommen.“

Nicht nur ihre Optik macht sie auffällig: Das bunte Duo ist nicht ganz ohne, manchmal streitlustig und nicht immer ganz leise im Auftritt. Zu einem Wechsel oder gar einem Hausverbot in einer Unterkunft kann es kommen, „wenn es Konflikte mit Mitbewohnern gibt“, erklärt Gesine Petry, Sprecherin des Sozialreferats.

Von ihrer letzten eigenen Wohnung 2015 in Laim ging es deshalb für die Brüder nach Trudering zur Katholischen Männerfürsorge, dann sollten sie nach Neuaubing. Dort verwiesen, ist das Duo nach einem Krankenhausaufenthalt im Klinikum Bogenhausen Richtung Münchner Norden gelandet – in der x-ten Unterkunft. 

Sechs Koffer, einige Umzugskartons, „alles was wir noch haben“, lagere im Keller eines Bekannten in Pasing. Stefan hofft: „Wir wollen doch nur zwei Zimmer, ein eigenes Bad und unsere Ruhe.“

Die Brüder haben zwar einen schriftlichen Unterbringungsanspruch gemäß „Artikel 57 der geltenden Rechtsvorschriften“, sowie eine Sachbearbeiterin beim Wohnungsamt. Trotzdem ist es schwer, eine Unterkunft zu finden. Christian und Stefan brauchen jetzt wohl eine Portion Glück.

Marie-Julie Hlawica

12 803 Haushalte suchen in München eine Sozialwohnung

München wächst, Wohnraum ist knapp, Mieten überteuert. Wie schlimm es im Januar 2019 beim Bedarf an Sozialwohnungen steht, verraten die neuesten Zahlen. 

Eine Sprecherin vom Sozialreferat erläutert: „12 803 Haushalte waren im letzten Monat mit Berechtigung für eine Sozialwohnung registriert. 77 Prozent davon, also 9858 Haushalte, suchen mit oberster Dringlichkeit.“ 

Rund 85 000 Wohnungen stehen der Stadt München mit Belegrecht zur Verfügung. „Wir haben zwar das Online-Portal Sowon, das die Suche der Bedürftigen vereinfacht, aber letztendlich stehen pro Jahr nur 3000 Wohnungen tatsächlich zur Verfügung.“ 

Und am Ende ist es immer die Entscheidung des Vermieters, wen er tatsächlich in seine Wohnung einziehen lässt.

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