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Machtzentrale München – Welche Ministerien jetzt umziehen, wo überall gebaut wird 

München ist die Machtzentrale in Bayern. Jedoch wie lange noch?
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München ist die Machtzentrale in Bayern. Jedoch wie lange noch?

Wie viele Ministerien gibt es eigentlich in München? Und wo liegen die genau? Hallo hat den Überblick, welches Ministerium umzieht und wo überall gebaut wird.

Raus aus München, ab aufs Land: So lautet verkürzt die neue Strategie von Ministerpräsident Markus Söder. Um den Ballungsraum München zu entlasten, sollen Behörden wie Ministerien in den ländlichen Raum verlegt werden.

Bewegung kommt in manches Ministerium durch Umbauten und Sanierungen. Im vormals von Linde genutzten Komplex am Oberanger werden ab Juli rund 300 von insgesamt 900 Mitarbeitern des Innenministeriums für 15 Jahre zusammenziehen. Bisher waren diese auf vier Standorte verteilt – ein Gebäude am Franz-Josef-Strauß-Ring musste für das Bauministerium geräumt werden. Die Zentrale rund um Innenminister Joachim Herrmann wird im Stammhaus am Odeonsplatz 4 bleiben. Wie die Sicherheitsvorkehrungen für den neuen Standort, die schon bei Linde „umfangreich waren“, ergänzt werden sollen, dazu wollte ein Sprecher keine Angaben machen.

Innenminister Joachim Herrmann

Bereits seit Ende 2017 gibt es vom Ministerium für Gesundheit und Pflege einen Sitz in Nürnberg. In München soll jedoch eine Kopfstelle bleiben. Seit 2014 gibt es auch vom Finanzministerium eine Nürnberger Dependance. Auch in der Salvatorstraße 2, wo die Ministerien für Unterricht und Kultus sowie Wissenschaft und Kunst sitzen, wird ab sofort für 15 Jahre generalsaniert. Nicht nur der Brandschutz soll dabei optimiert werden, auch neue Räume sollen gewonnen werden. Während des ersten Bauabschnitts ziehen circa 100 Mitarbeiter in Räume des Umweltministeriums sowie in die Nähe des Leuchtenbergrings.

Doch wo sitzt aktuell welches Ministerium? Das wissen nur die wenigsten – Hallo klärt auf

  • Staatskanzlei, Franz-Josef-Strauß-Ring, 1, 400 Mitarbeiter Rund um die Uhr wird das Gebäude von der Polizei bewacht. Über das Jahr verteilt kommen sehr viele Gäste – allein 11 000 im Rahmen von Besuchergruppen – und Gesprächspartner in die Kanzlei, wie eine Sprecherin erklärte.
Staatskanzlei
Innenministerium (Außenansicht)

  • Ministerium des Inneren, für Sport und Integration, Odeonsplatz 3, 900 Mitarbeiter Welche Abteilungen in das neue Gebäude am Oberanger ziehen, ist laut eines Sprechers nicht endgültig entschieden. Ein Ankauf des Gebäudes durch den Freistaat ist nicht beabsichtigt.
  • Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, Franz-Josef-Strauß-Ring 4, 550 Mitarbeiter Das Hauptgebäude ist komplett renoviert und erfüllt hochwertige energetische Standards, wie ein Sprecher verriet. Im Foyer finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen mit bis zu 200 Gästen statt.

  • Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, Franz-Josef-Strauß-Ring 4, 550 Mitarbeiter Das Hauptgebäude ist komplett renoviert und erfüllt hochwertige energetische Standards, wie ein Sprecher verriet. Im Foyer finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen mit bis zu 200 Gästen statt.
Gesundheitsministerium

  • Ministerium der Justiz, Prielmayerstraße 7, 215 Mitarbeiter In den Jahren 1891 bis 1897 erbaut finden immer wieder Renovierungsarbeiten am Justizpalast statt. Zur Zeit sind laut einer Sprecherin die Außenfassadenfenster saniert. Im Justizministerium gibt es eine Dauerausstellung im Weiße Rose Saal. Wohin es führen kann, wenn die Dritte Gewalt im Staate ihre Unabhängigkeit verliert, zeigt diese Dauerausstellung im nahezu vollständig erhaltenen Sitzungssaal 216 (heute 253), in dem am 19. April 1943 der zweite Prozess gegen 14 Angeklagte der Widerstandsgruppe Weiße Rose stattfand. Ihren Mut zur Freiheit haben die Geschwister Sophie und Hans Scholl und vier ihrer Freunde, Christoph Probst, Prof. Kurt Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf, mit dem Leben bezahlt; zehn weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose wurden zu zeitigen Freiheitsstrafen verurteilt. Konzipiert wurde die Ausstellung vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz in Zusammenarbeit mit der Weißen Rose Stiftung e.V. Neben den Lichtbildern der insgesamt 17 Angeklagten aus beiden Prozessen und den Kopien einiger Originaldokumente vermittelt insbesondere die Authentizität des Ortes einen bleibenden Eindruck von der Justizwillkür des Dritten Reiches.

Justizpalast
  • Ministerium für Unterricht und Kultus, Salvatorstraße 2, rund 500 Mitarbeiter Das Gebäude wir in mehreren Bauabschnitten die nächsten 15 Jahre generalsaniert. Es hat eine wechselvolle Geschichte: Im 17. Jahrhundert wurde es von Kurfürstin Adelheid und Kurfürst Ferdinand Maria als Theatinerkloster gegründet. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde es säkularisiert und verschiedene ministerielle Ressorts untergebracht. Noch heute wird ein kleiner Teil des Gebäudes von Dominikanermönchen genutzt, wie eine Sprecherin erklärte.
Kultusministerium
  • Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Salvatorstraße 2, rund 320 Mitarbeiter Vor kurzem hat das Kunstministerium im „Alten Ministergang“ Ausstellungsflächen für junge Künstler geschaffen. Die erste Vernissage fand nach Auskunft einer Sprechein im Dezember 2019 statt. Auch in Zukunft werden dort in Wechselausstellungen Werke von jungen Kreativen gezeigt.
  • Ministerium für Finanzen und Heimat, Odeonsplatz 4, 560 Mitarbeiter (mit Nürnberg) Die offizielle Hauptpforte befindet sich am Odeonsplatz 4. Im Internet ist jedoch eine weitere Anschrift angegeben: Kardinal-Döpfner-Straße 4. Dort begindet sich ein Nebeneingang, wie eine Sprecherin erklärt. Das Finanzministerium sitzt im Gebäude des damaligen Palais Leuchtenberg, das größte Palais Münchens. Architekt des Gebäudes war Leo von Klenze.
  • Ministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Prinzregentenstraße 28, rund 500 Mitarbeiter Bürger an sich werden beim Ministerium nicht vorstellig, sondern Vertreter wie zum Beispiel von Verbänden, Kammern und Unternehmen, erklärte eine Sprecherin.
  • Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Rosenkavalierplatz 2, 600 Mitarbeiter Derzeit finden mehrere Umbauten und Renovierungen statt zur energetischen Verbesserung des Gebäudes – insbesondere der Austausche der Fenster der Außenfassade. Laut Auskunft einer Sprecherin werden zudem die Kantine und der Kindergarten renoviert beziehungsweise modernisiert. Der Kindergarten soll um eine Kinderkrippe erweitert werden. Ein neuer Veranstaltungsraum soll zudem entstehen – ein innovatives Bauvorhaben, das höchsten ökologischen Ansprüchen gerecht werden soll. Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie, wie das Vorhaben umgesetzt werden könnte.
  • Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ludwigstraße 2, 500 Mitarbeiter Das Gebäude wurde in den vergangenen Jahrzehnten von Grund auf saniert. Laut eines Sprechers werden derzeit noch die Außenanlagen wieder hergerichtet. Das viergeschossige Ministerium wurde in der NS-Zeit zwischen 1938 und 1940 als Zentralministerium gebaut. Im Innenhof erinnert eine Gedenktafel daran, dass hier in den letzten Kriegstagen Mitglieder der Freiheitsaktion Bayern erschossen wurden. Zwar hat das Ministerium keinen klassischen Publikumsverkehr, aber das Kasino ist mittags über den Innenhofe zugänglich. Pro Tag kommen 700 bis 800 Essensgäste hier her. Im Sommer und Winter wird zu den beliebten Hoffesten geladen.
  • Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Winzererstraße 9, 477 Mitarbeiter Das Ministerium wurde in den vergangenen zehn Jahren umfassend saniert und renoviert. Dabei wurde neben dem Brandschutz und den Sicherheitseinrichtungen auch das Netzwerk und die Barrierefreiheit ausgebaut. In den nächsten Jahre sind nur noch kleinere Baumaßnahmen geplant, etwa die Klimatisierung von Besprechungs- und Schulungsräumen. Der Publikumsverkehr beschränkt sich nach Auskunft einer Sprecherin auf eingeladene Teilnehmer von Veranstaltungen, Besucher, die konkrete Dienstgeschäfte wahrnehmen und angemeldete Besuchergruppen. Für die Bürger ist das Zentrum Bayern Familie und Soziales in der Richelstraße 17 Anlaufstelle und Ansprechpartner.
  • Ministerium für Gesundheit und Pflege, Haidenauplatz 1, 359 Mitarbeiter (mit Nürnberg) Der Aufbau des Nürnberger Dienstsitzes, der im November 2017 eröffnet wurde, schreitet laut einer Sprecherin erfolgreich voran. Die Kopfstelle in München soll sicherstellen, dass das Ministerium arbeitsfähig ist. Das bedeutet mit dem Landtag zusammenzuarbeiten, sowie mit dessen Ausschüssen, interministerielle Termine wahrzunehmen sowie Kontakt mit den fachlichen Ansprechpartnern von Kammern, Krankenkassen und Verbänden zu pflegen.
Gesundheitsministerium
  • Ministerium für Digitales, Oskar-von-Miller-Ring 35, 95 Mitarbeiter Das jüngste unter den Ministerien, das im November 2018 geschaffen wurde. Hier kommen Politiker sowie Mitarbeiter von Start-ups für einen fachlichen Austausch zu Besuch, wie ein Sprecher verriet.

Hätten Sie’s gedacht?

  •  Ein Geheimgang zwischen der Staatskanzlei und dem Prinz-Carl-Palais: Darüber wird gemunkelt. „Das ist aber nicht der Fall – zumindest haben wir ihn noch nicht gefunden“, verrät eine Sprecherin. 
  • Keine Chefetage: Ministerin Judith Gerlach wollte ihr Büro im neuen Digitalministerium mittendrin, sprich im dritten von fünf Stockwerken, beziehen. 
  • Als erstes Umweltministerium Deutschlands feiert das bayerische heuer 50-jähriges Bestehen.

sab

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