Einfach Buntes tun!

Für die Vielfalt: So hilft die Buntstiftung sozial benachteiligten Menschen

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Die Buntstiftung macht die Stadt vielfältiger.

München – Farbe für ein friedliches Miteinander: Im offenen Kunstatelier, können Jugendliche Angst und Frust mildern. Wie das Projekt funktioniert und welche anderen Angebote es gibt, lesen Sie hier

Es ist Freitag, 15 Uhr. Farben, Stifte und Leinwände liegen bereit. Langsam trudeln die ersten Jugendlichen im Atelier im Bellevue di Monaco ein und machen sich gemeinsam ans Werk: Unter Anleitung von Künstpadagogen können sie sich künstlerisch betätigen – und miteinander reden, sich austauschen, für einen Moment die Welt um sich vergessen.

Projektleiter Paul Huf.

Das offene Kunstatelier ist ein Projekt der Münchner Buntstiftung. Seit 10 Jahren fördert sie junge Menschen, die sozial benachteiligt sind – die meisten davon minderjährige Geflüchtete. „Der Name der Stiftung geht auf das Ideal der bunten Gesellschaft zurück“, erklärt Stiftungsratvorsitzende Gile Haindl-Steiner. Die Gesellschaft sei überhaupt erst lebendig, wenn sie vielfältig ist. „Und der Buntstift ist für viele das erste künstlerische Medium, mit dem sie kreativ werden.“ 

Auch Menschen ohne Fluchthintergrund nehmen im Kunstatelier teil. Gemeinsam zu malen und künstlerisch tätig zu sein wird so zum Brückenschlag für gegenseitiges Verständnis und Integration.

 „2015 war die Euphorie groß, jetzt werden die Geflüchteten als Problem dargestellt“, sagt Projektleiter Paul Huf. „Wir möchten auf ihre Situation aufmerksam machen.“ Viele Probleme zeigen sich nämlich erst in der neuen Heimat: komplizierte Anträge, eine schwierige Jobsuche und häufig traumatische Erlebnisse vor, während und nach der Flucht prägen die Lebensumstände der Teilnehmer im Kunstatelier. „Wir versuchen, ihnen eine Chance zu geben, durch ein schwieriges System zu kommen.“

Laufen gegen Depression

Auch Menschen ohne Fluchthintergrund nehmen im Kunstatelier teil.

Neben dem Kunstatelier organisiert die Buntstiftung eine bunte Vielfalt an Projekten: Sprachkurse, Foto- und Medienworkshops, Tanzkurse. Oder Lauftreffs – die sogar therapeutische Wirkung entfalten können. Paul Huf, selbst begeisterter Marathonläufer erklärt: „Oft ist es so, dass es den Geflüchteten nach der Ankunft schlechter geht, weil Traumata wieder hochkommen. Zu laufen bietet hier eine Pause fürs Gehirn.“ Das wirke sogar gegen Schlafstörungen und Depressionen. 

Außerdem: „Geflüchtete leben nur von der Gutmütigkeit anderer. Ich bin sicher, ein Mensch hält es nicht aus, immer nur Dinge anzunehmen“, sagt Huf. Der Sport biete dann eine Möglichkeit der gleichberechtigten Herausforderung. Die Stoppuhr macht keine Unterschiede bei Herkunft oder Hautfarbe. München – dank Initiativen wie der Buntstiftung – hoffentlich auch bald nicht mehr.

Sebastian Obermeir

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