Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und Co.

Dafür setzen sich junge Münchner ein

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Auch am Freitag, 1. Februar, werden ab 11 Uhr Schüler auf dem Marienplatz demonstrieren.

München – Sie sind die Zukunft der Landeshauptstadt und wollen schon jetzt mit Protesten und Demonstrationen auf Missstände und Defizite aufmerksam machen: Münchner Schüler und Studenten

Update: Am Mittwoch, 30. Januar, fiel das Urteil im "Containern-Fall". Die zwei jungen Studentinnen Caro und Franzi standen vor Gericht, weil sie Lebensmittel aus einer Mülltonne mitnahmen. 

Das Urteil lautet: Jeweils 225 € Geldbuße unter Vorbehalt und acht Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Tafel. Die Geldbuße muss allerdings nur bei einem erneuten Vergehen bezahlt werden. Die Bewährungszeit wurde auf 2 Jahre festgesetzt.

Nachsitzen für das Klima

Nachsitzen, einen Zusatz-Aufsatz schreiben oder an einer Diskussionsrunde teilnehmen – diese Strafen drohen Münchner Schülern, die während der Schulzeit bei den „Fridays for Future“ für besseren Klimaschutz demonstrieren anstatt in den Unterricht zu gehen. Trotz der Strafen kamen zuletzt 3500 Jugendliche auf dem Marienplatz zusammen.

Das Kultusministerium überlässt den Schulen die Konsequenzen. Am Karlsgymnasium in Pasing müssen die Schüler an einem Nachmittag konkrete Vorschläge erarbeiten, wie der Klimaschutz an der Schule verbessert werden kann. „Ich wünsche mir, dass sich unsere Schüler auch künftig für Klimaschutz und unsere demokratischen Werte engagieren, sich dabei aber auch an die schulrechtlichen Rahmenbedingungen halten“, erklärt Schulleiter Thomas Franz.

Am Gisela-Gymnasium in Schwabing hat sich die Schulleitung um einen Kompromiss bemüht: „Wir haben eine Liste ausgelegt und die 15 Schüler, die sich zuerst eingetragen haben, durften zur Demonstration gehen“, sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Meindl. Sie mussten zudem ein Motivationsschreiben verfassen, warum sie am Streik teilnahmen. Weitere Schüler, die fehlten, müssen mit einem Verweis rechnen. „Wir haben Verständnis dafür, weil es eine sinnvolle Sache ist. Aber wir müssen auch die Schule zusammenhalten“, erklärt Meindl. Er hätte sich mehr Unterstützung vom Kultusministerium gewünscht.

Die Konsequenzen bleiben aber auch künftig in der Verantwortung der Schulleiter, teilt Sprecher Daniel Otto mit. Kultusminister Michael Piazolo habe aber am Freitag mit einigen Schüler diskutiert, um zu zeigen, dass er das Anliegen ernst nehme. „Wir hoffen, dass der Dialog fruchtet und die Proteste auf den Nachmittag verlegt werden“, so Otto.

Zumindest diese Woche wird daraus noch nichts: Erneut versammeln sich die Schüler um 11 Uhr vormittags. Immerhin: Wer weiterhin streikt, muss nicht fürchten, von der Polizei aufgegriffen zu werden. „Wir halten uns raus“, sagt ein Sprecher auf Hallo-Nachfrage.

Andreas Schwarzbauer

Hunderte demonstrieren für Freispruch der Container-Studentinnen

Weil Caro und Franzi im vergangenen Jahr beim Containern erwischt wurden, haben sie eine Strafe von insgesamt 2400 Euro erhalten. Jetzt bekommen sie bundesweite Unterstützung.

Bundesweite Proteste und Aufsehen – damit hatten Caro und Franzi nicht gerechnet. Die beiden Münchner Studentinnen (25 und 27 Jahre) haben sich mit ihrem Fall an die Öffentlichkeit gewandt: Weil die beiden im vergangenen Jahr beim Containern erwischt wurden, haben sie eine Strafe von 40 Tagessätzen à 30 Euro erhalten – insgesamt also 2400 Euro. 

Verurteilt wurden sie wegen eines „besonders schweren Diebstahls“ – sie hatten Salatköpfe und Jogurtbecher aus einem Supermarkt-Müllcontainer gefischt. Dagegen haben Caro und Franzi aus Olching Einspruch eingelegt. „Wir wollen aushandeln, dass Containern kein Verbrechen mehr ist“, sagt Caro. 

Hunderte Menschen unterstützen sie: Bereits im Dezember gab es eine Demo (Foto: Archiv/Weber) und auch am Verhandlungstag, Mittwoch, 30. Januar, findet ab 12 Uhr eine Kundgebung mit anschließender Demo in Fürstenfeldbruck statt. Die Partei mut hat sich solidarisiert, bundesweit protestierten Anhänger, in Berlin waren die beiden Redner auf einer Demo gegen Lebensmittelverschwendung.

Hanni Kinadeter

Doktoranten-Demo

Die Bewegung „Für ein faires praktisches Jahr“, bei der Medizinstudenten für eine angemessene Bezahlung während der Praxisausbildung kämpfen, hat ihren Ursprung in München. 

Bundesweit machen Medizinstudenten derzeit für eine Verbesserung ihrer Ausbildung mobil. Ihre Online-Petition „Für ein faires praktisches Jahr“ hat dieser Tage sogar die Marke von 100 000-Unterschriften geknackt. Mitte Januar gingen dafür auch in München gut 1200 Studenten auf die Straße.

Hier, in der bayerischen Landeshauptstadt, hat die Bewegung sogar ihren Ursprung, wie Melanie Weber von der Medizin-Fachschaft der TU München weiß. „In München gibt es die meisten Medizinstudenten Deutschlands. Fast 1000 Leute starten hier pro Semester das Studium.“ Dabei seien die Konditionen in der Landeshauptstadt alles andere als ideal. „In manchen Kliniken bekommen die Studierenden in ihrem praktischen Jahr wenigstens ein wenig Geld, an Münchner Unikliniken gar nichts“, so Weber. Und das bei verpflichtend 40 Stunden Präsenzzeit pro Woche – meistens sogar wesentlich mehr. „Die Lehre geht im klinischen Alltag leider meist komplett unter. Zum Berufsstart ist man dann leicht überfordert“, sagt Weber, die im Mai ihr praktisches Jahr beginnen wird.

Weitere Protestzüge sind von den Studenten zwar aktuell nicht geplant. Stattdessen werden Bundesgesundheitsministerium oder die Deutsche Krankenhausgesellschaft aber zeitnah Post aus München erhalten – eine Stellungnahme der Studenten, die angemessene Aufwandsentschädigung, das Gewähren von Krankheitstagen und mehr Lehr- und Lernzeit fordern. Denn jetzt – im Zuge der Umstellung des Studiums im Rahmen des „Masterplan Medizinstudium 2020“ gebe es immerhin „eine reale Chance, etwas zu ändern“.

Romy Ebert-Adeikis

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