Er zeigt, wie’s läuft

Wie schreibt man den Münchner Tatort? Ein Blick hinter die Kulissen mit Rupert Henning

Tatort: One Way Ticket,Making of

Regisseur und Drehbuchautor Rupert Henning erklärt, was beim Tatort überhaupt nicht geht, wie er München darstellen will und warum die Kommissare Batic und Leitmayr streiten dürfen.

München – „Beim Tatort gibt es, wie bei der Fußballnationalmannschaft, ein paar Millionen Bundestrainer, die wissen wie es geht“, sagt Rupert Henning, Drehbuchautor und Regisseur des neuen München-Tatorts „One Way Ticket“ (Foto oben, re.) 

Klar nimmt er die Frage also sportlich, ob Rentner als Opfer von falschen Polizisten nicht münchnerischer wären, als solche, die Geld und Drogen aus Afrika schmuggeln. „Die Zuschauer haben die Macht. Klick – und man ist weg. Deswegen darf man alles, aber nicht langweilen“, sagt er. Recht machen könne man es sowieso nicht jedem. Besonders nicht beim bayerischen Tatort mit seiner langen Tradition und seinem legendären Ermittlerduo Batic und Leitmayr . 

Tatort: One Way Ticket,Szenenfoto

Das eben in München verankert ist, selbst wenn ein Verbrechen grenzüberschreitend ist, wie in „One Way Ticket“. „Ich bin kein Freund von austauschbaren Krimis, wo man nicht genau weiß: Bin ich in Frankfurt, Berlin oder Buxtehude?“, erklärt Henning. Für den Klagenfurter Henning stand deshalb erst mal ein München-Tatort-Marathon auf dem Programm, bevor er sich ans Drehbuch machte. „Um den besonderen Ton zu hören.“ 

Wie Henning München im neuen Tatort darstellen will 

Denn die Stadt wollte Henning in seinem ersten München Tatort durch sprachliche Besonderheiten und spezielle Bilder aus dem Stadtbild spürbar machen – im Film ist der Englische Garten zu sehen, eine Gerichtsmedizin, „die so nicht überall sein kann“, oder eine Villa am Starnberger See. 

Aber wären Hofbräuhaus und Frauenkirche nicht auch schmucke München-Bilder? „Es ist ein schmaler Grat, weil man nicht touristisch-folkloristisch sein will. In Filmen immer die gleichen Sehenswürdigkeiten zu zeigen, diese Shots, die die Stadt in die Auslage stellen, das finde ich fad.“ Dass es sich um einen Münchner Tatort handelt, zeige sich eher in den Dialogen und in der Art und Weise, wie die Figuren miteinander umgehen, erklärt Henning. Die Kommissare dürfen deshalb granteln und streiten „wie ein altes Ehepaar“. Aber auch die anderen Figuren wie den Gerichtsmediziner Steinbrecher oder den Kriminalkommissar Ritschy Semmler wollte der Regisseur stärker in den Fokus rücken.

Was macht einen Tatort aus?

 „Man darf alles machen, wenn es in irgendeiner Weise begründet ist. Dann gibt es keine Regeln für den Tatort“, sagt Henning. Aber einen Mörder, dem die Ermittler auf die Spur kommen müssen, braucht es. „Das wäre sonst ein wenig wie wenn ich Hamlet inszeniere, aber sage: Die Sache mit dem Onkel und dem Vater lass ich weg, die mit der Mutter auch – und am Schluss ist er nicht tot. Naja, dann muss man nicht Hamlet machen.“

Sebastian Obermeir

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