Exklusiver Besuch beim Künstler Nikolai Tregor

Hier nimmt die Helmut-Dietl-Skulptur für die Münchner Freiheit Gestalt an 

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Künstler Tregor „kämpft“ mit dem Dietl-Kopf aus Ton. Seine Werkzeuge liegen griffbereit.

Prominent und mitten an der Münchner Freiheit soll es stehen: Das Denkmal, das an den Schwabinger Filmemacher Helmut Dietl erinnern soll. Doch der Künstler kämpft noch mit dem richtigen Blick...

„Die Brauen, der Bart, die Haare, das stimmt nicht“, Künstler Nikolai Tregor (74) ist noch nicht zufrieden mit seinem Helmut Dietl: „Er darf nicht zu gutmütig sein. Spöttischer! Ich kämpfe täglich mit dem Material.“ Ton und Schamott mischt er selbst, die tönerne Skulptur ist Vorlage für Abdrücke aus Silikon zum Bronzeguss. In zwei Monaten soll das Kunstwerk fertig sein. „Aber ich lasse mich nicht drängen.“

Bilderstrecke - Tregors Dietl

Die Werkzeuge liegen immer griffbereit.
Die Werkzeuge liegen immer griffbereit. © mjh
Das Atelier ist auf die Terrasse verlegt worden.
Das Atelier ist auf die Terrasse verlegt worden. © mjh
Auch ein Dietl.
Auch ein Dietl. © mjh
So sieht der Dietl-Kopf bis jetzt aus.
So sieht der Dietl-Kopf bis jetzt aus. © mjh
Die Vorlage zu der Skulptur.
Die Vorlage zu der Skulptur. © mjh
Die Haare sind in Arbeit...
Die Haare sind in Arbeit... © mjh
... ebenso wie der Bart.
... ebenso wie der Bart. © mjh
Diese Vorlagen benutzt Tregor für sein Werk.
Diese Vorlagen benutzt Tregor für sein Werk. © mjh
Den Ton und Schamott mischt der Künstler selbst.
Den Ton und Schamott mischt der Künstler selbst. © mjh
Auch eine Skulptur braucht Wasser.
Auch eine Skulptur braucht Wasser. © mjh
Das Werkzeug wird noch gebraucht um den Kopf zu Ende zu bringen.
Das Werkzeug wird noch gebraucht um den Kopf zu Ende zu bringen. © mjh

In zwei Monaten fertig?

Der 60 Zentimeter große, rund 70 Kilo schwere Kopf des Münchner Kultregisseurs steht gut verhüllt in Tregors Freiluft­atelier in Schwabing – der Wohnzimmerterrasse, die er kurzerhand umgenutzt hat. Vom Plastik befreit erkennt man Dietl sofort. Tregor ist kritisch: „Da muss noch mehr Tiefe rein.“ Als Vorlage für Dietls Mienenspiel dienen nur zwei Ausdrucke von Münchens bekanntesten Filmemacher. Tamara Dietl, Witwe des Schöpfers der Serie „Kir Royal“, unterstützt Tregor nicht. „Ich rief sie an, bat um Fotos. Doch sie gibt sie nicht heraus, verweigert die Zusammenarbeit.“

Nicht nur die Witwe bremste ihn beim Dietl-Werk aus. „Die Stadt hat sich lange geweigert, mir für die Skulptur gespendetes Geld auszuzahlen. Es hieß, ich hätte Unterhaltsschulden. Eineinhalb Jahre habe ich gekämpft, um der Stadtverwaltung nachzuweisen, dass ich schuldenfrei bin.“

Immer für Tregors Arbeit gekämpft hatten der Bezirksausschuss um BA-Chef Werner Lederer-Piloty und Charly-Eisenrieder, Chef des Café an der Münchner Freiheit. Auf dessen Terrasse sitzt seit 1998 schon Tregors erstes Schwabinger Original: Helmut Fischer alias Monaco Franze – eine von Dietls Filmfiguren. Links von ihm soll Dietl sitzen, mit seinem Fuß den Tisch ankippen. Für Tregor gehören beide zusammen: „Ohne Dietl wäre der Fischer nichts.“

Ein Blick für die Ewigkeit

Tregors Werke sind münchenweit bekannt, seine Büsten von Sophie Scholl, August Everding, Sergiu Celibidache oder Franz Josef Strauss schmücken die Uni, den Gasteig, die Schauspielakademie und die CSU-Zentrale. Er selbst machte vor 50 Jahre die Lehre zum Bronzegießer, lebt seitdem in Schwabing. Gut kannten er und Dietl sich nicht: „Aber wir sahen uns häufig, waren in denselben Kneipen unterwegs.“ Ihre letzte Begegnung geht Tregor nicht aus dem Kopf: „Kurz vor seinem Tod traf ich Dietl, wie er ins Auto stieg. Er hat mich angesehen, eine Minute lang, schön und unheimlich zugleich. Das war verpflichtend: Mir war klar, dass ich seine Figur machen muss.“

Am 30. März jährt sich Dietls Todestag zum fünften Mal. Gut denkbar, dass da dann seine Statue eingeweiht wird. Denn auch wenn es bis jetzt nur den Kopf gibt, den überlebensgroßen Körper sieht der Künstler als geringstes Problem: „Den modelliere ich in einer Woche.“

Marie-Julie Hlawica

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