1200 Stellen unbesetzt

Wie die Stadt um neue Azubis kämpft

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Wer bearbeitet noch die Rohstoffe, wenn der Großteil der Münchner Schüler an die Hochschulen schwemmt? Unter anderem Azubis zum Industrie-Mechaniker sind in München stark gefragt.

München – Geht den Münchner Betrieben der Nachwuchs aus? Die Industrie- und Handelskammer (IHK) vermeldet den niedrigsten Stand an Auszubildenden seit Jahren – Hallo hat nachgehakt

Steht München bald still? So wenige Azubis wie noch nie haben 2018 ihre Ausbildung gestartet, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) jetzt in ihrer Jahresbilanz aufzeigt. 5827 Ausbildungsverträge wurden in der Landeshauptstadt abgeschlossen – ein Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1200 Lehrstellen blieben 2018 unbesetzt – weil Bewerber fehlen.
Florian Kaiser, Leiter des Referats Bildungsberatung bei der Industrie- und Handelskammer.

Florian Kaiser, Leiter des Referats Bildungsberatung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), weiß, wie die Ausbildungsstätten um die Schulabgänger buhlen: „Die Unternehmen müssen über ihr Ausbildungsmarketing nachdenken. Dazu gehört es, bei Azubis als attraktiver Ausbildungsbetrieb sichtbar zu werden. Sei es mit Anreizen bei innovativen Ausbildungs- und Arbeitszeitmodellen, Auslandsaufenthalten, einem Dienst-iPad oder Smartphone, das auch privat verwendet werden darf.“ 

Vor allem die Ausbildungsplätze in der Gastronomie werden in den letzten Jahren nicht ausreichend besetzt.

Die Gründe für den Azubimangel seien vielfältig. „Einerseits liegt es an der Demografie. Es gibt deutlich weniger Schüler, die überhaupt dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Zudem gibt es nach wie vor den Trend zu weiterführenden Schulen und Hochschulen.“ 

Tatsächlich vermeldet das Bayerische Landesamt für Statistik: 391 916 Studierende sind derzeit eingeschrieben – so viele wie noch nie. Besonders drastisch wirke sich das im Handel und der Gastronomie aus. 

Das bestätigt Barbara Newzrella, Personalleitung im Wirtshaus „Der Pschorr“: „Die Ausbildungsplätze, die wir haben, können wir nicht ganz besetzen. Die Restaurantfachkräfte sind sehr schwierig zu besetzen. Bei den Realschülern könnten wir auch mehr Bewerber gebrauchen. Aber gerade um diese werben viele Betriebe.“

Beispielsweise die Stadtwerke München. „Wir bilden etwa 140 Azubis im Jahr aus: in gewerblichen, technischen und kaufmännischen Berufen“, erklärt SWM-Ausbildungsleiter Harald Zillner. „Im kaufmännischen Bereich, in der IT und der Mechatronik haben wir hohe Bewerberzahlen. Schwieriger ist es bei den traditionell handwerklichen Berufen wie etwa Elektroanlagenmonteur oder Industriemechaniker“.

Insbesondere im Bereich der Restaurantfachkräfte, bauen die Unternehmen auf Bewerbungen von Realschulabgängern.

Auch die Handwerkskammer bestätigt das Problem: „Die Handwerksbetriebe konkurrieren mit großen Mittelständlern und sogar mit Dax-Konzernen um Berufsnachwuchs“, sagt Handwerkskammer-Sprecher Alexander Tauscher. Vergangenes Jahr wurden 1958 neue Lehrverträge geschlossen. Das ist ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Etwa 370 Ausbildungsplätze blieben unbesetzt.

Die IHK versucht mit Image-Kampagnen dem Azubi-Mangel entgegenzuwirken und die Lehre attraktiv zu machen – auch für die Eltern. Etwa mit der Aktion „Elternstolz“.

Sebastian Obermeir

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