Sie fanden ihr Glück im Münchner Fasching

Narrisch verliebt...

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Karin Söhnges mit ihrem Prinzen Carl-Peter im Jahr 1968.

München – Romantisch! Passend zum „Märchen“-Motto der Narrhalla-Saison erzählt Hallo, wie Prominente im Münchner Fasching ihr Happy End fanden

Karin Söhnges heute: In der Hand hält sie ein Foto, das in ihrer Faschingssaison 1968 aufgenommen wurde.

„Die zauberhafte Welt der Märchen“ ist 2019 das Motto der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla. Doch deren Prinzenpaare lebten – trotz 100-jähriger Tradition – nur zwei Mal gemeinsam glücklich bis an ihr Lebensende. „Acht Prinzenpaare haben sich im Fasching kennengelernt und geheiratet – allerdings haben sich sechs davon wieder getrennt“, verrät Karin Söhnges. Sie selbst heiratete nach der gemeinsamen Saison 1968 ihren Prinzen Carl-Peter, den so genannten Brillen-Baron. Bis zu seinem Tod 2013 blieben sie als Vorzeige-Paar der Narrhalla verbunden. Er war lange Jahre Präsident und Ehrenpräsident, sie gründete den Prinzessinnenclub. „Der Fasching hat uns viel gegeben, in jeder Saison dachten wir an unsere“, schwärmt Söhnges.

Das Foto zeigt das Prinzenpaar Söhnges bei einer Ballonfahrt.

Dabei durchlief die damalige Prinzessin einen strengen Auswahlprozess. „Früher wurde zuerst der Prinz vorgestellt im Bayerischen Hof, dann eine Prinzessin ausgewählt.“ Doch unter den Bewerberinnen hat Carl-Peter Söhnges damals keine gefallen. „Er wollte einen Kumpel, mit dem er die Saison durchziehen konnte“, erinnert sich Karin Söhnges, die damals Hofmann hieß. „Falk Volkert, Inhaber des Bayerischen Hofes, hat ihm dann mich empfohlen, weil ich Autosport gemacht habe.“ 

Trotz des prominenten Fürsprechers folgte für die 25-Jährige ein Bewerbungsgespräch vor dem Elferrat der Narrhalla. Dort traf sie das erste Mal auf den Prinzen – „er war überhaupt nicht mein Typ, ich habe eher für Rock Hudson geschwärmt“. Trotzdem war ihr sportlicher Ehrgeiz geweckt und sie überzeugte den gleichaltrigen Carl-Peter, der sie im Gremium als seine Prinzessin durchsetzte.

Karin Söhnges mit ihrem Prinzen Carl-Peter im Jahr 1968.

„Es war eine aufregende Zeit, es gab eine Ballonfahrt von der Theresienwiese aus, jeden Sonntag hatten wir einen Auftritt im Circus Krone, wo wir auf Kamelen eingeritten sind – dazu kamen die vielen Bälle, Auftritte und Besuche.“ Die Faschingssaison verbrachten sie Seite an Seite. „Dabei lernt man seinen Partner sehr gut kennen – wie pünktlich ist er, wie verlässlich ist er? Mein Mann und ich waren beide Perfektionisten.“ Dass sie sich verliebt hatte, merkte Söhnges erst beim Abschlussball im Deutschen Theater. „Als er mir ein Abschiedsgeschenk überreichte, war ich maßlos enttäuscht – ich dachte, es geht weiter mit uns.“ Doch kurz darauf hielt Carl-Peter um ihre Hand an. „Er hat von einem befreundeten Piloten Blumen abwerfen lassen.“ Eine Geste wie im Märchen...

Maren Kowitz

Einmal wählte der Prinz die Hofdame

Dieses Foto wurde 2018 zum VdK-Ball im Löwenbräukeller aufgenommen, als Andreas als Ersatz-Prinz eingesprungen ist.

Dass ein Prinz seine Prinzessin nach der Saison ehelicht, kommt vor. Der Narrhalla-Prinz von 2015, Andreas Käser, machte etwas einmaliges und heiratete 2017 seine Hofdame Claudia. „Deswegen gibt es leider aus der Saison, in der wir uns kennengelernt haben, kein gemeinsames Bild“, bedauern die beiden. 

Zwischen den beiden knisterte es bereits im Fasching 2015. „Allerdings haben wir es vorerst beim Flirten belassen. Wir haben uns nach der Saison alle auf dem Nockherberg wieder getroffen und dort stellten wir fest, dass doch mehr vorhanden ist... und so nahm unsere Geschichte ihren Lauf.“ Ihr Sohn kam im September 2017 zur Welt, das zweite Kind erwarten Prinz Andreas und seine „Prinzessin des Herzens“ Claudia im Mai.

„Seit diesem Ball tanz’ ich nur mit ihr“

Die Inselkammers als Cowboys im Fasching 2007.

Es war der Gauklerball im Deutschen Theater 1995. Wiesnwirte-Sprecher Peter Inselkammer, verkleidet als Mexikaner, wurde von einer jungen Frau angesprochen. „Sie sagte: ,Meine Freundin ist zu Besuch, aber schrecklich schüchtern und ich hab ihr jetzt gesagt, in Bayern darf man auch als Frau den Mann auffordern‘. Das fand ich sehr charmant.“ 

Nach dem Tanz mit der schüchternen Freundin tanzte der ehemalige Narrhalla-Jungelfer auch mit der mutigen Münchnerin, Katharina, die eine Selbstkreation „Meuterei auf der Bounty“ trug. „Und zwar den ganzen Abend, sie war die wesentlich bessere Tänzerin.“ Im Anschluss ging es zur Party in den Silbersaal. „Besonders erinnere ich mich noch an das Prince-Lied ,Kiss‘.“ Da funkte es endgültig. 

1998 haben Peter und Katharina Inselkammer geheiratet, mittlerweile haben sie vier Kinder. „Fasching ist für uns etwas Besonderes“, betont das Wiesn­wirte-Ehepaar. „Wir tanzen immer noch gerne und im Smoking und Abendkleid ist es sehr festlich.“

Prinzenpaar der Herzen

Günter und Margot Steinberg vor dem Hofbräukeller.

Sie durften nicht zusammen den Fasching regieren – Günter Steinberg war 1966 Prinz der Narrhalla, seine Frau Margot 1969 Prinzessin – doch seitdem regierten sie gemeinsam ein Gastro-Imperium, das Hofbräu-Wiesnzelt und den Hofbräukeller am Wiener Platz.

Günter und Margot Steinberg tanzend in ihrer Faschingssaison 1969.

„Wir haben uns 1968 kennengelernt, als sie als Prinzessin vorgestellt wurde – ich war im Elferrat und mich hat ihr österreichischer Charme gleich erwischt“, erinnert sich Günter Steinberg. Bei Margot dauerte es: „Ich war 19, habe mich sehr auf meine Aufgabe konzentriert – ich habe ihn erst im Laufe der Saison wahrgenommen, als sehr hilfsbereit und liebenswürdig.“ Dafür hatte der 29-Jährige eine optimale Ausgangslage. Steinberg hatte damals das Fotogeschäft seines Vaters in der Maxburgstraße übernommen. „Von dort konnte ich aufs Hotel Regina schauen, wo damals die Prinzessinnnen untergebracht waren. Ich habe gesehen, wann die Rolladen hochgegangen sind und gleich angerufen und mich nach ihrem Abend erkundigt.“ 

Manchmal half er seiner künftigen Frau auch beim Üben ihrer Ansprachen. Auch der erste Kuss fiel in diese Zeit. „Aber während des Faschings hatte man keine Ruhe, wir hatten jeden Tag Veranstaltungen, am Wochenende bis zu zwölf – die Liebe kam erst später“, erklärt Margot Steinberg. Geheiratet haben die beiden 1970. Vergessen werden sie ihre Faschingszeit nie: „Die Kostüme haben wir heute noch auf dem Speicher – von denen können wir uns nicht trennen.“

Maren Kowitz

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