Sie ist der Star auf der großen Kinoleinwand

„Die Gaffer ignoriere ich!“

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Wer ist normal, wer behindert? In der Kinokomödie „Die Goldfische“ spielt Luisa Wöllisch mit berühmten Kollegen wie Axel Stein und Tom Schilling.

München – Fröhlich, stolz und höchst talentiert: Luisa Wöllisch ist eine Münchner Schauspielerin mit Down-Syndrom – Jetzt glänzt sie neben der Theaterbühne auch auf der Kino-Leinwand

Ihre kräftige Erkältung merkt man Luisa Wöllisch (22) zwar an, aber das Interview absagen wollte sie auf keinen Fall: Luisas Augen blitzen fröhlich, während sie stolz erzählt. Die Münchner Theaterschauspielerin erlebt gerade einen Karrieresprung und avanciert zum Kinostar: Nach ihren Auftritten im Münchner Theater „Freie Bühne“ ist sie jetzt ab 21. März deutschlandweit auf der Filmleinwand in der Komödie „Die Goldfische“ zu sehen.

Gar nicht so selbstverständlich – denn Luisa hat das Down-Syndrom, eine Genom-Veränderung auf dem 21. Chromosomenpaar, auch Trisomie 21 genannt. Für viele ist Luisa deshalb nicht „normal“, weiß sie: „Oft starrt mich jemand in der S-Bahn an.“

Die junge Frau lebt schon lange damit, das Down-Syndrom hat sie seit ihrer Geburt. Behinderung sagen die einen. „Das habe ich halt und ich habe nicht das Gefühl dass ich beeinträchtigt bin“, sagt Luisa dagegen. 

Im Casting zum neuen Kinofilm des oskarprämierten Produktions-Duos Wiedemann/Berg unter Regisseur Alireza Golafshan stach sie mit ihrem Talent heraus, bekam die Rolle der „Franzi“. Als Mensch mit Down-Syndrom spielt sie im Film auch ein Mädchen mit Down-Syndrom, drehte Seite an Seite mit Jella Haase, Tom Schilling, Birgit Minichmayr oder Axel Stein. 

„Ich hatte 30 Drehtage im Team. Wir haben in München, Zürich, einem Kamelhof und im Skyline-Park (Hallo verlost Tickets) gedreht. Dort wurden wir angesprochen ob das ‚Fack ju Göhte 4’ ist. Das alles war wahnsinnig spannend.“ Doch Luisa kann viel mehr, als im Film zu sehen ist. „Ich habe unter meinen Möglichkeiten gespielt.“ Die Rolle erforderte es so.

Ihre Mutter ermutigte Luisa 2015 zur Ausbildung als Schauspielerin an der „Freien Bühne München“, die sie im letzten Jahr abschloss. Ihre Stärken: sie spielt ausdrucksstark, spricht flüssig, lernt schnell Texte und coacht sogar selbst junge Theaterdarsteller der Bühne. Vorurteile findet Luisa schrecklich. „Besonders wenn Leute sagen: Du bist total bescheuert, weil du die Behinderung hast.“ Ihre Methode, damit umzugehen: „Ich ignoriere Leute, die gaffen.“

Demnächst steht sie als Ausnahmetalent auch wieder in München in einer Hauptrolle auf der Bühne, in Wedekinds „Lulu“. Ihr Traum? „Eine Serienrolle im Fernsehen. Denn diese Erfahrung habe ich noch nicht.“

Marie-Julie Hlawica

Ein ganz besonderes Ensemble

Die „Freie Bühne München“ ist ein inklusives Ensemble.

Engagiert, modern und inklusiv nennt Gründerin Angelica Fell die „Freie Bühne München“, die sie 2014 geschaffen hat. Weil ihr Sohn Dennis als Down-Kind zur Welt kam und sie seinem Schauspieltalent Platz geben wollte, gründete die engagierte Mutter das Theater. 

Heute gehören zu dem besonderen Ensemble Menschen mit und ohne Behinderung – die auf der Bühne mit Begeisterung, kreativem und künstlerischem Anspruch arbeiten. Eine praxisnahe Schauspielausbildung ist in drei Jahren möglich.

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