Offensive gegen Container-Chaos

Müll-Krise in München: Die Container quellen über – runder Tisch soll Lösung bringen

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Am Oberhofer Platz bietet sich ein Bild des Chaos – wie an vielen Container-Standorten in der Stadt.

Die Wertstoffcontainer sind immer wieder restlos überfüllt. An vielen Standorten stadtweit können die Bewohner zeitweise keinen Müll mehr in die Container einwerfen.

München – Leere Weinflaschen, Dosen und Co. werden auf und neben den Behältern platziert – oder landen im umliegenden Grün. Der BA Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln möchte sich jetzt mit den Lokalpolitikern aus Sendling, Sendling-Westpark und Hadern zusammensetzen.

 Beim Gespräch sollen private Entsorger und die Stadt dabei sein – und so eine Lösung für das Problem gefunden werden. „Das Thema ärgert uns schon lange. Die Plätze, die es gibt, sind vermüllt. Gleichzeitig haben wir zu wenig Standorte und keine Chance, neue Container zu installieren“, klagt Hans Jürgen Gerhards (SPD), Chef des Umweltausschusses des BA 19. 

Hans Jürgen Gerhards vom BA 19.

Das deutsche Müllsystem gliedert sich in zwei Teile. Die Entsorgung des Restmülls erfolgt durch die Kommunen. Für Verpackungen sind hingegen private Entsorger zuständig – in München die Firmen Remondis und Wittmann. Diese wählen einen Standort aus, an dem sie Container installieren möchten. Der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) gibt den Vorschlag an die Referate weiter. Diese prüfen, ob einschlägige rechtliche Bestimmungen erfüllt sind. Sind diese eingehalten, erteilt der AWM die Genehmigung. 

In dem Kreislauf liegt laut Gerhards das Problem:

Die Stadt genehmige zu wenig Standorte. Wie Evi Thiermann, Sprecherin des AWM, mitteilte, sollte nach Empfehlung des Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen ein Standplatz pro 1000 bis 2000 Einwohnern zur Verfügung stehen. 

Bei 1 557 618 Münchnern und 950 Wertstoffinseln kommen etwa 1640 Einwohner auf einen Standort. Dabei handelt es sich aber nur um einen Durchschnittswert. Im Bezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt wird beispielsweise fast die 4000er-Marke geknackt. Ein runder Tisch mit allen Protagonisten, die an den Standortentscheidungen beteiligt sind, soll aufzeigen, wo es in der Behörden-Kette hakt. „Man redet zu wenig untereinander“, kritisiert Gerhards. 

In der Zenettistraße quellen die Container über.

Thiermann beurteilt die Situation anders: „Die Knappheit an Standorten liegt nicht an der mangelnden Kommunikation, sondern an mangelnden Flächen.“ Auch Gerhards weiß: Privater Grund kommt für Container selten in Frage – dort stellten sich meist die Eigentümer quer. 

Findet bald ein runder Tisch zum Thema Müll statt?

Eine Stellungnahme von Remondis zum runden Tisch ging bis Redaktionsschluss nicht zu. Gerhards hofft dennoch, dass der Müll-Gipfel spätestens Ende Januar stattfinden kann. Allerdings stehen noch die Zusagen der Stadt, der Entsorger und der weiteren BAs aus. Auch eine Ausweitung des Projekts auf ganz München kann sich Gerhards vorstellen – die Koordination müsse dann aber die Stadt stemmen. 

Sophia Oberhuber

Bedingungen für Standorte

„Im Rahmen eines aufwändigen Verfahrens prüfen mindestens sechs verschiedene städtische Dienststellen, ob die ausgewählten Standorte den öffentlich-rechtlichen Vorschriften, zum Beispiel der Grünanlagensatzung und den verkehrsrechtlichen Bestimmungen entsprechen“, erläutert Evi Thiermann, Sprecherin des AWM. 

Die Standorte dürften zum Beispiel den Verkehr nicht behindern und die Sicherheit im Straßenverkehr nicht beeinträchtigen. Auch müsse aus Gründen des Lärmschutzes ein Mindestabstand von zwölf Metern bis zur nächsten Wohnbebauung eingehalten werden. Die Nähe zu Baudenkmälern sei außerdem grundsätzlich auszuschließen. andy/soph

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