Eine Nacht der Sterne

Tommy Schmid will die Sterne anknipsen – Sein Aufruf an München: Macht das Licht aus! 

Tommy Schmidt in der Volkssternwarte. Von hier aus plant er, die Sterne in München leuchten zu lassen.
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Tommy Schmidt in der Volkssternwarte. Von hier aus plant er, die Sterne in München leuchten zu lassen.

Tommy Schmidt ist für seine ungewöhlichen Kunstprojekte bekannt. Doch auch jetzt will er die Münchner erhellen - im metaphorischen Sinn - und das Licht ausschalten.

München – Für ein Huhn hat Tommy Schmidt mal ein Hotelzimmer während der Wiesn gebucht. Für Wohnungssuchende schlug er vor, Apartments über den Gräbern des Ostfriedhofs zu errichten. Und für eine klimaneutrale Weltreise organisierte er einen Ausflug mit einem Radl für zehn Münchner durch die Kulturen der Welt, die es alle in München gibt. 

Jetzt plant der Giesinger Aktionskünstler seinen neuesten Coup 

Er will die Sterne zurückholen. Dafür braucht er vor allem eins – die Mithilfe der Münchner. Denn: „Wir müssen das Licht eine Nacht lang ausmachen“, sagt er. Dann nämlich, wenn die Stadt in Dunkelheit versinkt, leuchten die Sterne am Himmel wieder viel sichtbarer. 

Tommy Schmidt plant die „Nacht der Sterne“ für die zweite Jahreshälfte. Derzeit ist der 59-Jährige noch im Gespräch mit der Stadtverwaltung. Doch was einfach klingt, bedarf einiger Organisation. „Allein kann man das nicht schaffen“, betont Schmidt. „Wir brauchen Licht für die Sicherheit, als Straßenbeleuchtung, um die ganzen schönen Dinge zu sehen wie Kirchen und Denkmäler oder, um Schaufenster zu beleuchten.“ 

Daher sein Plan: Die Nacht der Sterne soll an der Theresienwiese stattfinden, die Beleuchtung der beiden Ringstraßen ausgeschaltet, die Leuchten der Bavaria und der Sankt Paulskirche ausgeknipst werden und die Anwohner das Licht auslassen. 

Benjamin Mirwald, Leiter der Volkssternwarte, will ihn dabei unterstützen. „Wir haben Tommy Schmidt eingeladen, sein Projekt bei uns öffentlich vorzustellen“, kündigt er an. Dann könnten seine Kollegen aus der Volkssternwarte selbst entscheiden, ob und wie sie sich einbringen. „Wenn das Licht in einem Umkreis von 500 bis 1000 Meter aus bleibt, hat das durchaus einen signifikanten Effekt“, sagt Mirwald. So schön wie auf dem Land oder gar in der Wüste sei ihr Funkeln aber nicht zu sehen. 

Benjamin Mirwald, Leiter der Volkssternwarte.

„Wissen geht uns verloren“

Ein solcher Moment in der Natur war es auch, der Schmidt auf diese Idee brachte. Er war mit seinem Sohn auf dem Land – doch recht viel mehr Sternbilder als den Großen Wagen konnte er nicht erklären. „Das ist ein Wissen, das uns verloren geht“, fürchtet er. „Noch vor wenigen Jahrhunderten dienten die Sterne der Orientierung, es gab Legenden und Mythologie.“ Um diese zu neuem Leben zu erwecken, plant der Künstler, auf der Theresienwiese Texte dazu vorzulesen und ein isländischer Chor will eine Sage singen. 

Tommy Schmidt stellt das Projekt „Die Nacht der Sterne“ am Montag, 17. Februar, 19.30 Uhr im Vortragssaal der Volkssternwarte, Rosenheimer Straße 145h, vor. Eintritt frei.

Hanni Kinadeter

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