Klein aber fein

München: Er rettet das Klima mit Algen

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Grüne, glibbrige Algen als Geheimwaffe: Professor Thomas Brück forscht an klimaschonenden Technologien.

Treibstoff oder Bauteile aus Algen: Klimarat stuft Forschung von TU-Professor als global relevant ein. Wie die grünen Lebewesen unseren Planeten retten könnten...

  • Bauteil, Vitamin-Lieferant oder Treibstoff
  • Die Zukunftsvision des „Algenbaums“
  • Die Algen könnten im Kampf gegen den Klimawandel von großem Nutzen sein


München – Er will die Erderwärmung stoppen – und ist mit seiner Forschung weltweit führend: Thomas Brück, 47 Jahre alt, Lehrstuhlinhaber und Professor für synthetische Biotechnologie an der TU München. Grün und glibbrig ist sein Zauberelixier, ausgerechnet mit Algen will er die Industrie revolutionieren. 

Algen als wahre Alleskönner

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich der Wissenschaftler mit den 500 verschiedenen Algenarten. Dabei entdeckte er: Algen sind wahre Alleskönner. Ob beim Essen, Fliegen oder Bauen – Algen können entscheidend für die Zukunft werden. „In sieben Jahren fliegen Flugzeuge mit Algen-Treibstoff“, ist Brück überzeugt. Die Baubranche könnte ebenfalls eine Algen-Revolution erleben: eine Carbonfaser aus Algen – verbunden mit Granit – kann Beton, Stahl und Aluminium ersetzen. Und zwar als klimanegatives Bauteil. Das heißt: Bei der Produktion der Algen-Bauteile wird CO2 aus der Luft gebunden. Zum Vergleich: Die Produktion von Zement verursacht dem Forscher zufolge fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen. 

Zu guter Letzt liefert die Alge auch noch Vitamin B9. Stellt die Isar mit ihren Algen also den Sprit der Zukunft? „Nein“, wiegelt Brück ab. „Für Kraftstoff benötigt man Salzwasseralgen.“ Diese züchtet er im weltweit einzigartigen Algentechnikum bei Ottobrunn. Die Isaralgen indes könnten ein wichtiges Nahrungsergänzungmittel werden. „Dafür haben unsere heimischen Algen mehr Potenzial.“ 

Ob als Bauteil, Vitamin-Lieferant oder Treibstoff – eines ist allen drei Verfahren gemein: „Sie sind klimaneutral bis klimanegativ. Das bedeutet, dass bei Herstellung oder Einsatz Kohlendioxid, das die Erderwärmung mitverursacht, aus der Luft gebunden wird“, erklärt Brück. Diesen Effekt könnte sich München künftig wie Mexiko zunutze machen – mit einem künstlichen „Algenbaum“ (s.unten), der an Straßen Emissionen binden soll. Ob dieses Verfahren als seriös einzustufen ist, dazu mag der Münchner Wissenschaftler keine Stellung nehmen.

Brücks Forschung gilt als „global relevant“ im Klimawandel

Auf seine Forschung jedenfalls ist jüngst sogar der Weltklimarat aufmerksam geworden. Er hat Brücks Forschung als „global relevant“ eingestuft im Kampf gegen den Klimawandel. „Man könnte solche Technologien schon längst einsetzen“, betont Brück. „Aber meistens ist das eine Kostenfrage.“ Denn Benzin aus einer Ölquelle zu gewinnen sei wesentlich günstiger, als es aus Algenöl zu gewinnen – Klima hin oder her. 

Doch für den Forscher steht fest: „So können wir nicht weitermachen.“ Dem Familienvater sind auch seine Kinder ein Antrieb. „Ich will ihnen eine lebenswerte Welt hinterlassen“, sagt Brück. Auch privat will er möglichst nachhaltig leben. „Ich kaufe regionale Nahrungsmittel und versuche, so wenig wie möglich Auto zu fahren“, erzählt er und öffnet die Tür zum Labor. Gelbe, grüne und durchsichtige Flüssigkeiten blubbern dort in Reagenzgläsern. Ab und zu wirbelt eine Maschine sie auf oder dreht die Flaschen. „Wir simulieren unterschiedlichste Wetterbedingungen, um das Algenwachstum zu untersuchen“, sagt Brück. Von arktischer Kälte bis tropischer Hitze – hier in Garching ist jedes Wetter möglich. 

Algenbaum aus Mexiko am Mittleren Ring?

Giesing Mexiko macht es vor: Eine dort ansässige Firma hat einen künstlichen Algenbaum entwickelt, der eigenen Angaben zufolge so viel Schadstoffe aus der Luft bindet und Sauerstoff produziert, wie es 368 echte Bäume täten. Im BA Untergiesing- Harlaching hat Günther Görlich (FW) jüngst vorgeschlagen, einen solchen am Mittleren Ring zu installieren. Zwar lehnte das Gremium seinen Antrag ab, doch Görlich ist indes sicher: „Nach den Wahlen kommt das im Stadtrat auf den Tisch.“ 

So könnte ein Algenbaum im Straßenverkehr aussehen.

Hanni Kinadeter

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