Kein Platz? Kassieren!

Wenn Kinderwagen und Co. nicht in die U-Bahn passen

+
Stau im ÖPNV: Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen sind oft die ersten, die an der Haltestelle zurückbleiben.

München – Rollstühle und Kinderwägen gelten in einer Stadt wie München offensichtlich als ÖPNV-Handicaps – Jetzt fordern die Grünen eine angemessene Entschädigung

Mehrere Menschen drängen sich an der Bushaltestelle auf dem Weg zum Tierpark Hellabrunn. Der Bus kommt – aber kaum Platz für neue Fahrgäste. Die ersten, die an der Haltestelle zurückbleiben: Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen. „Die Frage ist: Nimmt man das so hin oder tut man was?“, erklärt Oswald Utz, Behindertenbeauftragter der Stadt München, dem dies oft selbst schon passiert ist.

Gemeinsam mit den Grünen wird er nun aktiv und stellt einen Antrag im Stadtrat, der der ÖPNV-Lotterie ein Ende machen soll. Kurzfristig soll diesen Menschen eine Entschädigung zustehen. Wie diese aussehen soll, lässt Utz offen. „Die Münchner Verkehrsgesellschaft ist in der Pflicht.“

Die Aktion Münchner Fahrgäste sieht eine beispielsweise finanzielle Entschädigung allerdings kritisch, da es schwer wäre, die Beeinträchtigung im Nachhinein nachzuweisen. Die MVG hat für diesen Fall jedenfalls keine Entschädigung vorgesehen oder geplant. „Das nur begrenzt vorhandene Geld ist in dauerhaften Angebotsausweitungen am besten angelegt“, erklärt MVG-Sprecher Matthias Korte auf Hallo-Nachfrage. Das reicht Utz aber nicht: „Wir fordern einen Aktionsplan, wie die MVG künftig solche Fälle vermeiden möchte.“ Bausteine dafür wären beispielsweise intelligenter Fahrzeugeinsatz und eine entsprechende Taktplanung.

Ein weiterer Punkt: Die MVG soll Beschwerden über Vorfälle dieser Art statistisch erfassen. „Eine direkte Rückmeldung könnten wir über die App bekommen“, so Korte. Aber das müsse erst noch geprüft werden.

Sabina Kläsener

Bau macht Stau

Mit dem Slogan: „Bauen ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ hofft Bayerns DB-Chef Klaus-Dieter Josel auf das Verständnis der betroffenen Pendler.

2019 möchte die Deutsche Bahn im Freistaat für Verbesserungen sorgen. Die Kosten der Investitionen für Instandhaltungen und Neuprojekte belaufen sich dabei auf etwa 1,8 Milliarden Euro. In München sind neben dem Baustart der 2. Stammstrecke unter anderem auch Modernisierungsarbeiten der Tunnelstationen Hauptbahnhof, Marienplatz und Rosenheimer Platz geplant. Allerdings kommt es durch die Bauarbeiten wieder zu erheblichen Einschränkungen. 

Ab Mai kommt es zu mindestens sechs Sperrwochenenden (10. bis 13. Mai, alle vier August-Wochenenden sowie 18. bis 21. Oktober), die von Freitagabend bis Montagmorgen die Stammstrecke lahmlegen. Kunden müssen sich zusätzlich zwischen Mai und Oktober auf einzelne Nachtsperrungen der Stammstrecke sowie (Teil-)Sperrungen von Bahnsteigen der entsprechenden Bahnhöfe gefasst machen. 

Mit dem Slogan: „Bauen ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ hofft Bayerns DB-Chef Klaus-Dieter Josel indes auf das Verständnis der Bahnfahrer und kündigt frühzeitige Informationen zum Schienenersatzverkehr an.

Tim Uhlendorf

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Parklets: Retten diese Pilotprojekte Münchner Cafés vor dem Ruin?
Parklets: Retten diese Pilotprojekte Münchner Cafés vor dem Ruin?
Münchner Freiheit: „Sorgenkind“ soll aufgewertet werden – Verein stellt kühne Vision vor
Münchner Freiheit: „Sorgenkind“ soll aufgewertet werden – Verein stellt kühne Vision vor

Kommentare