Ein Tropfen Gewissheit

Jeden dritten Tag steckt sich ein Münchner an – Aktionswoche will Hürde für HIV-Test senken

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Mit dem Heimtest S.A.M kannst man sich regelmäßig auf HIV, Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Chlamydien testen.

Kondome und Medikamente senken zwar das Risiko, sich mit HIV anzustecken, aber es geschieht trotzdem zu oft. Ein Heimtest soll jetzt das Risiko weiter minimieren...

München – Die Zahlen sinken: 186 Neu-Infektionen wurden 2017 gemeldet, für 2018 gab das Robert-Koch-Institut 152 Neu-infizierte Münchner bekannt. „Wir sehen vor allem die Vielfalt an Präventionsmöglichkeiten, Kondom, Schutz durch Medikamente als einen wesentlichen Faktor dafür“, erklärt Sylvia Urban, Vorsitzende der Deutschen Aidshilfe. 

In München sind die Zahlen höher als auf dem Land: „Hier ist eine etablierte Schwulenszene. Und die Anonymität: Manche tun Dinge, die sie sich auf dem Land nicht trauen würden“, erklärt Martin Jautz von der Münchner Aidshilfe. Um den Trend der sinkenden Infektionen auch in München fortzusetzen, wirbt die Bayerische Testwoche dafür, sich auf HIV testen zu lassen. 

„Wenn man HIV nicht behandelt, wird man krank wie vor 30 Jahren“, sagt Jautz. Daher arbeite man daran, die Hürde, einen Test zu machen, zu senken. „Das Schlimmste, was heute passieren kann ist, dass man aus Angst keinen Test macht.“ Mehr als 9000 Tests auf HIV werden in München pro Jahr durchgeführt. Hinzu kommen rund 1000 Nutzer des S.A.M-Heimtest, der nach Abschluss der Pilot-Phase in Bayern zukünftig in ganz Deutschland erhältlich sein wird. 

Raphael Kosecki (38) lässt sich alle drei Monate auf HIV und sexuell übertragbare Krankheiten getestet. Der im Westend wohnende Personaler nimmt die PrEP, ein Medikament, das vor einer HIV-Infektion schützt. Seinen ersten Test machte er vor 20 Jahren, aus Angst sich angesteckt zu haben. 

Raphael Kosecki lässt sich regelmäßig testen.

Seit September ist das Medikament Kassenleistung und kann von Schwerpunktärzten an Menschen ab 17 Jahren verschrieben werden. Welche Ärzte das sind steht auf der Internetseite der Aidshilfe. Ob man als gefährdet gilt, entscheidet der Arzt. „Als signifikant gefährdet gelten grundsätzlich Menschen, die Sex mit wechselnden Partnern haben“, erklärt Jautz von der Aidshilfe. 

„Wer glaubt, ein Risiko zu haben, sollte den Arzt konsultieren.“ Der war auch für Kosecki erster Ansprechpartner. Jetzt bietet er im Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum SUB eine PrEP-Beratung an. 

Eins ist ihm und der Aidshilfe wichtig: ein positives Selbstverständnis von Sexualität. „Es ist ein Privileg der Jugend, auszuprobieren“, erklärt Jautz. Die Aufgabe der Erwachsenen sie es, sie vernünftig zu schützen – Angst sei kein Mittel. 

sab

Bayerische Testwoche

von Montag, 25. November, bis Sonntag, 1. Dezember, Infos im Internet unter www.testjetzt.de

Hierhin können sich Münchner wenden

Für Münchner, die sich testen lassen wollen, gibt es mehrere Anlaufstellen: 

• Das Gesundheitsamt, Bayerstraße 28a 

• Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle der Caritas, Schrenkstraße 3/II 

• Münchner AIDS-Hilfe, Lindwurmstraße 71-73 

• Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle der Bayerischen AIDS-Stiftung, Biedersteiner Straße 29 • FrauenGesundheitsZentrum, Grimmstraße 1 

• Psychosoziale Beratungsstelle der Dermatologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität, Frauenlobstraße 11

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