Gegen Fremdenfeindlichkeit 

München gegen Rechts: So kämpft die Stadt für mehr Toleranz

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München ist bunt: Vom 12. bis 26. März finden die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt.

Die Hemmschwelle für rassistische Taten sinkt immer weiter. Jetzt will die Stadt München auf die Probleme aufmerksam machen

Rassistische Parolen auf Häuserwänden, verbale und körperliche Attacken auf Minderheiten: Fremdenfeindlichkeit ist auf dem Vormarsch. Auch in München. Der Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums München für 2016 – aktuellere liegen noch nicht vor – verzeichnet 437 rechtsextreme Straftaten wie Propagandadelikte, Sachbeschädigung, Volksverhetzung oder Körperverletzungen. 

Dr. Miriam Heigl

„Bei 14 rechtsextremen Gewaltdelikten im Jahr 2011 und 38 im Jahr 2016 können wir fast von einer Verdreifachung in München – alleine in der amtlichen, polizeilichen Statistik – sprechen“, sagt Dr. Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle für Demokratie (kl. Foto). Ein Umstand, gegen den die Fachstelle gemeinsam mit der Stadt und weiteren Organisationen kämpft: Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus finden Veranstaltungen für ein weltoffenes, tolerantes Miteinander statt (siehe Kasten). Die Hemmschwelle für rassistische Straftaten ist laut Heigl gesunken. Es gebe eine Verrohung in der öffentlichen Debatte und das gesellschaftliche Klima habe sich verändert: „Fast jeder Fünfte in München ist armutsgefährdet. So führen auch Konkurrenz-Situationen zur Ablehnung von Minderheiten“, sagt Heigl. Besonders betroffen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit seien Muslime, Sinti und Roma sowie Obdachlose. Das bestätigt auch Marcus Buschmüller von der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München (firm). Vor zwei Jahren hat firm gemeinsam mit der Opferberatungsstelle Before die München-Chronik eingeführt, auf der rechtsextreme Straftaten verzeichnet werden – nach Orten, Motiven und Handlungen sortierbar. So zeigt sie etwa im Zentrum besonders viele gemeldete Fälle. „Dies ist jedoch wenig verwunderlich, weil dort die meisten Kundgebungen stattfinden, auch der Hauptbahnhof befindet sich dort“, sagt Buschmüller. Die Chronik diene dazu, die Münchner zu sensibilisieren. Obwohl München beim Schutz von Minderheiten gut aufgestellt sei, wie Heigl sagt, sind es nicht zuletzt der soziale Zusammenhalt und die Initiative der Einzelnen, die Fremdenfeindlichkeit abbauen: „Jeder von uns kann rassistischen Äußerungen entgegentreten; kann Betroffene stärken, ihnen helfen und mit ihnen reden, kann Strafanzeigen gegen rassistische Äußerungen im Internet stellen.“S. Obermeir

Über 70 Veranstaltungen für ein buntes München

1966 haben die Vereinten Nationen den 21. März zum „Internationalen Tag zur Überwindung von rassistischer Diskriminierung“ ausgerufen. 2008 wurde der Aktionszeitraum ausgeweitet. Vom 12. bis 26. März setzen unter dem Motto „100 Prozent Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus“ über 70 Veranstaltungen ein Zeichen für Toleranz und Respekt. Bei der Eröffnungsveranstaltung am Montag, 12. März, im Kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathaus wird ab 19 Uhr der Frage nachgegangen, wie mit Rechten diskutiert werden kann. Am Mittwoch, 14. März, sprechen ab 19 Uhr im Pelkovenschlössl, Moosacher St.-Martins-Platz, Experten über das Attentat am OEZ. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Gedenken an die Deportationen der Sinti und Roma. Wie die Ausgrenzung fortwirkt, erläutert die Veranstaltung Ausgrenzung, Selbstbehauptung und der ewige Kampf um Anerkennung am Montag, 19. März, ab 18.30 Uhr im Kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathaus. Weitere Infos und das ganze Programm unter: ­www.­muenchen.de/gegen-rassismus.

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