Das Gaudiblatt feiert Geburtstag

Ein bisschen Anarchie im Schickimicki-München

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Olli Nauerz (links) und Michael Wladarsch in der Jubiläums-Ausstellung mit den 30 Titelbildern.

München – Diesen Punks geht es vor allem um Eines: „Um Gaudi – der Titel ist bei uns Programm.“ – Jetzt steht eine große Geburtstagsparty beim Gaudiblatt an

Totenschädel, Söder am Kruzifix oder das Münchner Kindl mit ausgestrecktem Mittelfinger – sie alle grinsten schon vom Titel des Gaudi­blattes. Das ist womöglich die einzige Regel der sonst so wilden Anarcho-Zeitschrift: „Auf jedem Titelbild grinst einer“, sagt Olli Nauerz, einer der Blattmacher. Denn den Schwabinger Punks geht es vor allem um Eines: „Um Gaudi – der Titel ist bei uns Programm.“

Gegrinst wird also auch auf der 30. Ausgabe, die gerade erschienen ist – pünktlich zum zehnten Geburtstag des Gaudiblattes. Das Jubiläum feiern die Punks am Samstag mit Krautrock, Trommeln und Punk-Kapelle.

Für ihre Musik bekannt sind auch zwei der Gründungsmitglieder des Magazins: Carl-Ludwig Reichert, Sänger und Texter einer der ersten Mundart-Rockbands „Spari­fankal“, und Olli Nauerz, Sänger bei „Einstürzende Musikantenstadl“.

Vor etwa zehn Jahren gründeten die beiden zusammen mit Sarah Leizinger das Gaudiblatt – „einfach, weil es eine solche Zeitschrift brauchte“, wie Michael Wladarsch findet, der kurz darauf zu dem Trio gestoßen ist. Er lernte die Anarchos im Kindergarten kennen – im ersten anti-autoritären Kindergarten der Stadt, zu dem sie ihre Sprösslinge schickten.

So zufällig wie das Blatt entstanden ist scheint auch der Blattplan: die Ausgabe erscheint nicht im festen Turnus, sondern, wenn sie fertig ist. Die Themen sind breit gefächert – von Konsum über Karl Valentin bis zum Kini.

„Wir machen es einfach“, sagt Wladarsch. „Wir sind nicht dogmatisch irgendwie festgelegt, sondern offen für alles.“ Hauptsache antikommerziell. Deswegen ist das Gaudiblatt auch kostenlos, die drei Blattmacher, die hauptberuflich anderen Metiers nachgehen, verdienen damit nichts, die vielen freien Mitarbeiter ebensowenig.

Der Druck finanziert sich über Anzeigen. Bei 2500 Ausgaben liegt die Auflage. Probleme, Unterstützer zu finden, hatte die Redaktion nie – ob Bilder von Graffiti-Künstler Won ABC oder Texte des Schriftstellers Said, Hunderte haben schon ihren Beitrag zum Gaudiblatt geleistet.

Farbgeber des Blattes: Das Münchner Kindl

Nicht nur das Magazin, auch die Gaudi-Guerilla Aktion M hat eine treue Anhängerschaft – und das ausgerechnet in der bayerischen Bussi-Bussi-Hauptstadt. Widerstand gegen die Anarcho-Zeitschrift gab es tatsächlich noch nie, selbst nicht von Neonazis, die beliebte Zielscheibe des bissigen Gaudi-Humors sind.

Für die Blattmacher selbst ist das Gaudiblatt viel mehr als eine Zeitung. „Es ist wie das gelbe Riff in der Brandung, da klatschen alle Wellen dran, aber es bleibt“, findet Wladarsch. „Wenn mich alles nervt, denk’ ich: Gut, dass es das Gaudiblatt gibt.“ Olli Nauerz geht noch weiter: Er trägt sogar seine Haare meist in gelb-schwarzen Gaudi­blatt-Nuancen. Der Farbgeber: „Das Münchner Kindl“, sagt Nauerz und grinst.

Hanni Kinadeter

Geburtstagsparty

Die Sonderausstellung ist im Untergeschoss des Grafikdesign-Büros 84 GHz in der Georgenstraße 84 zu sehen.

Das 10. Jubiläum des Gaudiblattes wird am Samstag, 13. April, ab 20 Uhr im Import Export, Dachauer Straße 114 gefeiert. Es treten auf: Talking People, Einstürzende Musikantenstadl, Embryo und DJ Patrick Deyda. Der Eintritt ist frei.

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