So wollen Mieter in München für eine faire Behandlung kämpfen

Ende dem Mietwahnsinn!

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Schlange stehen für eine Wohnungsbesichtigung. In München – auch bei teuren Angeboten – keine Seltenheit.

München – Strafanzeige wegen Wucher und Weckrufe für die Gerichte der Stadt – Hallo hat nachgehakt, wie sich Münchner Mieter gegen den Mietwahnsinn wehren wollen

1200 Euro warm für 45 Quadratmeter – das ist Mietwucher, klagt Michael Maier (33, Name von der Redaktion geändert). „Ich möchte fair behandelt werden,“ sagt der Maxvorstädter, der nun Strafanzeige gestellt hat. Denn laut dem qualifizierten Mietspiegel ist diese damit fast doppelt so hoch als für die Lage und das Baujahr üblich. Eineinhalb Jahre hat er nach einer Wohnung gesucht und ist von WG zu WG gezogen. „Diese Wohnung musste ich nehmen, sonst wäre ich 14 Tage später auf der Straße gestanden.“ Notgedrungen unterzeichnet er vergangenen Februar den Mietvertrag.

Anja Franz vom Mieterverein erklärt in Hallo, welche Handlungen bei der Vermietung erlaubt sind.

Schon da war ihm klar, dass er was tun kann – und muss. „Aber ich wollte erst zeigen, dass ich ein ordentlicher und guter Mieter bin.“ Vor der Anzeige suchte er im persönlichen Gespräch mit dem Vermieter nach einer Lösung. Dieser bot ihm 100 Euro Minderung an – keine Option für Maier. Wie dem Vermieter vorher angekündigt, erstattete er Anzeige, Angst vor dem Schritt hat er nicht: „Ich mache mir keine Sorgen. Mein Vertrag ist sicher“, sagt Maier.

Wucher liegt laut Mieterverein vor, wenn die ortsübliche Vergleichsmiete um 50 Prozent überschritten ist. In Maiers Fall wäre das bereits bei einer Kaltmiete von 842,40 Euro der Fall. „Ich bin kein Einzelfall.“ Im Wohnhaus gebe es noch rund 40 weitere Verträge dieser Art, schätzt Maier. Organisiert hat sich die Hausgemeinschaft deswegen nicht. „Vielleicht bringe ich einen Stein ins Rollen und mache anderen Mut.“

Da ihn bei einem Rechtsanwalt horrende Kosten erwarten würden, wendete er sich an den Mieterverein. Der beschäftigt sich intensiv mit den immer schlechter werdenden Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt. „Wir wollen die Gerichte aufrütteln“, heißt es zur Anzeige von Maier.

Grundsätzlich ist die Lage aber ernüchternd: „Man darf natürlich vermieten, was man will“, erklärt Anja Franz vom Mieterverein, auf die Frage, was bei der Vermietung erlaubt sei. „Es dürfen aber keine Bedingungen sein, die sittenwidrig sind.“ Darunter fallen etwa Angebote an potentielle Mieter, die Miete gegen eine Gegenleistung wie ein wöchentliches Abendessen zu verringern.

Rechtliche Handhabe gebe es kaum. Maiers Anzeige wegen Wucher könnte einen Präzedenzfall schaffen. Rechtsmittel wie diese könnten in den aktuell sehr angespannten Zeiten schlimme Auswüchse einbremsen, glaubt der Mieterverein.

Sabina Kläsener

Dreiste Anzeigen: Zimmer ohne Klo oder 4500 Euro Ablöse

Kaltmiete von 400 Euro – das sind stolze 33 Euro pro Quadratmeter.

Zwölf Quadratmeter, Dachschräge, ein kleines Fenster, Waschbecken und Kühlschrank mit Kochplatten drauf: Dieses Zimmer in Pasing wird im Internet zur Vermietung angeboten. Und das für die Kaltmiete von 400 Euro – stolze 33 Euro pro Quadratmeter. Was als Einbauküche angegeben ist, entpuppt sich auf dem Anzeigen-Bild als Kühlschrank mit Kochplatten drauf. Einziger Haken laut Anzeige: Das Bad müsse sich mit den anderen Bewohnern abgeschlossener Zimmer geteilt werden. Wer meint, das schrecke ab, irrt: Knapp 6000 riefen laut der Internetseite die Anzeige auf, 336 kontaktierten den Vermieter.

Kühlschrank mit Kochplatten drauf: Das wird in der Anzeige als Einbauküche ausgewiesen.

Ein anderes Phänomen: die Ablöse. Für eine neu eingerichtete Wohnung in Harlaching fordert die Mieterin 4500 Euro Ablöse. Nur wenn diese gezahlt werde, komme man als Mieter infrage. „Es gibt keine Kontrolle “, erklärt Anja Franz vom Mieterverein. Für Mietinteressenten bedeutet das: Entweder man bezahlt oder bewirbt sich auf andere Wohnungen. „Man kann Geld zurückverlangen, wenn die Ablöse über 50 Prozent über dem tatsächlichen Wert liegt“, erklärt Franz. „Egal, ob die überzogene Ablöse vom Vormieter oder dem Vermieter verlangt wird.“

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