Münchner glaubhaft spielen

Oscarreifes Bairisch büffeln – In einem Seminar lernen Schauspieler worauf es ankommt, wenn man Dialekt spricht

Steffi Kammermeier leitet in der Münchner Filmwerkstatt das Seminar „Bairisch für Schauspieler“. Der nächste Kurs findet am 26. und 27. April statt. 
+
Steffi Kammermeier leitet in der Münchner Filmwerkstatt das Seminar „Bairisch für Schauspieler“. Der nächste Kurs findet am 26. und 27. April statt. 

Im Fernsehen wird immer häufiger Bairisch gesprochen. Steffi Kammermeier zeigt Schauspielern, wie man den Dialekt richtig verwendet - damit aus den Zuschauern keine Grantler werden.

  • Der bairische Dialekt hat im Fernsehen Einzug erhalten.
  • Steffi Kammermeier unterrichtet Schauspieler, wie man richtig Bairisch spricht.
  • Doch es gibt viel zu beachten bevor der Dialekt oscarreif gesprochen wird.

„Es gibt ja nix schlimmeres für gestandene Dialektsprecher, die oft a bisserl stur sind, wenn jemand Dialekt falsch verwendet“, ist sich Steffi Kammermeier sicher. Dabei sei im Fernsehen in den letzten Jahren ein richtiger Dialekt-Boom zu spüren gewesen. Wie man als Schauspieler oscarreifes Bairisch spricht, zeigt die Regisseurin, Drehbuchschreiberin und Trainerin deshalb in einem Seminar in der Münchner Filmwerkstatt.

Los geht es da mit den Vokalen a, e, i, o, u. „Es gibt im Bairischen mindestens drei Arten, wie man a sprechen kann.“ Hui! Obacht auch bei Konsonanten: „Man hört sofort, wenn die zu hart akzentuiert werden. Hap I kapt, zum Beispiel. Da biegt’s mir die Zehen hoch“, sagt Kammermeier. Es gebe kein P, kein T. „Der Anton is da Toni. Mit einem markanten D!“

Kammermeier hat für unzählige Fernsehserien geschrieben, etwa für „Dahoam is Dahoam“ und über Dialekt Filme gedreht

Seit 2012 gibt sie den Kurs regelmäßig und hat währenddessen so manchen „verpreuselten“ Wortschatz auf Vordermann gebracht. Erfolgreich „wieder einbayerisiert“, wie Kammermeier sagt, wurde etwa Schauspielerin Christina Baumer – eine Oberpfälzerin. 

„Viele haben den Dialekt von Eltern und Großeltern noch im Ohr“, erzählt Kammermeier, „aber sie trauen sich nicht mehr ihn zu verwenden.“ Weil sie ihn verlernt haben? „Und abtrainiert. Häufig kriegen Schauspieler in ihrer Ausbildung alles, was nach Dialekt klingen könnte, ausgetrieben. Das ist fast wie Gehirnwäsche.“

Der Weg zum Oscar-Bairisch ist für manche aber nicht unmöglich: Rhythmusgefühl, Melodie, Tonhöhen – das nachzuahmen, darauf komme es an. „Dann kannst du fast aus Hamburg kommen und als Bayer durchgehen.“

Es müsse auch nicht jeder einen Bauern aus dem 17. Jahrhundert spielen können. Sondern oft: einen glaubhaften Münchner. „Wo der Dialekt ohnehin weniger ist. Die Språch aber keine Sprache ist.“ Die Zeiten im 18. Jahrhundert, als man hörte, ob jemand ein Unter- oder Obergiesinger ist, am Wortschatz oder an Endungen erkennen konnte, dass ein Haidhauser kein leicht schwäbelnder Pasinger ist – die seien vorbei, wie auch Dialekt-Fan Kammermeier eingesteht. Aber weiß – vielleicht kommen sie durchs Fernsehen zurück. 

Dass Bairisch nicht ausstirbt, davon ist der Münchner Vorsitzende des Fördervereins „Bairische Sprache und Dialekte“, Benedikt Kronenbitter, überzeugt.

so

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

München: Illegales Autorennen zwischen Vater und Sohn - Polizei stoppt Fahrzeuge auf der Sonnenstraße
München: Illegales Autorennen zwischen Vater und Sohn - Polizei stoppt Fahrzeuge auf der Sonnenstraße
Durchstarten trotz Corona – welche Jobs jetzt gefragt sind
Durchstarten trotz Corona – welche Jobs jetzt gefragt sind
München: Bald schon große Kunst in ganz Schwabing?
München: Bald schon große Kunst in ganz Schwabing?
München: Wird Kaufhof am Stachus doch noch gerettet?
München: Wird Kaufhof am Stachus doch noch gerettet?

Kommentare