Wachsame Anwohner

Denkmalschutz! Jugendstilgebäude in der Agnesstraße wurde gerettet

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Anwohner sowie der benachbarte Kindergarten freuen sich über den Erhalt des Jugendstilhauses, das bereits 1912 erbaut wurde. 

Anwohner und die Bürgerinitiative Pro Schwabing haben für den Erhalt des Haus in der Agnesstraße 48 gekämpft. Die Polizei soll das Gebäude jetzt beschützen...

„Der Abriss hätte für hunderte Anwohner die Lebensqualität verändert“, sagt Gabriella Meros. Gemeinsam mit Birgit Sasowski von der Bürgerinitiative Pro Schwabing, dem bayerischen Denkmalnetz und vielen Anwohnern hat sie in den letzten Wochen für das Haus an der Agnesstraße 48 gekämpft. 

Mit Erfolg: Quasi über Nacht wurde das Gebäude nun in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen. Ein Investor wollte das Jugendstilhaus abbrechen, nachdem es zuvor komplett entmietet wurde. Bereits am Tag des Auszugs des letzten Bewohners lag die Abbruchsanzeige vor. 

Auf Hallo-Nachfrage wollte sich der Eigentümer nicht dazu äußern, wie er nun auf die neue Sachlage reagiert. Für jede bauliche Veränderung ist künftig eine Erlaubnis des Planungsreferats erforderlich. Um ungenehmigte Abbrucharbeiten zu verhindern, wurde die Polizei sogar um Amtshilfe gebeten: „Wir sind sensibilisiert vom Fall des Uhrmacherhäusls“, erklärt Ingo Trömer vom Planungsreferat. 

Treppenhaus in der Agnessstraße, ein historischer"Schatz".

Auch Meros plädiert an alle Anwohner: „Wir müssen weiter ein wachsames Auge drauf haben und offene Ohren. Denn es handelt sich um ein Juwel, das beschützt werden muss.“ Auch im Hinblick auf die historische Treppe hoffe sie, dass der Eigentümer jetzt verstehe, „was für einen Schatz er eigentlich hat.“ 

Auf Anfrage von Hallo München äußerte sich die Denkmalschutzbehörde

Hallo liegt die Information vor, dass der Antrag selbst erst gestern eingegangen ist, sodass der Denkmalschutz quasi sofort gewährt wurde. - Wird so ein schnelles Verfahren häufiger gemacht?
Nein. Da in diesem Fall eine Abbruchanzeige bei der Landeshauptstadt München vorliegt, war dieses Vorgehen notwendig. Innerhalb des Verfahrens wird das Gebäude nun weiter auf seinen Erhaltungsgrad geprüft.

Hängt ein solches Verfahren von der Dringlichkeit des Anliegens ab?
Ja, auf Grund der Abbruchanzeige bestand die Dringlichkeit.

Warum wurde der Denkmalschutz speziell in diesem Fall so schnell erteilt oder gab es bereits im Vorfeld zum gestrigen Antrag Prüfungen, ob dort Denkmalschutz greif?
Dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege war von einer interessierten Mitbürgerin eine Beschreibung und ein umfangreiches Bildmaterial mit Außen- und Innenaufnahmen vorgelegt worden. Hieraus lässt sich erkennen, dass das Innere in einer hochwertigen Form im sogenannten Reformstil ausgestattet war und die Ausbauten sehr umfangreich erhalten sind.

Das schnelle Erteilen vom Denkmalschutz erweckt den Eindruck, dass das Gebäude offenbar eindeutig ein Objekt ist, das unter Denkmalschutz fällt. Wie konnte das Haus also bisher „unter dem Radar“ bleiben oder ist für die Gewährung von Denkmalschutz immer erst ein Antragssteller nötig?
Dem Landesamt ist es personell nicht möglich, fortwährend ganz München nach möglichen Denkmälern zu „durchsuchen“. Das Landesamt ist daher auch auf Anregungen angewiesen.

Könnten Sie Ihre Entscheidung für die Gewährung des Denkmalschutzes in diesem Fall näher begründen?
Das 1912 von den Architekten Eduard Herbert und Otho Orlando Kurz errichtete Mietshaus ist dem Reformstil zuzuschreiben. Wenngleich an den Fassaden die Putzgliederungen verlorengegangen sind und die rundbogigen Ladenöffnungen im Erdgeschoss nachträglich zugesetzt wurden, ist die hochwertige Innenausstattung noch umfangreich erhalten. Es ist damit ein anschauliches Beispiel für die Wohnkultur und -form im frühen 20. Jahrhundert. Mit seiner Ecklage hat es zudem eine besondere städtebauliche Position.

kf

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