Hoffnung in der Krise

Kreatives München: Ideen und Lösungen in Zeiten der Corona-Pandemie

David Siegel vom DLR arbeitet an Prototypen für  medizinische Ausrüstung aus dem 3D-Drucker.
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David Siegel vom DLR arbeitet an Prototypen für  medizinische Ausrüstung aus dem 3D-Drucker.

Kreativ durch die Coronakrise. Von Masken aus dem 3D-Drucker und Forschung für ein Gegenmittel bis zur Seelsorge 4.0 – Diese Münchner Ideen machen Mut.

  • Medizinische Masken und Ventile für Beatmungsgeräte aus dem 3D-Drucker.
  • Forschung mit Remdesivir als Gegenmittel für den Coronavirus.
  • Kreative Ideen für die Seelsorge in Altenheimen.

Sie sind die Hoffnungsträger der Medizin: David Siegel und Lukas Ansmann. Das Duo tüftelt, entwickelt und arbeitet mit Hochdruck an neuen Prototypen – für medizinische Masken und Ventile für Beatmungsgeräte

Was sie normalerweise entwickeln, fliegt meist ins Weltall: David Siegel (26) ist Techniker im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen, Lukas Ansmann (28) arbeitet dort als Ingenieur. Eigentlich waren sie längst im Home-Office, als vor knapp zwei Wochen das Telefon klingelte, sie sollen blitzschnell wieder in die Werkstatt kommen. 

Direkt aus Brüssel, von der Europäischen Kommission, kam die Anfrage, ob das DLR-Team – ebenso wie Institute und Unternehmen – die dringend notwendige Schutz­ausrüstung entwickeln kann. Es war jener Zeitpunkt, als in Italien die Ventile für Beatmungsgeräte knapp geworden waren. Kurzerhand entwickelten Siegel und Ansmann also solche Ventile und zeigten: Mit dem 3D-Drucker ist das kein Problem. „In Deutschland haben wir noch genug solche Düsen. Aber jetzt sind wir gerüstet, falls sie knapp werden“, sagt Ansmann. 

Aktuelle Nachrichten über den Coronavirus in München finden sie in Hallo Ticker.

Wegen dem Coronavirus sollen auch Atemschutzmasken entwickelt werden

Ihr zweites großes Projekt auf EU-Anfrage: Atemschutzmasken für medizinisches Personal entwickeln – ebenfalls echte Mangelware derzeit. Noch in diesen Tagen sollen die ersten Prototypen an Münchner Kliniken gehen, um sie dort zu testen. Die Modelle sind aus einem Kunststoff, der für die Medizin geeignet ist und können in Krankenhäusern sterilisiert und nochmal verwendet werden. Eine Zertifizierung – die bürokratische Voraussetzung für einen klinischen Gebrauch – läuft schon. 

In Oberpfaffenhofen können die beiden jungen Tüftler an ihren Geräten gerade mal 20 hochwertige medizinische Masken pro Tag herstellen. Aber darum geht es ihnen auch nicht: „Wir produzieren nicht wie in einer großen Fabrik, sondern wir entwickeln Prototypen, die mit 3D-Druckern hergestellt werden“, betont Siegel. Das Wissen, wie die Produktion funktioniert, wollen sie dann an andere weitergeben. Damit könnten vor Ort regelmäßig Masken produziert werden. 

Medizinische Masken und Ventile für Beatmungsgeräte können in solchen 3D-Druckern hergestellt werden.

Nebenher arbeiten Siegel und Ansmann an einer anderen Idee: Einen Prototypen für eine Atemschutzmaske für den Alltagsgebrauch zu entwickeln, dessen Design sie bekannt geben – damit jeder, der einen 3D-Drucker hat, diese selbst drucken kann. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Ob und wann sie einen solchen bereitstellen können, ist noch unklar. 

Münchner Kliniken als Vorreiter in der Coronakrise

  • Das Klinikum rechts der Isar forscht zu Gegenmitteln: Dort behandelt man behandelt Corona-Patienten mit Remdesivir, einem Wirkstoff, der die Verbreitung von Viren eindämmt – und ursprünglich gegen Ebola entwickelt worden war. Nur drei deutsche Kliniken sind laut Sprecherin Eva Schuster an dieser internationalen Studie beteiligt. 

Seelsorge in der Coronakrise mit gebastelte Karten gegen Einsamkeit

Einfallsreichtum ist auch bei Pfarrerin Edith Öxler gefragt: Mit einem Team von 32 Münchnern ist sie für die Seelsorge in Altenheimen zuständig. 

Pfarrerin und Seelsorgerin Edith Öxler.

Die Krux: „Wir dürfen nicht in die Einrichtungen gehen, die wenigsten haben ein eigenes Telefon und gleichzeitig ist der Bedarf an Seelsorge hoch.“ Deswegen gehen sie neue Wege, besser gesagt alte: Gut hundert persönliche Briefe schicken die Kirchenleute jeden Tag an alte Menschen in Pflegeheimen. 

Selbst gebastelte Karten als Hilfe in der Coronakrise.

Was eine Kollegin gebastelt hat, hat die Pfarrerin regelrecht zu Tränen gerührt: Sie hat ein antiquarisches Buch nachbestellt, von dem sie wusste, dass es den meisten gefällt. Die Bilder aus dem Buch hat sie kopiert und individuelle Karten für die Senioren gebastelt. 

Was bei diesen außerdem richtig gut angekommen ist: „Wenn Angehörige Ihnen Handys mit WhatsApp gegeben haben und wir per Video telefonieren – dann fühlen sich viele nämlich wie Fernsehstars“, sagt Öxler und lächelt.

Hanni Kinadeter

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