Zusätzlich zum Normalbetrieb

ADAC Luftrettung für Corona-Patienten – Große Herausforderung für die Einsatzkräfte

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Klaus Schmid, Notfallsanitäter, zeigt im Rettungshubschrauber Christoph 1 eine Packung mit Infektionsschutzbekleidung für die Besatzung, bestehend aus Atemschutzmaske, Handschuhen und einem Schutzanzug. 

Zusätzlich zum normalen Rettungsbetrieb transportiert die ADAC Luftrettung nun auch Corona-Patienten. Auch andere Organisationen rechnen damit, dass die Zahl der Verlegungen stark steigen könnte. Ist die Luftrettung darauf vorbereitet?

  • Die ADAC Luftrettung transportiert ab jetzt auch Corona- Patienten.
  • Der Transport von Covid-19 Patienten kommt zu den normalen Rettungseinsätzen.
  • Die angeordneten Hygiene- und Schutzmaßnahmen kosten viel Zeit.

München – Ein ohrenbetäubendes Knattern erfüllt die Luft, als der gelbe Rettungshubschrauber auf dem großen Platz der ADAC Luftrettungsstation in München landet. Kurze Zeit später schieben zwei Rettungskräfte einen schwer verletzten Mann auf einer Trage aus der Kabine - er wurde bei einem Arbeitsunfall unter seinem Traktor eingeklemmt. Rund fünf Mal am Tag fliegt derHubschrauber „Christoph 1“ von München aus zu Rettungseinsätzen. Das könnte in den kommenden Wochen und Monaten aber deutlich mehr werden. Denn zu dem alltäglichen Rettungsbetrieb kommen nun auch Transportflüge von Covid-19-Patienten.

Klaus Schmid, Notfallsanitäter, schiebt eine Trage durch die Hecköffnung des ADAC-Rettungshubschraubers Christoph 1. 

Coronakrise wird zur Belastungsprobe für die ADAC Luftrettung

„Das wird eine Herausforderung“, meint Notarzt Dr. Matthias Ruppert. Der 52-Jährige ist Leiter der Flugmedizin bei der gemeinnützigen ADAC Luftrettung. Nachdem mehrere Bundesländer Italien und Frankreich Unterstützung zugesagt hatten, flogen ADAC-Rettungshubschrauber vor kurzem zum ersten Mal zwei Corona-Patienten aus Frankreich in eine Klinik ins Saarland. Tags darauf transportierten sie den ersten Patienten innerhalb Deutschlands.

Neben der Zunahme an Verlegungen von Corona-Patienten bereiten sich Ruppert und seine Kollegen der ADAC Luftrettung auf zwei weitere mögliche Szenarien in Folge der Pandemie vor. So könnten auch manche Krankenhäuser in Deutschland an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Dann müssten auch Patienten, die nicht am Coronavirus erkrankt sind, regional verteilt werden. Außerdem könne es „zu Engpässen bei den bodengebundenen Rettungsdiensten“ kommen, so der 52-Jährige. Auch das hätte deutlich mehr Einsätzen der Luftrettung zur Folge.

Ein Patient wird am Standort des ADAC-Rettungshubschraubers Christoph 1 am Städtischen Klinikum Harlaching ausgeladen. 

Deutlich mehr Einsätze wegen Corona für die ADAC Luftrettung

Ist das für die Einsatzkräfte überhaupt machbar? „Insgesamt sind wir, glaube ich, gut aufgestellt“, sagt Ruppert. An bundesweit 37 Standorten stehen den Rettungskräften der ADAC Luftrettung mehr als 50 Hubschrauber zur Verfügung - acht Stationen befinden sich in Bayern. Sollte sich das Coronavirus in Deutschland weiter ausbreiten, können zusätzliche Ersatzmaschinen bereitgestellt werden.

Am wichtigsten ist es nach Ansicht von Ruppert, die Piloten und Rettungskräfte vor Infektionen zu schützen, damit keine Hubschrauber am Boden bleiben müssen. Denn in der Luftrettung arbeiten kleine und hoch spezialisierte Teams, die nur schwer zu ersetzen seien. 

Tagtäglich sorgen sie dafür, dass verletzte Menschen gerettet und medizinisch versorgt werden können – wo auch immer sie sind. Hallo hat den Alltag der Luftrettung vor der Corona Pandemie für einen Tag begleitet.

„Wir versuchen, die Kontakte innerhalb der Crews so gering wie möglich zu halten.“ Für Ruppert und seine Kollegen bedeutet das unter anderem, dass gemeinsame Mahlzeiten nicht mehr möglich sind. Die angeordneten Hygiene- und Schutzmaßnahmen kosten außerdem viel Zeit: Nach einem Einsatz muss der Hubschrauber rund eine Stunde desinfiziert werden. Und auch das Ablegen der zusätzlichen Schutzkleidung dauert.

Matthias Ruppert, Leiter Medizin der ADAC Luftrettung und Notarzt, zeigt am Rettungshubschrauber Christoph 1 eine Packung mit Infektionsschutzbekleidung für die Besatzung, bestehend aus Atemschutzmaske, Handschuhen und einem Schutzanzug. 

Sieben Tage die Woche ist Ruppert aktuell im Einsatz. In Zusammenarbeit mit Kollegen - auch von anderen Rettungsdienstorganisationen und Kliniken - entwickelt er länderübergreifend Lösungsansätze für die Herausforderungen durch die Corona-Krise. Zusätzlich fliegt er Rettungseinsätze. „Das ist natürlich eine große Belastungssituation“, sagt der 52-Jährige. Aber er bemerke innerhalb der Rettungsdienste und Kliniken ein „großartiges Zusammenrücken“.

Sollte es zu einer starken Zunahme von Transportflügen kommen, müssten auch neue Regelungen für die maximal möglichen Arbeitszeiten der Crews, bestehend aus einem Piloten, einem Notarzt und einem Notfallsanitäter, diskutiert werden. Hier sei man im Gespräch mit Politikern der Länder, um in dieser Krisensituation Lockerungen durchzusetzen, so Ruppert.

Weitere Organisationen transportieren Corona-Patienten

Neben der ADAC Luftrettung fliegt auch die Bundeswehr mit einem Spezial-Airbus A310 MedEvac Corona-Patienten aus den Nachbarländern zur Behandlung nach Deutschland. Auch die DRF Luftrettung führt Transportflüge durch. „Aktuell verspüren wir mit der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus auch einen deutlichen Anstieg der Anfragen für Verlegungsflüge“, teilte eine Sprecherin mit.

Mit Blick auf eine mögliche weitere Eskalation der Situation wird auf der ADAC Luftrettungsstation in München außerdem die bayerische Polizei für den Transport von Corona-Patienten geschult, wie Jochen Oesterle, Sprecher der ADAC Luftrettung, sagte. Normalerweise sind die Hubschrauberstaffeln der Polizei nicht für Rettungseinsätze vorgesehen.

Von Rebekka Markthaler, dpa

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