Zocken & Co.: Beratungshotline präsentiert steigende München-Zahlen

Diese Verlockungen bergen gefährliches Suchtpotenzial

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Mediensucht ist ein anerkanntes ICD-10-Krankheitsbild.

München – Wir nutzen sie jeden Tag – manchmal zu oft : Computer, Smartphones und Spielkonsolen. Laut Beratungs- und Therapiezentrum Tal 19 ist Mediensucht stark auf dem Vormarsch

Alle 68 Minuten wendet sich im Schnitt ein Münchner an die Sucht­hotline des Beratungs- und Therapiezentrums Tal 19. Tendenz steigend. 7368 Anrufe und 215 E-Mails gingen dort 2018 ein. 2017 waren es noch unter 6000 Hilfesuchende. Und eines fällt auf: Mediensucht ist stark auf dem Vormarsch.

Von den 7368 Anrufen und 215 E-Mails drehten sich zwar noch immer rund 39 Prozent um das Thema Alkohol und 26 Prozent um illegale Drogen – doch immer mehr Münchner haben ein Problem in Sachen Computer-, Smartphone und Spielkonsolen-Nutzung. Mediensucht ist mittlerweile ein anerkanntes ICD-10-Krankheitsbild.

„Der leichte und schnelle Zugang zu Computerspielen oder Pornographie sowie sozialen Netzwerken macht für viele Menschen einen kontrollierten Umgang damit schwierig“, sagt Christoph Teich, Leiter von Tal 19. Meistens wenden sich Angehörige von Mediensüchtigen an das Zentrum. „Eine Sucht erkennt man an einer Wesensveränderung. Der vertraute Mensch verhält sich anders oder geht nicht mehr in die Schule.“ Für Betroffene bietet die Seite www.suchthotline.info Fragebögen, die aufzeigen, ob man süchtig ist.

Eine Selbsthilfegruppe für Mediensüchtige gibt es in München nicht. Aber abgestimmte Beratungsangebote. „Wir haben eine monatliche Mediensprechstunde“, sagt Teich. Außerdem geplant: „Ein Kurs, bei dem Leute über zehn Wochen lernen, ihren Medienkonsum zu reduzieren. „Eine Änderung des Suchtverhaltens funktioniert nur über Training.“

Sebastian Obermeir

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