„Der FCB – fast immer pleite“

FCB fast immer pleite - Müller-Biografie über 70er-Jahre

+
Bis heute ist Gerd Müller (hier 1974) der einzige Bundesliga-Stürmer, der 40 Tore in einer Saison erzielte.

Millionen Gehälter für Fußballer waren früher nicht vorstellbar. Die Biographie zeigt wie der FC Bayern zu Geld kam und was die Politik damit zu tun hatte...

München – Es begann mit 800 Mark im Monat: So viel verdiente Gerd Müller, als er 1964 zum FC Bayern kam. Das blieb nicht so, wie der Historiker Hans Woller im Buch „Gerd Müller oder wie das große Geld in den Fußball kam“ erklärt. 

Hans Woller, Historiker über Fußballgeschichte.

Im Literaturhaus spricht er mit Felix Magath über den „Bomber“ und Parallelen zwischen den Fußballern: „Beide haben noch gegeneinander gespielt, kommen aus einfachen Verhältnissen und sind durch den Fußball sozial aufgestiegen.“ 

Bis 1970/72 wächst Müllers Gehalt auf bis zu 400 000 Mark im Jahr – nur vom FCB. Der Fußball erlebte damals eine Professionalisierung, analysiert Woller. Die Wirtschaft entdeckte den Sport für sich. Für die Recherche konsultierte er alle denkbaren Archive, sprach mit 60 Zeitzeugen, auch mit Müllers Ehefrau. 

Einmal traf er den an Alzheimer erkrankten Müller. „Er saß im Rollstuhl, war nicht ansprechbar, hat aber gelächelt.“ Um die Stars halten zu können, mussten „innovative Ideen“ her, erklärt Woller. Große Tourneen mit Spielen in Südamerika brachten den erhofften Geldsegen. 

„Der FCB war bis Ende der 70er-Jahre fast immer pleite.“ Präsident Wilhelm Neudecker suchte politische Verbündete, die bei der finanziellen Situation helfen sollten. Und fand sie in der CSU, beispielsweise in Ludwig Huber. Der nahm laut Woller Einfluss auf Willi Daume, Organisationschef der Olympischen Spiele, damit der FCB das letzte Saisonspiel im noch nicht fertigen Stadion spielen konnte. Die dadurch eingenommenen 1,2 Millionen Mark bewahrten den Verein davor einen Kredit aufzunehmen, um ausstehende Spielergehälter zu zahlen. 

Im Gegenzug hätten Spieler wie Hoeneß Wahlkampf für die CSU gemacht. Aufschluss über diese Verbindungen geben unter anderem offizielle Unterlagen aus Hubers Nachlass. Einsicht in Vereinsunterlagen erhielt Woller nicht. „Mein Buch ist nur die Spitze des FCB-Eisbergs,“ erklärt er, fügt hinzu: „Ich wollte den Verein aber nicht an den Pranger stellen.“ Reagiert hat der Verein nicht auf die Veröffentlichung.

sab

Hans Woller spricht am Mittwoch, 20. November, ab 19 Uhr im Literaturhaus, Salvatorplatz 1, Karten für zwölf ermäßigt acht Euro unter Telefon 29 19 34 27

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Unbekannter will 68-Jährige vergewaltigen - die beißt ihm auf die Zunge
Unbekannter will 68-Jährige vergewaltigen - die beißt ihm auf die Zunge
Stammstrecke: Gestern Chaos, heute Einschränkungen, OB sauer!
Stammstrecke: Gestern Chaos, heute Einschränkungen, OB sauer!
MVV: 365 Euro-Ticket kommt
MVV: 365 Euro-Ticket kommt
Kein Frieden ums Feuerwerk bei den Münchnern
Kein Frieden ums Feuerwerk bei den Münchnern

Kommentare