Neuartige Lungenkrankheit

Coronavirus-Fall in Bayern – Mittlerweile sind vier Webasto-Mitarbeiter erkrankt

Der Haupteingang des Klinikums Schwabing. Die ersten bestätigten Coronavirus-Patienten in Deutschland liegen auf der Isolierstation im Münchner Klinikum Schwabing.
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Der Haupteingang des Klinikums Schwabing. Die ersten bestätigten Coronavirus-Patienten in Deutschland liegen auf der Isolierstation im Münchner Klinikum Schwabing.

Der erste Fall einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Deutschland ist bestätigt. Mittlerweile gibt es drei weitere Fälle. Alle Patienten arbeiten bei Webasto.

Update: 29. Januar

Die bayerischen Gesundheitsbehörden bestätigten am Dienstag die vier ersten Coronavirus-Fälle in der Bundesrepublik. Weil die Angesteckten allesamt Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto aus dem oberbayerischen Gauting sind, schließt die Firma ihre Zentrale im Ortsteil Stockdorf zum Schutz der Belegschaft vorübergehend bis Sonntag. Dort arbeiten insgesamt rund tausend Menschen.

Zunächst war die neue Lungenkrankheit bei einem 33 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech nachgewiesen worden. Er hatte sich in seiner Firma in einem Vorort von München bei einer Kollegin aus China infiziert. Am Dienstagabend teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit, dass sich drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. „Auch diese Patienten sind Mitarbeiter der Firma aus dem Landkreis Starnberg“, hieß es weiter.

Vier Websto-Mitarbeiter in Münchner Klinik eingeliefert

Die vier Betroffenen wurden in der München Klinik Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert, wie das Ministerium mitteilte. „Bei einigen weiteren Kontaktpersonen läuft derzeit ein Test, ob auch hier eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt.“ Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte: „Es wurden insgesamt rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt, die als enge Kontaktpersonen in Frage kommen. Die Betroffenen sollen am Mittwoch vorsichtshalber getestet werden.“ Dann will das Ministerium auch per Pressemitteilung über den aktuellen Sachstand informieren.

Erster Coronavirus-Patient hat sich bei einer chinesischen Kollegin angeste

Der 33-Jährige hatte sich nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei einer Kollegin aus China angesteckt, die in der vergangenen Woche zu einer Schulung bei Webasto in der Firmenzentrale im Landkreis Starnberg gekommen war. Die Frau hatte ihre Infektion erst am 23. Januar auf dem Rückflug nach China bemerkt.

Der erste Coronavirus-Patient war am Montag positiv auf das Virus getestet worden - da war er schon wieder zur Arbeit gegangen. „Es geht ihm recht gut, gestern Vormittag hat er noch gearbeitet“, sagte LGL-Präsident Andreas Zapf. „Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr“, fügte der behandelnde Chefarzt Clemens Wendtner vom Klinikum Schwabing hinzu. Der Mann befinde sich in einem Isolierzimmer, für andere Patienten bestehe keine Gefahr.

Die Menschen, die mit der chinesischen und dem zuerst erkrankten deutschen Webasto-Mitarbeiter Kontakt hatten, stehen nach LGL-Angaben unter Beobachtung und sind aufgerufen, ihr Zuhause nicht zu verlassen. Der 33-jährige Patient ist Familienvater, sein Kind geht nach Angaben des Gesundheitsministeriums in eine Krippe im Landkreis Landsberg am Lech. Auch diese stehe nun unter Beobachtung, sagte LGL-Präsident Zapf. Über den Familienstand der drei weiteren Patienten wurde zunächst nichts bekannt. Der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, betonte: „Die Zahl kann noch steigen.“

Autozulieferer Webasto schließt Werk in Stockdorf

Webasto kündigte am Dienstagabend an, dass neben der vorübergehenden Schließung des Standorts Stockdorf Mitarbeiter der Firmenzentrale ebenfalls bis Sonntag nicht an nationale und internationale Standorte reisen sollen. Für China galt schon vorher eine Sperre für zwei Wochen. „Die Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft wurden aufgrund der neueren Entwicklungen ausgeweitet“, hieß es in einer Mitteilung. Das Management hatte den Mitarbeitern in der Zentrale schon zuvor für diese Woche freigestellt, ob sie im Büro oder lieber zuhause arbeiten wollen.

Coronavirus stammt vermutlich aus der chinesischen Stadt Wuhan 

Das neuartige Coronavirus 2019-nCoV kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind - die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen, in China starben mindestens 106 Menschen an der Lungenkrankheit.

Das neue Virus 2019-nCoV stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, womöglich sogar ohne Symptome.

Übertragungen vor den ersten Symptomen gelten als sehr selten. So liefert der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Deutschland womöglich auch neue Erkenntnisse über die Ansteckungswege der Lungenkrankheit. Denn der Mann habe sich nach ersten Erkenntnissen bei der Chinesin angesteckt, obwohl sie zu dem Zeitpunkt noch keine Symptome der Krankheit zeigte.

Die Behörden wollen weitere Maßnahmen in Bayern einleiten

Eine offizielle Hotline der bayerischen Behörden wurde geschaltet, einige Krankenkassen taten das auch. Am Münchner Flughafen werden die Passagiere nach Angaben des Landesamtes mit Plakaten in drei Sprachen aufgefordert, bei Verdacht einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus einen Arzt aufzusuchen. Weitere Eskalationsstufen des Alarmplans sind möglich: Derzeit werde gemeinsam mit dem Bund beraten, „ob es sinnvoll sein kann, an Flughäfen Fieber zu messen“, sagte Ministerin Huml. Die weltgrößte Spielwarenmesse in Nürnberg erwartet angesichts des Coronavirus-Ausbruchs in diesem Jahr weniger Besucher aus China.

Einen Grund zur Panik gebe es trotz allem nicht, betonte Huml - ebenso wie ihr Amtskollege, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der Fall zeige, „dass wir gut vorbereitet sind“, sagte er. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibe auch nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts weiterhin gering.

Trotzdem waren Atemschutzmasken in einzelnen Apotheken in Bayern ausverkauft. Er habe dies von Betrieben in Unterfranken und München gehört, sagte ein Sprecher des bayerischen Apothekerverbandes der Deutschen Presse-Agentur.

Erstmeldung: 28. Januar

München –  In Bayern ist der bundesweit erste Infektionsfall mit dem Coronavirus bestätigt worden. Wie das bayerische Gesundheitsministerium in der Nacht auf Dienstag mitteilte, hat sich ein Mann aus dem Landkreis Landsberg mit dem neuartigen Virus infiziert. 

Erster Coronavirus Patient von chinesischem Gast angesteckt

Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland hat sich bei einem chinesischen Gast seiner Firma angesteckt. Die Frau aus China sei zu einer Fortbildung bei der Firma Webasto im Landkreis Starnberg in Oberbayern gewesen, erfuhr Hallo München am Dienstag. Die Frau aus Shanghai sei vor ihrer Reise nach Deutschland von ihren Eltern besucht worden, die aus der chinesischen Millionenmetropole Wuhan kommen. Die Region sei am stärksten von dem Coronavirus betroffen.

Webasto hatte zuvor bestätigt, dass ein Mitarbeiter in Stockdorf von einer chinesischen Kollegin aus Schanghai mit dem neuen Coronavirus angesteckt worden sei, die vergangene Woche zu Besuch war und erst nach ihrem Rückflug in China positiv getestet wurde. Das Unternehmen prüft derzeit, mit welchen Kollegen die beiden Erkrankten in Kontakt waren. 

Webasto stellt hauptsächlich Autodächer und Standheizungen her und hat in China mehr als zehn Standorte, einen davon in der Millionenmetropole Wuhan, in der die neuartige Lungenkrankheit zuerst ausgebrochen war.

Nach dem ersten bestätigten Fall der neuartigen Lungenkrankheit in Deutschland überprüfen die bayerischen Behörden 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie. Das sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Dr. Martin Hoch, am Dienstag in München. „Die Zahl kann noch steigen.“ Die Chinesin und der deutsche Mitarbeiter hätten im Rahmen der Schulung in einer kleinen Gruppe zusammengearbeitet. Die Ansteckung habe „in einem Intervall, in dem die Chinesin noch symptomfrei war“ stattgefunden, sagte der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Dr. Andreas Zapf. 

(v. re. n. li.) Task Force Leiter Dr. Martin Horch, LGL-Präsident Dr. Andreas Zapf, die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml und der Sprecher des Gesundheitsministerium Jörg Säuberlich bei der Pressekonferenz zum Coronavirus.

Die Kinderkrippe in Landsberg am Lech, in der das Kind des an dem neuen Coronavirus erkrankten Mannes betreut wird, bleibt vorerst geöffnet. „Wir sehen derzeit keine Veranlassung dazu, die Krippe zu schließen“, sagte ein Sprecher des dortigen Landratsamts am Dienstag. „Weder die Frau noch das Kind des Patienten sind bisher erkrankt.“  Die Frau und das Kind des Patienten würden derzeit im häuslichen Umfeld isoliert, sagte der Landratsamt-Sprecher.

Die Eltern der betroffenen Einrichtung seien nicht eigens informiert worden, sagte der Sprecher. „Das ändert sich natürlich, wenn das Kind doch noch krank wird.“

Der Zustand des ersten Patienten in Bayern mit neuartigem Coronavirus 

Der Patient befinde sich nach Angaben der „Task Force Infektiologie“ des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit klinisch in einem guten Zustand. Er werde medizinisch überwacht und isoliert. Der Patient werde zur Zeit im Klinikum Schwabing behandelt.

„Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr“, sagte Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt im Klinikum Schwabing in München, am Dienstag. Der Mann werde nicht auf der Sonderisolierstation des Krankenhauses behandelt, sondern auf der normalen Isolierstation in einem von 22 Zimmern mit Schleuse. „Die Sonderisolierstation ist nicht aktiviert und wird für diesen Patienten auch nicht aktiviert“, sagte Wendtner. Er betonte: „Es besteht keinerlei Gefahr für Mitpatienten.“ Enge Kontaktpersonen wie Familienmitglieder und Kollegen des 33-Jährigen sind aufgerufen, zu Hause zu bleiben. 

Besonderheit des ersten Infektionsfall mit dem Coronavirus in Bayern  

Besonders an dem Fall in Bayern ist, dass damit wohl erstmals weltweit eine Ansteckung zwischen nicht eng Verwandten in einem Land außerhalb Chinas nachgewiesen wurde. Bisher handelte es sich bei fast allen der rund 50 erfassten Infektionen in Frankreich, den USA, Thailand und anderen asiatischen Ländern um importierte Fälle. Die Betroffenen hatten sich bei einer Reise nach China infiziert. Lediglich ganz vereinzelte Fälle von Ansteckungen zwischen engen Familienangehörigen wurden bekannt, aber bis keine Übertragungen etwa auf Klinikpersonal, Arbeitskollegen oder Zufallskontakte.

Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuen Virus anzustecken, wird von der „Task Force Infektiologie“ sowie vom Robert-Koch-Institut derzeit als gering erachtet. Trotzdem wurde für besorgte Bürgerinnen und Bürger eine Hotline eingerichtet, die unter der Nummer 09131 6808-5101 zu erreichen ist. 

Über vorsorgliche Fiebermessungen am Flughafen München sein laut Gesundheitsministerin Melanie Huml noch nicht endgültig entschieden. Schließung von Einrichtungen seien zur Zeit nicht vorgesehen.

Das Bayrische Rote Kreuz ist vorbereitet

Sollte sich das Coronavirus in Bayern verbreiten, stehen beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) zwölf Schnelleinsatzgruppen bereit. Diese Sondereinheiten seien auf die Behandlung, Betreuung und den fachgerechten Transport von beispielsweise hochinfektiösen Patienten spezialisiert, teilte das BRK am Dienstag mit.

Bereits am Wochenende sind laut BRK standardisierte Prozeduren für den Ernstfall entwickelt worden, die allen Einsatzdiensten zur Verfügung stünden. „Im Vorgehen für die Einsatzkräfte ändert sich zunächst nichts“, sagte Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Persönliche Schutzausrüstung wie Mundschutz, Atemschutzmasken und Schutzanzüge und -brillen würden ohnehin in allen Rettungsfahrzeugen mitgeführt.

Das neuartige Coronavirus kann eine Lungenkrankheit auslösen 

Erstmals aufgetreten ist es in China, dort sind bereits mehr als 100 Menschen daran gestorben. Größtenteils waren dies ältere Patienten mit Vorerkrankungen. Nach Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit in den meisten Fällen allerdings mit wenigen oder gar keinen Symptomen. Die Zahl der weltweit bekannten Erkrankungen liegt inzwischen bei mehr als 4.500 Fällen.

Quelle: epd/dpa/jh

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