Nehmen Sexualdelikte in München tatsächlich zu?

Die Angst läuft mit

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Allein in der Unterführung: Orte wie diese sind Angst­räume – aber seltener Tatorte als viele glauben.

München – Meldungen von sexuellen Übergiffen in der Stadt häufen sich – die Gründe sind vielfältig – Hallo München hat mit Experten gesprochen

Eine Frau wehrt einen brutalen Überfall im Park ab, eine andere wird stundenlang in der Wohnung eines Bekannten missbraucht, eine weitere in der Orleansstraße körperlich angegangen – Ausschnitte aus den Polizeiberichten der letzten Tage. Eine zufällige Häufung, oder nehmen Sexualdelikte in München tatsächlich zu?

„Im letzten Quartal hatten wir mehr akute Beratungsfälle“, bestätigt Jelena Stanilov vom Frauennotruf München. Die Beratungsstelle kümmert sich um Frauen, deren Fälle von sexueller Belästigung bis zu massiver Vergewaltigung reichen. Bei der Polizei möchte man sich nicht zu aktuellen Zahlen äußern. Auch die Zahlen von 2018 gebe es frühestens Ende März. Andrea Kleim, Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer, erklärt lediglich: „2017 hatten wir 287 Fälle – 161 davon waren schwere sexuelle Delikte.“

Die dunkle Jahreszeit sei ein Faktor, dass sich mehr Frauen Hilfe suchen, glaubt Stanilov. Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet seit fünf Jahren beim Notruf. Ihrer Meinung nach muss ein Anstieg der Beratungsfälle nicht zwangsläufig ein Zeichen für einen tatsächlichen Anstieg der Fallzahlen sein. Er könnte beispielsweise auch durch die Kampagne #metoo erklärbar sein, meint die 40-Jährige. Die habe es Frauen leichter gemacht, sexuelle Übergriffe anzuzeigen. Einen definitiven Anstieg verzeichnete die Beratungsstelle nach der Wiesn.

Grundsätzlich müsse man zwei Arten von Fällen unterscheiden: Den Überfall durch einen Fremden und den durch jemanden aus dem Bekanntenkreis. „Der Überfall im Park ist eher selten“, klärt Kleim auf. Solche Delikte würden aber vor allem deshalb häufiger angezeigt, weil es für das Opfer klar sei, dass es sich um Gewalt handelt, erklärt Stanilov. Bei Übergriffen im Bekanntenkreis sei diese Opferrolle vielen Frauen nicht so klar, weshalb es eine große Dunkelziffer gebe. „Manche kommen erst Jahre nach der Tat zum Frauennotruf, um über das Erlebte zu sprechen.“

Sabina Kläsener

Prävention

Wie Frauen sich schützen können, erklären Kleim und Stanilov in Hallo München:

Sowohl der Frauennotruf als auch die Beauftragte für Kriminalitätsopfer bieten Kurse zur Prävention an. Dabei geht es um allgemeine Sicherheitstipps, wie „in der Nähe des Fahrers von Tram oder Bus zu setzen“ und „immer zu zweit unterwegs sein“. Aber auch Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse werden angeboten. 

„Wer sich unsicher fühlt, dem empfehle ich die Kurse der Polizeiinspektion“, erklärt Polizistin Andrea Kleim. Dort geht es um Strategien, wie man sich abends auf dem Nachhauseweg sicher fühlen kann und wie man im Ernstfall bewusst Passanten anspricht, um Hilfe zu bekommen. „Es wird erklärt, was unter Notwehr und Nothilfe fällt und wie man Zivilcourage zeigen kann.“

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