75. Todestag der Weißen Rose-Mitglieder

Mein Onkel, der Widerstandskämpfer

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Das Privatfoto zeigt Alexander Schmorell, der mit den Geschwistern Scholl Widerstand gegen die Nazis leistete. Das Bild ist 1940 entstanden – knapp drei Jahre vor seiner Hinrichtung.

Heute vor 75 Jahren, am 22. Februar 1943, wurden drei Mitglieder der Weißen Rose hingerichtet. Hallo sprach mit Alexander Schmorrells Neffe

Markus Schmorell findet es wichtig, an die Hinrichtung seines Onkels, Alexander Schmorell, und das brutale NS-Regime zu erinnern. 

Für die Familie Schmorell ist es ein Unglückstag: Der Tag, an dem Alexander Schmorell, Widerstandskämpfer der Weißen Rose, 1943 in Stadelheim hingerichtet worden ist. „Als Kind nach dem Krieg habe ich das nicht begriffen“, erinnert sich sein Neffe Markus Schmorell (kl. Foto). Begreifen kann man es auch heute, 75 Jahre später, nicht. „Es war ein entsetzlich brutales Regime – es ist wichtig, daran zu erinnern“, findet Schmorell. Deswegen beteiligt er sich an mehreren Veranstaltungen, die zum 75. Jahrestag der Hinrichtungen heuer stattfinden. Dass die Familie zu diesem Anlass besonders an ihren ermordeten Verwandten denkt, kann der 67-Jährige aber nicht sagen. Denn: „Es ist kein Tag vergangen, an dem meine Großeltern nicht an Alexanders Tod gedacht haben. Für meine Familie war es ein persönlicher Schicksalsschlag.“

Immer wieder tauchten später Fragen auf wie: Hätte man die Hinrichtung verhindern können? Waren die jungen Studenten zu unvorsichtig? „Alexanders Aktion fand in der Familie nicht nur Zustimmung, sie hatten Angst um ihn“, sagt Schmorell. „Er muss gewusst haben, wie gefährlich das war“, steht für ihn fest. In den Monaten Januar und Februar 1943 hat sein Onkel offenbar nächtelang persönliche Briefe, Notizen und Unterlagen verbrannt – bis auf die Briefe an Angelika Probst gibt es kaum Hinterlassenschaften von Alexander Schmorell. „Das war auch wichtig, damit keine Kontakte aufgedeckt wurden.“ Markus Schmorell kann sich noch genau an die Nachkriegszeit erinnern. Ständig kamen Freunde der Weißen Rose in das Elternhaus in der Menterschwaige zu Besuch. Auch in der Schule wurde Markus Schmorell auf seinen Onkel angesprochen. „Mich hat das damals genervt, für uns war es ein intimes, familiäre Unglück und ich wollte nicht ständig darüber sprechen.“

Die Geschwister Hans und Sophie Scholl wurden am 22. Februar 1943 nach ihrer Verurteilung durch den NS-Volksgerichtshof im Strafgefängnis München-Stadelheim hingerichtet.

Das ist heute anders. Seit 2017 ist Markus Schmorell zweiter Vorsitzender der Stiftung Weiße Rose, die die friedliche studentische Widerstandsgruppe seit 1987 über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt macht. Dem Neffen des berühmten Studenten geht es vor allem um eines: „Die Erinnerung an das erschreckende System wachzuhalten.“ 

Das Grab von Alexander Schmorrell in München.

Anders als die Geschwister Scholl, die am 22. Februar ermordet wurden, ist sein Onkel am 13. Juli hingerichtet worden. An diesem Tag geht die Familie Schmorell gemeinsam zum Grab im Friedhof am Perlacher Forst. Auch den Ort der Ermordung, das Giesinger Gefängnis Stadelheim, hat die Familie besucht. „Die Erinnerung braucht Platz – den bekommt sie in diesem Jahr und das ist gut.“ 

Hanni Kinadeter

Veranstaltungen zum Jahrestag der Hinrichtungen unter www.75jahreweisserose.de

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