„Mein Körper ist vergiftet“

Machen ihre Implantate sie krank?

+
Der tägliche Horror für Meisner: Hautausschlag nach jeder Mahlzeit.

München – Etliche Beschwerden, ein Arztbesuch jagt den nächsten: Seit zehn Jahren kämpft diese Münchnerin um ihre Gesundheit – jetzt darf sie wieder hoffen

Sie hat als Model gearbeitet, ein erfülltes Sozialleben gehabt und dann änderte sich für Jennifer Meisner (Name von der Redaktion geändert) alles. „Seit zehn Jahren kämpfe ich um meine Gesundheit“, sagt die 32-Jährige. Als Jugendliche war sie gesund und schlank. Nur ihr Busen störte sie, weshalb sie sich 2008 Implantate von einem Arzt in Karlsbad (Tschechien) einsetzen ließ. 

Nach acht Monaten kam der Horror schleichend: 40 Kilo mehr auf der Waage, Kopfweh, plötzlicher Sehverlust bis hin zu Hautaus­schlag nach jeder Mahlzeit und jahrelangem Durchfall. „Ich habe kein Leben mehr“, sagt Meisner. Kein Arzt – weder ihr Hausarzt, Gynäkologe, Psychiater, Tropenarzt oder andere – konnte die Ursache für ihre mysteriösen Beschwerden finden. Jetzt glaubt die Münchnerin, den Grund zu kennen: „Das kann nur die Brust sein. Mein Körper ist vergiftet.“

Durch Zufall hat sie von der Autoimmunerkrankung „Breast implant illness“ gehört. Silikon soll sie auslösen. „In einer Facebook-Gruppe berichten etliche Frauen von ähnlichen Problemen“, erzählt Meisner. 

Ob Brustimplantate wirklich krank machen? „Wissenschaftlich belegbar ist dies nicht“, erklärt Susanne Morath, Fachärztin für Plastische & Ästhetische Chirurgie. Zwei bis drei Prozent ihrer Patienten wenden sich mit Problemen nach der Operation an die Ärztin. „Ob die Ursache psychisch oder körperlich ist, kann nicht gesagt werden“, so Morath. Dass Silikon austritt, war vor allem bei Flüssig-Silikon-Implantaten problematisch. Heute sind die meisten Implantate fest, vor allem an der Oberfläche werde stets geforscht. Dennoch könnten womöglich Mikropartikel ins Blut gelangen, so Morath.

Für Jennifer Meisner steht jetzt ein spezieller Bluttest an, der die Silikonwerte bestimmen soll. Sie hofft. „Es wäre eine große Erleichterung“, sagt sie und seufzt. „Was ich für einen Ärzte-Marathon hinter mir habe. Ich habe keine Energie mehr dafür.“ Eines macht ihr Mut: „Viele Frauen berichten, dass sie sich nach der Entfernung der Implantate besser fühlen.“ 

Sebastian Obermeir

So sichern sich Patienten ihre Rechte

Peter Friemelt ist Patientenberater und Geschäftsführer des „Gesundheitsladens“.

Herzschrittmacher, künstliche Hüftgelenke, Brustimplantate: Die moderne Medizin hilft Patienten ungemein. Treten jedoch Probleme auf, wird es knifflig. Unterstützung und Rat bietet das Gesundheitsministerium und der „Gesundheitsladen“, Astallerstraße 14, ein gemeinnütziges Beratungs-, Informations- und Kommunikationszentrum. „Wir beginnen mit einem Gespräch“, erklärt Patientenberater und Geschäftsführer Peter Friemelt. 

„Seit wann herrschen welche Beschwerden? Dann beginnen wir mit unserer Recherche: Gibt es andere Fälle oder Selbsthilfegruppen?“ Auch die Frage, welche Unterlagen über mögliche Risiken unterschrieben wurden, muss geklärt werden. „Diese sind jedoch kein Freibrief für den Arzt“, sagt Friemelt. Gibt es für das Implantat Zertifizierungen? Wie sind die Prüfmechanismen? Der Gesundheitsladen stellt auch Kontakt zu den Krankenkassen und Anwälten her. 

„Wir gehen aber nicht für die Patienten vor Gericht“. Sollte ein Behandlungsfehler-Verdacht vorliegen, wird die Kasse ein Gutachten darüber erstellen – ein wichtiger Punkt vor Gericht. Im Falle, dass sich Patienten zuvor für eine Explantation entscheiden, sei es wichtig, sämtliche Beweise zu sichern und Protokolle anzufertigen. Nur so könne man im weiteren Verlauf beweisen, dass das Implantat der Gesundheit schadet beziehungsweise ein Risiko davon ausgeht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

HOLIDAY ON ICE entdeckt ATLANTIS
HOLIDAY ON ICE entdeckt ATLANTIS
Von frustrierten Obdachlose und überlasteten Mitarbeitern
Von frustrierten Obdachlose und überlasteten Mitarbeitern
Wie die Sternstunden Kindern auf die Beine helfen
Wie die Sternstunden Kindern auf die Beine helfen
Bombenfunde in Schwabing-West und Freimann – so lief die Entschärfung
Bombenfunde in Schwabing-West und Freimann – so lief die Entschärfung

Kommentare