Betten müssen gesperrt werden

München droht der Pflegekollaps

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In München gibt es viel zu wenig Pflegekräfte.

München: Krankenhäuser und Wohlfahrtsverbände schlagen Alarm: Die Pflege in München steht kurz vor dem Kollaps. In Krankenhäusern müssen schon Betten gesperrt werden.

Generaloberin Edith Dürr ist die Vorstandsvorsitzende der Schwesternschaft München vom Roten Kreuz.

Die Pflege in München krankt. Jetzt schlagen Krankenhäuser und Wohlfahrtverbände Alarm. Bei einer Podiumsdiskussion wollen sie ihrem Unmut Luft machen, außerdem gibt es in München inzwischen einen Runden Tisch zu dem Thema. „In München ist der Fachkräftemangel noch gravierender als in anderen Gebieten Bayerns“, sagt Generaloberin Edith Dürr (Foto), Vorstandsvorsitzende der Schwesternschaft München vom Bayerischen Roten Kreuz. Gerade wird eine Erhebung gemacht, wie viele Pflegekräfte in allen Kliniken in der Stadt beschäftigt sind und wie viele fehlen. Denn bisher gibt es solche Zahlen nicht.

Fakt ist: Das Problem ist massiv. „In jeder Münchner Klinik sind schon Betten gesperrt“, sagt Dürr. Im Rotkreuzklinikum München musste ein Operationssaal geschlossen werden und mehrere Betten sind außer Betrieb, weil zwischen 20 und 25 Pflegestellen nicht besetzt sind. In anderen Krankenhäusern ist es ähnlich. „Wir müssen Patienten abweisen oder nach auswärts verlegen“, sagt beispielsweise auch Karl-Walter Jauch, der ärztliche Direktor des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Für die Bevölkerung ist das vor allem in der Geburtshilfe, der Kindermedizin oder bei Notfällen spürbar“, erklärt er. Doch eine andere Möglichkeit sieht er nicht: „Schließungen sind unausweichlich, um nicht das vorhandene Personal in weitere Belastungssituationen zu bringen.“

Auch in der Altenpflege ist die Lage prekär

Ähnlich prekär ist die Lage im Bereich der Altenpflege: „Hier sind nur noch 50 Prozent der Beschäftigten Fachkräfte“, erklärt Dürr. „Da sinkt natürlich die Qualität der Pflege – dabei werden die Ansprüche immer größer.“

Derzeit gibt es Pläne für eine Reform der Pflegeausbildung. Demnach sollen die Auszubildenden künftig bei einer gemeinsamen Ausbildung auf die Arbeit in Krankenhäusern, Seniorenheimen oder im Bereich der Kindermedizin vorbereitet werden. Prinzipiell eine gute Idee, findet Dürr. „Aber dann braucht es natürlich weitere Spezialisierungen.“ Außerdem sei eine Erweiterung der Pflegestudiengänge und vor allem eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse notwendig. „Jetzt brechen 25 bis 30 Prozent die Ausbildung ab“, erklärt sie.

"Wir werden als Profession nicht ernst genommen"

Ein Grund dafür ist zum einen die starke Belastung, die der Beruf mit sich bringt. Dazu kommt gerade in einer teuren Stadt wie München ein weiteres Problem: das geringe Gehalt. „Entscheidend ist kurzfristig eine konkurrenzfähige Vergütung im Ballungsraum“, fordert deshalb Karl-Walter Jauch. „Und es ist wichtig, ausreichend bezahlbare Wohnungen für die Beschäftigten bereitzustellen.“ Er wünscht sich außerdem ein Umdenken in der Gesellschaft: „Pflege und die Arbeit mit Patienten darf nicht geringer bewertet werden als die Arbeit mit Maschinen.“

„Wir brauchen eine Imagekampagne“, sagt auch Dürr. „Leider hat man sonst oft das Gefühl, als Profession nicht ernst genommen zu werden.“

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