Diese Initiative will private Silvester-Feuerwerke abschaffen

Knaller-Idee: Zündet ihre Offensive?

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Leuchtende Farben, sowie das unbeschreibliche Gefühl, wenn es knallt und knistert – und doch scheint es so, als wäre fast ganz München gegen private Feuerwerke zum Jahreswechsel.

München – „Silvesterböllerei? Nein danke!“ – Hinter diesem Motto steckt eine drei-Mann-starke Initiative, die das private Zündeln an Silvester aus der Landeshauptstadt verbannen will

Fast ganz München ist gegen private Feuerwerke. Zumindest scheint dem so, denn in zehn Bürgerversammlungen wurde seit Juli die Forderung gestellt, privates Zündeln an Silvester zu verbieten. Meistens stimmten die Bürger dem Aufruf zu. Das Kuriose dabei: Es handelt sich immer um exakt den gleichen Antrag, nur der Antragssteller ist jedes Mal ein anderer. Schließlich muss man, um einen Antrag zu stellen, Bürger im jeweiligen Stadtbezirk sein. Hinter der Aktion steckt die Initiative „Silvesterböllerei? Nein danke!“.

„Wir sind zwar nur zu dritt, aber haben viele Kontakte“, sagt der Schwabinger Farhad Tabatabai, Gründer der Initiative. Zusammen mit Hildegard Wittko aus Moosach und Jürgen Schmoll aus Hadern sucht und findet er immer wieder Paten, die seinen Antrag in ihrem jeweiligen Stadtbezirk vortragen. Zuletzt stimmten die Bürger in Schwabing-West für den Antrag. Wie Schmoll mitteilt, wird die Forderung diese Woche in den Bürgerversammlungen Laim und Sendling-Westpark gestellt.

60 Tonnen Silvestermüll lagen im Januar auf Münchens Straßen

Als Argumente gegen das Feuerwerk nennt die Initiative in ihrem Antrag die erhöhte Feinstaubbelastung an Silvester. Zudem würden Tiere unter der Lautstärke leiden.

Schockierend: Im Januar lagen rund 60 Tonnen Silvestermüll lauf Münchens Straßen.

In dem Antrag heißt es weiter, dass nach der Silvesternacht 2017 gut 60 Tonnen Müll auf Münchens Straßen, Plätzen und Grünflächen lagen. Eine Mitteilung des Baureferats, die Hallo vorliegt, bestätigt das. Ein Jahr zuvor waren es noch zehn Tonnen weniger, so das Referat.

Die Forderung eines Verbots von privatem Silvesterfeuerwerk ist nicht neu. Bereits im Februar 2017 beantragten die Stadtratsfraktionen ödp und Linke, dass die Stadt zu Silvester ein zentrales Großfeuerwerk ausrichten soll – im Gegenzug soll das Abbrennen von Feuerwerkskörpern durch Privatpersonen mindestens innerhalb des Mittleren Rings durch eine Satzung verboten werden. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) antwortete in einer Stellungnahme, dass man Privatpersonen ihr Feuerwerk nicht verbieten könne: Der Bund habe die ausschließliche Gesetzgebung über das Sprengstoffrecht, die Ermächtigungen für den Erlass einzelner Anordnungen seien nicht einschlägig. 

Anti-Feuerwerk-Initiative erhält Unterstützung aus dem Stadtrat

„An den rechtlichen Bestimmungen hat sich seit 2017 nichts geändert“, sagt KVR-Sprecher Alexander Stumpf. Laut dem Referat für Gesundheit und Umwelt ist ein Verbot oder Teilverbot auf Basis des Immissionsschutzrechts nicht möglich. Auch die Untere Naturschutzbehörde befindet naturschutzfachliche und -rechtliche Argumente für ein Verbot des Silvesterfeuerwerks in den Isarauen für nicht stichhaltig.

Stadträtin Sonja Haider (ödp) möchte die Initiative mit voller Tatkraft unterstützen.

Trotzdem geben die Feuerwerks-Gegner nicht auf. „Wir kennen die Initiative und unterstützen sie“, sagt Stadträtin Sonja Haider (ödp). „Selbst wenn privates Feuerwerk nicht verboten werden kann, könnte der OB doch bis zu vier große Feuerwerke in allen Himmelsrichtungen Münchens ausrichten und die Bürger bitten, auf ihr Feuerwerk zu verzichten“, schlägt Haider vor. „Man würde Geld sparen, die Umwelt schonen und weniger Müll produzieren.“

Auch Tabatabai will nicht aufgeben: „Ich kenne die Haltung der Stadt, aber ich glaube, dass ein Verbot möglich sein muss. Außerdem will ich mit dem Antrag die Menschen wachrütteln, so dass sie von selbst keine Feuerwerke mehr zünden wollen. Ich will ein Zeichen setzen.“

Laura Felbinger, Daniela Borsutzky

Pro Verbot: Anreize zum Aufhören

„Leuchtende Farben, es knallt und knistert: klar, Feuerwerk fasziniert. Viel faszinierender, als für sündhaftes Geld selbst drei mickrige Raketen steigen zu lassen, ist es doch aber, ein lang andauerndes und qualitativ hochwertiges Farbenschauspiel bewundern zu können. Etwas, was sich die wenigsten Privatpersonen leisten können, aber definitiv die Stadt München. Gleichzeitig würden nicht nur Feuerwerk-Muffel nicht mehr belästigt, sondern auch Unfälle mit Böllern und Müll vermieden. Ganz verbieten kann man die Privatböllerei zwar nicht, aber vielleicht Anreize zur Abgewöhnung schaffen.“
Romy Ebert-Adeikis, Redakteurin

Kontra Verbot: Böller-Tourismus

„Es gibt sicherlich sinnvollere Wege, Geld auszugeben, als Silvesterfeuerwerk. Doch ein stadtweites Verbot für Privatleute kann keine Lösung sein. Die Ausgaben der Stadt würden sich ja nicht auf ein etwaiges offizielles Feuerwerk beschränken. Es müsste Personal eingestellt werden, welches das Verbot auch kontrolliert. Und was ist dann strafbar? Der Besitz? Oder erst das Anzünden? Auch Nachbargemeinden und die Stadtviertel, in denen das Böller-Verbot nicht gilt, würden sich vermutlich bedanken. Der dann einsetzende Böller-Tourismus verlagert die Lärm- und Müll-Problematik schließlich nur ins Umland.“
Marco Litzlbauer, Redaktionsleiter

Wie die jeweiligen Bürgerversammlungen abgestimmt haben:

  • Schwabing-Alte Heide am 13.7.2017: Antrag wurde abgelehnt
  • Allach-Untermenzing am 19.7.2018: Antrag wurde abgelehnt
  • Milbertshofen-Am Hart am 19.7.2018: Antrag wurde angenommen
  • Hadern am 16.10.2018: Antrag wurde angenommen
  • Moosach am 18.10.2018: Antrag wurde angenommen
  • Sendling am 25.10.2018: Antrag wurde angenommen
  • Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt am 8.11.2018: Antrag wurde angenommen
  • Schwabing-West am 15.11.2018: Antrag wurde angenommen
  • Untergiesing-Harlaching am 15.11.2018: Antrag wurde angenommen
  • Laim am 20.11.2018: Antrag wurde angenommen
  • Sendling-Westpark am 22.11.2018: Antrag wurde abgelehnt
  • Nymphenburg-Neuhausen am 29.11.2018: noch ausstehend

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