Was jetzt aus dem Haus werden soll

Kammerspiele: Der Intendant geht

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Das junge Publikum ist zwar begeistert, doch die modernen Inszenierungen an den Kammerspielen wie „1968“ treffen nicht jeden Geschmack.

Revolution gegen die Revolution: Matthias Lilienthal beendet seinen Vertrag 2020. Was bedeutet das für die Theaterszene München?

Matthias Lilienthal

Seit raus ist, dass Intendant Matthias Lilienthal (Foto oben) seinen Vertrag an den Kammerspielen 2020 beendet, rumort es in der Theaterwelt. Ist die Landeshauptstadt nicht reif für die modernen Interpretationen des Berliners? Ist Münchens Theaterrevolution am Ende? Hallo hat nachgefragt. Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers bedauert Lilienthals Abschied nach nur fünf Jahren: „Man hätte sich mehr Zeit lassen sollen, die Intendanz sogar drei Jahre verlängern, damit sich das Münchner Publikum auf neue Formate einlassen kann.Experimente sind nötig. Theater muss sich öffnen um neuen Strömungen Platz zu machen.“ Weg vom Sprechtheater, „soll es Gesellschaft abbilden, zukunftsweisend sein“. Es dauere, bis sich die Sehgewohnheiten des Publikums ändern, teilte ein Sprecher des Kulturreferenten mit. Die Auslastung der Kammerspiele ist allerdings auf 63 Prozent gesunken. Anfang Februar hatte sich Lilienthal vor dem Stadtrat dazu verantworten müssen. Die CSU-Stadtratsfraktion lehnte eine Vertragsverlängerung für den Berliner ab, der erklärte jetzt von sich aus, gehen zu wollen.

Matthias Lilienthal selbst äußert sich nicht weiter zur Debatte, auch sein Kollege, der Intendant Martin Kušej vom nahen Residenztheater, schweigt. Bisher war modernes Theater der freien Szene überlassen. Alexej Sagerer, der seit 1969 in seinem Theater „ProT“ Kunst, Medien, Theorie, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft vereint, bleibt gelassen: „Was soll das für eine Revolution gewesen sein? Die Kammerspiele gegen sich selbst?“ 

Till Hofmann

Auch Aktionskünstler Wolfgang Flatz protestiert gegen eine „Hybridisierung des Genres“. „Theater ist Theater und keine Performance“, sagt er im Interview (unten). Till Hofmann (li.), der neben der Lach-und Schießgesellschaft und dem Lustspielhaus auch das Kulturzentrum Bellevue de Monaco führt, ist anderer Meinung: „Jetzt auf halber Strecke Lilienthals Verdienst, polarisierendes, politisches Theater zu machen, zu killen, ist einer Großstadt mit fast 50 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund nicht angemessen.“ Auch die Fraktion Grünen-Rosa Liste rühmt Lilienthal: „Er hat die Grenzen zwischen Stadttheater, Performance und freier Szene niedergerissen.“ Am 14. April wird im Kulturausschuss über die Perspektiven der Kammerspiele diskutiert. „Wir müssen erst sondieren, wer 2020 als neuer Intendant zur Verfügung stehen könnte“, heißt es aus dem Kulturreferat. Marie-Julie Hlawica

Hallo München Interview

"Mit Lilienthal geht die Arroganz"

Wolfgang Flatz

Wolfgang Flatz (Foto), Münchens bekanntester Aktionskünstler, über die Theaterszene der Stadt. 

Was braucht die Münchner Theaterszene? 

Theater hat keinen leichten Stand in unserer digitalen Welt, in der alle Genres, Komödie, Drama, Mord und Totschlag, überall abrufbar dargeboten werden. Dagegen kann das Theater mit seinem überzogenen, konstruierten, Wirklichkeit imitierenden, oft langweiligen, aufgeblasenem Pomp nicht anstinken. Selbstdarsteller, die ihre eigene Lebensphilosophie inszenieren, um sie dann mit der Vorschlaghammermethode hysterisch ins Publikum zu prügeln, braucht es nicht. 

Ist die Theaterrevolution gescheitert? 

Mit Lilienthal geht die Arroganz, den ,Münchner Provinzdeppen‘ die Großstadt Allüren des Berliner Theater Proletariats als die letzte Wahrheit verkaufen zu wollen. Theater ist Theater und keine Performance. 

Wer kommt nach Lilienthal? 

Der Beste der auf dem Markt Befindlichen. mjh


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