Interview mit Chefarzt Dr. Franz Brettner

Die Grippewelle rollt an

+
Dr. Franz Brettner mit Mundschutz, welcher in einigen Bereichen des Krankenhauses Barmherzige Brüder aufgrund der Ansteckungsgefahr vorgeschrieben ist.

München - Die Grippewelle ist im Anflug. In den ersten beiden Januar-Wochen wurden in München bereits 354 Influenza-Fälle gemeldet. 

Die Ausbreitung der im schlimmsten Fall tödlichen Erkrankung bekommen auch die Kliniken zu spüren, unter anderem das Krankenhaus Barmherzige Brüder an der Romanstraße. Der dortige ärztliche Direktor und Chefarzt der Intensiv­medizin, Dr. Franz Brettner, berichtet im Hallo-Interview, wie im Krankenhaus auf die Grippewelle reagiert wird und was man tun kann, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Wie würden Sie die aktuelle Situation beschreiben?

Im Moment gibt es in München viele Fälle von Influenza-Infektionen. Speziell hier im Haus hatten wir vor allem zum Jahreswechsel einen hohen Anstieg von Grippepatienten auf etwa 20 bis 25 Fälle. Aus diesem Grund haben wir auch spezielle Schutzmaßnahmen beschlossen.

Wie sahen diese Schutzmaßnahmen denn konkret aus?

Für bestimmte Stationen haben wir verordnet, dass Patienten, Besucher und Mitarbeiter Mundschutz tragen müssen. Das galt vor allem für Bereiche wie die Notaufnahme, die Aufnahmestation und in der Inneren Medizin. Zwischenzeitlich mussten wir die Schutzvorkehrungen sogar auf das gesamte Haus ausdehnen, weil sich die Erkrankungszahl extrem erhöht hat. Phasenweise wurde jeden Tag eine Sitzung des sogenannten „Ausbruchsmanagementteams“ einberufen, um die aktuelle Lage zu bewerten.

Hat sich die Lage nun beruhigt?

Mit unserer Vorgehensweise konnten wir die Übertragung der Erkankung zumindest bei uns im Krankenhaus deutlich reduzieren. Es kommen weiterhin sporadisch Neuerkrankungen vor. Im Moment behandeln wir drei Erkrankte. Unsere Schutzvorkehrungen konnten wir bereits stückweise zurückfahren. Weiterhin muss aber jeder, der die Notaufnahme betritt, einen Mundschutz tragen. Die Lage könnte sich jederzeit wieder verschlechtern.

Wie kann man sich im Alltag vor der Grippe schützen?

Ich empfehle auf jeden Fall die Grippeschutzimpfung. Hierbei ist es wichtig, einen Impfstoff zu nutzen, der vor Influenza A und B schützt. Sophia Oberhuber

Tipps: So schützen Sie sich

Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Grippeimpfung. Der Großteil der aktuell Erkrankten leidet laut Dr. Franz Brettner an einer Influenza-B-Infektion, wogegen nur ein Impfstoff mit weitem Spektrum vorbeugen kann. Deshalb rät der Experte, unbedingt darauf zu achten, dass der Impfstoff nicht nur vor Influenza A schützt. Bei der Grippe handelt es sich um eine hochansteckende Krankheit. Die regelmäßige Desinfektion der Hände kann das Übertragungsrisiko zum Beispiel in der U-Bahn aber bereits verringern. Da eine Ansteckung meist über den Luftweg erfolgt, empfiehlt es sich, große Menschenansammlungen – falls möglich – zu meiden.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

A99: 8-streifiger Ausbau zwischen München-Nord und Aschheim fertig
A99: 8-streifiger Ausbau zwischen München-Nord und Aschheim fertig
Verweigerung der Personalien – Mann trägt Messer in Jackentasche
Verweigerung der Personalien – Mann trägt Messer in Jackentasche
Gegen den Fachkräftemangel in der Pflege – Stadtrat beschließt neue Projekte
Gegen den Fachkräftemangel in der Pflege – Stadtrat beschließt neue Projekte
München: Fünf Wohnungseinbrüche an einem Tag
München: Fünf Wohnungseinbrüche an einem Tag

Kommentare