Umzugswunsch ist bei der Gewofag bekannt

Gewofag-Mieterin: Gefangen in der Wohnung

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Rosa Glasl (66) hat Arthrose. Die Stufen vom dritten Stock, in dem ihre Wohnung an der Schnellenbergstraße liegt, bis nach unten schafft sie nicht mehr.

Rosa Glasl sitzt seit knapp zwei Jahren wegen Arthrose im dritten Stock ohne Lift fest – Ist ihre Rettung eine Wohnungsbörse?

München – Im August werden es zwei Jahre – so lange hat Rosa Glasl keinen Fuß mehr an die frische Luft gesetzt. Vor fünf Jahren wurde bei der Untergiesingerin Arthrose festgestellt. Dann wurden die Schmerzen in den Knien so schlimm, dass Glasl die drei Stockwerke nach unten nicht mehr bewältigen konnte. Seitdem hofft sie auf eine neue Wohnung: kleiner, im Erdgeschoss oder mit Lift.

Rosa Glasl lebt seit 30 Jahren in einer Gewofag-Wohnung

Die heute 66-Jährige lebt seit 30 Jahren in einer Gewofag-Wohnung in der Schnellenbergstraße auf etwa 52 Quadratmetern. „Das Kinderzimmer nutze ich nicht – meine Kinder sind ja längst aus dem Haus“, sagt Glasl. Am liebsten würde sie ihre Wohnung tauschen – doch bisher ohne Erfolg. „Ich mag mich nicht länger quälen“, so die dreifache Mutter und gelernte Köchin.

Zweimal pro Woche geht ihr für je zwei Stunden eine Haushaltshilfe zur Hand, erledigt vor allem Einkäufe. Neben einem barrierefreien Zugang wünscht sich Glasl eine Küche, außerdem möchte sie im Viertel bleiben. An das letzte Mal vor der Tür erinnert sich Glasl noch genau: „Ich war beim Metzger und hab eine Leberkässemmel gekauft.“

Aktuell erarbeitet das Amt für Wohnen und Migration in Kooperation mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften, aber auch unter Einbezug von interessierten Genossenschaften und Wohnungsbauunternehmen, eine Konzeption, die die Einrichtung einer digitalen Wohnungsbörse vorsieht. „Der Stadtrat wird mit der Konzeption voraussichtlich im Herbst befasst werden und darüber entscheiden“, sagt Frank Boos, Sprecher des Sozialreferats.

Rosa Glasls Umzugswunsch ist bei der Gewofag bekannt. Sprecher Frank De Gasperi erklärt hierzu: „Die Suche läuft. Angesichts der engen Auswahlkriterien kann es aber längere Zeit dauern.“ Insgesamt begrüßt die Gewofag derlei Vorhaben und unterstützt ihre Mieter. Als zusätzlichen Anreiz für den Wechsel von einer größeren in eine kleinere Wohnung, ermöglicht es die Gewofag ihren Mietern, den bisher entrichteten Quadratmeter-Preis in die neue Wohnung mitzunehmen.

„Angebot des Wohnungstausches wurde bis jetzt kaum angenommen“

Eine Tauschbörse im engeren Sinn habe bisher nicht existiert, da ein direkter Tausch aufgrund der Wohnungsvergabekriterien kaum zustande kommen könne. „Ausgangspunkt und nötige Voraussetzung ist immer die freiwillige Entscheidung, eine größere Wohnung freizumachen“, erklärt De Gasperi. Schwierigkeiten begründet er zunächst mit der Verfügbarkeit einer geeigneten Wohnung. „Hinzu kommt, dass unserer Erfahrung gerade ältere Mieter in vielen Fällen eine starke emotionale Bindung zu ihrer Wohnung haben“, so der Gewofag-Sprecher. Außerdem sei da noch der organisatorische Aufwand, der häufig mit der Notwendigkeit verbunden sei, den Hausstand zu verkleinern und sich somit von Dingen zu trennen.

Dass die Anzahl der Umsetzungen „überschaubar“ sei, weil Mieter auch im hohen Alter weiter in ihrem gewohnten Umfeld wohnen möchten, bestätigt GWG-Sprecher Michael Schmitt. Auch innerhalb der GWG gibt es bereits seit langem die Möglichkeit, innerhalb deren Wohnungsbestandes umzuziehen. Doch: „Das Angebot des Wohnungstausches unter Einbeziehung Dritter – wie beispielsweise dem Amt für Wohnen und Migration oder weiterer Wohnungsanbieter – wurde trotz attraktiver finanzieller Angebote in der Vergangenheit kaum angenommen“, erklärt Schmitt. dbo

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