Alt-68er Rainer Langhans erzählt seine Geschichte

Für den Frieden verlor er Freunde

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Rainer Langhans (78) trägt nur weiße Kleidung.

München – „Make love, not war“, freie Liebe und Freiheit: Warum er die staade Zeit, Facebook und die 68er-Jahre liebt, erklärt Hippie-Legende Rainer Langhans in Hallo

Hippie-Ikone, Bewohner der legendären Kommune 1 und Friedensaktivist: Rainer Langhans, der seit 1973 mit vier Frauen – genannt „Der Harem“ – in einer Schwabinger Altbauwohnung lebt, hockt komplett in Weiß gekleidet in einem Schwabinger Café, seine runde Brille sieht aus als trüge er sie seit den 70ern. „Ich weiß auch nicht genau, warum ich nur Weiß trage“, sagt Langhans, schlürft seine Kurkuma-Mandelmilch und überlegt einen Moment. „Vielleicht brauchte ich nach dieser Farbexplosion, die wir als Hippies hatten, einfach nur Weiß – ich meine, wir waren ja geradezu die ersten deutschen Popstars.“

Verehrt und gehasst zugleich waren die langhaarigen Bewohner der Kommune 1, die einerseits mit politischen Aktionen wie dem „Puddingattentat“ provozierten, andererseits mit ihrem Konzept der freien Liebe und Besitzlosigkeit.

Als Aktivist der Studentenbewegung geriet er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt – wie etwa hier, im Jahr 1967.

Make love, not war – das gilt noch heute für den 78-Jährigen. „Wenn mich jemand blöd anredet, denke ich mir: Du tust mir leid, dass du so handeln musst und bleibe nett“, erzählt er. „Ich wollte schon immer lieber was mit Frauen machen, als Krieg zu führen.“ Mit dieser Attitüde hat Langhans, der die freie Liebe vor allem mit Sex-Symbol Uschi Obermaier auslebte, sich aber Feinde gemacht. Als etwa sein enger Freund Andreas Baader, späterer RAF-Terrorist, immer radikaler wurde und meinte, die Revolutionäre müssten sich bewaffnen, widersprach ihm Langhans. „Ich war der Einzige, der von Anfang an gesagt hat, dass wir nicht mit Waffen kämpfen sollten.“ Daraufhin wandten sich viele von ihm ab und beschimpften ihn als „Verräter“, berichtet er heute. „Damit habe ich viele Freunde und meine ganze Liebesvergangenheit verloren“, sagt er.

Überhaupt denkt der Alt-68er gerne an die Kommunen-Zeit zurück, schwelgt in Erinnerungen und sagt Sätze wie: „Wir waren das, was wir eigentlich sind: reine Liebe, mit allen verbunden, wir waren alle eins.“ Und gerade weil er diesen absoluten inneren Frieden erfahren habe, ist er überzeugt: „Es gibt den Frieden, wir sind auf dem Weg zum Frieden.“ Aber, vorher muss jeder seine eigene „Mördergrube“, wie er es nennt, überwinden. Ihm hat sein indischer Guru dabei geholfen. Er glaubt außerdem, dass Netzwerke wie Facebook dazu beitragen. „Die Plattform hat 2,2 Milliarden Freunde geschaffen, das ist doch ein gigantisches Zeichen“, sagt Langhans und streicht seine weißen Locken zurück.

Weihnachten, die Zeit des Friedens und der Liebe, mag der Ex-Kommunarde besonders. „Die eigentlich staade Zeit ist schön, wenn wir uns nur nicht dem Materiellen hingeben, sondern in uns gehen.“ Mit seinem Harem gibt es Weihnachten keinen Zoff, denn: „Wir gehen gemütlich spazieren und machen nichts Großes.“

Hanni Kinadeter

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