Münchner tauschen Fahrzeugschlüssel

So fasten Münchner: 40 Tage ohne Auto

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Ingrid Roemer und ihre Familie verzichten für 40 Tage auf ihr Auto.

München - Süßigkeiten und Fleisch kann jeder: Ingrid Roemer und ihre Familie verzichten für 40 Tage auf ihr Auto. Der Test:

Ein bisschen Bammel ist Ingrid Roemer schon anzusehen, als sie ihren Pkw-Schlüssel abgibt. Sie und ihr Mann haben sich verpflichtet, während der Fastenzeit auf das Auto zu verzichten. Keine leichte Entscheidung. „Wir nutzen unseren Wagen täglich – mein Mann, um in die Arbeit nach Freimann zu fahren und vorher die Kinder in die Betreuung zu bringen oder für den großen Einkauf.“ Und doch nagte das schlechte Gewissen an der 35-Jährigen, die an der Theresienwiese wohnt und Umweltsicherung in Weihenstephan-Triesdorf studiert. „Ich weiß, dass der Individualverkehr zurückgehen muss, um bessere Luft in der Stadt zu haben.“ Dann sah sie die Aktion „Autofasten“ von „Green City“.

Der Verein suchte erstmalig Menschen, die für sechs Wochen ihren Autoschlüssel gegen ein kostenloses MVV-Ticket tauschen würden. „Pro nicht bewegtem Auto spart man in sechs Wochen 300 Kilo Kohlenstoffdioxid“, erklärt Projektleiter Christian Grundmann. Für Roemer der letzte Anstoß. Sie bewarb sich und wurde eine der fünf Auserwählten. „Ich finde die Aktion klasse, es ist ein guter, wichtiger Schritt“, betont sie. Dafür nimmt sie auch gewisse Einschränkungen in Kauf: „Spontan mal in die Berge fahren, fällt jetzt flach – mit zwei kleinen Kindern ist es einfach ein anderer logistischer Aufwand.“ Und auf täglich zehn Minuten mehr Schlaf verzichten sie und ihre Familie für den ökologisch sinnvolleren Arbeitsweg: „Um öffentlich nach Freimann zu fahren, müssen wir jetzt jeden Tag etwas früher aufstehen.“ Doch sie ist guter Dinge. „Vielleicht fällt einem das alles gar nicht so schwer wie man denkt und wir verzichten künftig öfter aufs Auto.“ Als nächsten Schritt plant sie auf jeden Fall den Kauf eines E-Bikes. Maren Kowitz

Kurioser Verzicht

Klassisch verzichtet man in der Fastenzeit auf Fleisch und Alkohol. Diese Projekte verfolgen etwas andere Ansätze.

" Klamotten-Kur: Die Münchner Aktion „Klamottenkur“ ist Teil der Kampagne „Modeprotest“. Ziel ist es, mit einer 50-teiligen Minimalgarderobe auszukommen. Infos im Internet unter www.klamottenkur.de. " Plastik-Fasten: So wenig Verpackungsmaterial nutzen wie möglich, ist das Ziel des Öko & Fair Umweltzentrums Gauting. Hilfe für das „Plastik-Fasten“ bieten zwei geplante Gesprächskreise. Zudem soll eine plastikfreie Einkaufsgemeinschaft gegründet werden. Infos: www.oeko-und-fair.de " Klima-Fasten: Dem Klima zuliebe auf Fleisch, Flugzeug und Plastik verzichten – dazu ruft die Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz heuer auf. Infos: www.bundjugend.de.

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