Hilde Bellstedt (101) im Gespräch mit Hallo München

„Einen Baum gab es immer“

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Hilde Bellstedt ist 1917 geboren. Zu Weihnachten wünscht sie sich nur Gesundheit.

München – Hilde Bellstedt hat in ihrem Leben beide Weltkriege und 101 verschiedene Weihnachten erlebt – in Hallo erinnert sie sich an Schlüsselereignisse aus ihrem Leben

Was bedeutet Frieden? Wie hat man früher Weihnachten gefeiert? Und welche Werte zählen im Wandel der Zeit? Hilde Bellstedt muss es wissen – denn sie ist 101 Jahre alt.

Bellstedt lebt seit zwei Jahren in einem Seniorenwohnheim am Schloss Nymphenburg, mit ihrem Rollator ist sie noch gut zu Fuß. Als am 11. November 1918 der Waffenstillstand in Kraft trat, da war sie gerade ein Jahr alt. „Ich war ein uneheliches Kind. Später habe ich erfahren, dass ich noch zwei Halbschwestern habe. Das war nämlich auch der Grund, warum meine Mutter meinen Vater damals nicht geheiratet hat“, erzählt Bellstedt verschmitzt, beim Lachen zeigt sie alle Zähne.

1930 sei sie mit ihrer Mutter von Neuburg an der Donau nach München gezogen und habe mit 13 Jahren eine Lehre begonnen. „Meine Tante hatte dort ein Pelzgeschäft und dann sollte auch ich Kürschnerin lernen. Eigentlich wollte ich einen sozialen Beruf ergreifen.“ Dann wurde daraus ein Kompromiss und Bellstedt lernte Schneiderin.

In ihrer Kindheit in Neuburg an der Donau wurde Bellstedt immer reich von ihrer kinderlosen Münchner Tante beschenkt. „Nicht jedem ging es so gut wie mir, die Nachbarskinder haben mich oft beneidet“, erinnert sich die Nymphenburgerin, die als Einzelkind aufwuchs.

Weihnachten habe sich für die 101-Jährige allerdings nicht groß verändert: „Ich habe mir die Tradition immer beibehalten. Wir sind zur Mette gegangen, es hat immer etwas Gutes zu Essen gegeben. Man war beisammen.“ Und im Krieg? Da erzählt Bellstedt plötzlich nicht mehr so flüssig, wird vage: „Da war alles schon sehr eingeschränkt.“ Aber einen Christbaum habe es bei ihnen immer gegeben. Und dieser war damals noch mit „Äpfelchen und Plätzchen“ geschmückt.

Und wie ist das mit dem Frieden? „Mein Seelenfrieden ist mir wichtig. Den hab ich. Und ich bin jeden Tag bereit abzutreten.“ Das sagt sie ganz neutral und mit völliger Zufriedenheit. Und dann sei da noch der Frieden auf Erden – für alle Menschen, wie sie betont. „Ich mag keine Zwistigkeiten und keinen Streit.“

Bellstedt hört nicht mehr so gut, wenn sie erzählt, sind ihre Augen immer ein bisschen feucht. Auf den Krieg kommt sie nur ganz kurz zu sprechen. „Das war schon eine schlimme Zeit. Als wir ausgebombt wurden, waren wir in der Residenz im Schutzkeller. Aber da wollen wir jetzt nicht drüber reden...“

Heuer verbringt die 1917 geborene Frau das Fest wieder mit ihrer Tochter: „Wir sind zusammengeschweißt, sie holt mich immer ab und betreut mich wunderbar.“ Vom Christkind wünscht sich Bellstedt „keine irdischen Güter“. Das wichtigste sei die Gesundheit – „für alle meine Lieben!“ Dann ergebe sich vieles von selbst, vorausgesetzt, man höre nie auf weiterzustreben.

Dann überlegt Bellstedt nochmal ganz genau und erzählt, dass sie nach dem Renteneintritt viel gereist sei, besonders gerne nach Spanien. „Zuletzt war ich in Bad Gögging auf Kur, das war toll. Also wenn ich dort nochmal hinkönnte, würde mir das sehr gefallen“, sagt die 101-Jährige und zeigt ihr fast jugendliches Lachen.

Daniela Borsutzky

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