Vergessener Friedensengel

Sie war eine "Münchner Rosa Luxemburg": Autorin setzt Pazifistin ein Denkmal

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Sarah Sonja Lerch war eine energiegeladene Pazifistin und Politikerin.

Es gibt kaum Informationen über Sarah Sonja Lerch - dennoch organisierte die junge Jüdin mit Kurt Eisner einen pazifistischen Generalstreik. Daran soll jetzt erinnert werden

Im Internet scheint sie fast vergessen, eine Straße ist nicht nach ihr benannt, ein Denkmal gibt es auch nicht: Sarah Sonja Lerch (1882-1918) scheint aus dem Münchner Gedächtnis gelöscht. Obwohl die junge Frau ein wahrer Münchner Friedensengel war. Vor genau 100 Jahren organisierte sie mit Kurt Eisner einen pazifistischen Aufstand: Durch einen Generalstreik von Munitionsfarbikarbeitern wollten sie den Krieg beenden, den König verjagen und die Republik ausrufen. Wegen Landesverrat landete sie in Stadelheim. Ihr Mann distanzierte sich von ihr – will seine Karriere durch ihr skandalöses Verhalten nicht gefährden. Er besuchte sie nie im Gefängnis. Einsam und verlassen erhängte sie sich Ende März 1918 in Stadelheim. „Von ihrem Mann hat sie sich nicht kaputtmachen lassen, Schuld war das System“, sagt Cornelia Naumann (kl. Foto).

Gruppenbild mit Dame: Studentin Sarah Sonja Lerch war beim Ausflug der Universität Gießen 1909 die einzige Frau.
Cornelia Naumann am Grab von Sarah Sonja Lerch

Die Obergiesinger Autorin hat jetzt den Roman „Der Abend kommt so schnell“ über die vergessene Münchnerin geschrieben. Sie stieß zufällig auf Sarah Sonja Lerch: „Die Buch-Notiz ,Junge Jüdin brachte sich im Gefängnis um’ machte mich neugierig.“ Die Recherche gestaltete sich als äußert schwierig: „In München gibt es nichts.“ Im Bundesarchiv fand sie Dokumente, stieß auch auf Nachfahren, erhielt Briefe aus Israel. „Die so zart und zerbrechlich wirkende Frau, war eine energiegeladene Pazifistin und Politikerin.“ Nicht umsonst nennt Naumann sie die „Münchner Rosa Luxemburg“. Aber warum geriet Lerch, im Gegensatz zu Luxemburg in Vergessenheit? „Luxemburg hat viele Werke hinterlassen – von Lerch gibt es nur Briefe.“ Aber Naumann hat noch mehr gefunden: Lerchs Grab auf dem Neuen Israelitischen Friedhof. Das will sie jetzt herrichten lassen – „als Erinnerung an eine große Münchner Pazifistin“.Ines Weinzierl

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