Ein Vorreiter-Projekt in Sachen Inklusion

Er ist der demokratischste DJ Münchens

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Thomas Lechner (57) lässt seine Partygäste bei der Musik mitbestimmen – nach dem „basisdemokratischen“ Prinzip.

München – Wenn er an den Turntables steht, darf jeder Gast darf ein Lied spielen: Thomas Lechners Handyparty erhält jetzt den Popkulturpreis – In Hallo erklärt er, was hinter dem Projekt steckt

Thomas Lechner (57) ist der großzügigste DJ Münchens. Denn: Bei seinen „Plug In Beats“-Partys im Feierwerk darf jeder Gast sein Handy anstöpseln und selbst das nächste Lied bestimmen. Am Mittwoch, 19. Dezember, erhält das Projekt den Bayerischen Popkulturpreis in der Kategorie Inklusion.

Bei jeder Party der Hit: „Coco Jambo“ von Mr. President.

Auf die Idee zum Projekt kam Lechner, der Leiter des konzeptionellen Veranstaltungsteams im Feierwerk ist, im Herbst 2015: „Ich war als DJ für eine Willkommensveranstaltung für Geflüchtete gebucht. Als ich einen Song von ,The Voice of Syria‘ gespielt habe, war der Aufschrei groß. Plötzlich standen lauter 20-Jährige vor mir und haben mir ihr Handy mit Song-Wünschen hingehalten.“ Im April 2016 gab es einen Testlauf, mittlerweile findet jeden dritten Freitag im Monat die Handyparty statt, mit bis zu 200 tanzfreudigen Gästen.

Was bei der Handyparty immer für Stimmung sorgt, Thomas Lechner sonst aber niemals auflegen würde: Modern Talking.

Das „basisdemokratische“ Prinzip: „Wir haben Nummern gebastelt, die gezogen werden beziehungsweise verteilt werden. Über eine Projektion an der Wand, werden diese nacheinander angezeigt, sodass die Leute zeitig zu mir kommen können. Ich stecke dann das Handy an, reguliere die Lautstärke und Übergänge.“ Das sei meist anstrengender, als wenn er als „normaler“ DJ gebucht ist: „Ich bin im permanenten Betreuungsmodus und muss viel erklären, die Leute abholen.“

Was dem Neuhauser aber wichtig ist: „Das ist keine Füchtlings-Party, sondern eine Veranstaltung für alle Münchner.“ Auf senegalesischen Reggae folgt syrischer Oriental-Rock und deutscher Hip-Hop. Was kurioserweise immer und durch alle Kulturen die Tanzfläche füllt: „Coco Jambo“ von Mr. President. Eine Anekdote die Lechner gerne erzählt: „Wir haben mittlerweile einen pakistanischen Stammgast, der bei uns das Tanzen gelernt hat. Bei ihm zuhause wurde nur auf Hochzeiten und Familienfeiern getanzt, das Ausgehen war völlig neu für ihn.“ Die Party helfe den Geflüchteten beim Ankommen.

Über den Preis und die damit verbundenen 2000 Euro, freut sich Lechner wahnsinnig: „Das Projekt kostet natürlich auch Geld, ich mache das ehrenamtlich und wir hatten schon überlegt, das Ganze zu kippen. So eine Finanzspritze kommt gerade recht!“ Künftig wird sich auch das Konzept der Party etwas ändern: Die erste Hälfte des Abends läuft alles wie gehabt, im Laufe des späteren Abends dürfen dann „selbst herangezogene Nachwuchs-DJs“ des Projekts an die Turntables.

Die nächste Party steigt amFreitag, 18 Januar, ab 21 Uhr im Orangehouse des Feierwerks, Hansastraße 39, der Eintritt ist frei.

Daniela Borsutzky

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