München Verkehr(t)

Autor zeigt Auto-Sünden und Straßen-Schnapsideen der Stadt

+

München: Der Verkehr in München - ein schwieriges Thema. Ein Autor Axel Winterstein zeigt jetzt in einem Buch die Verkehrssünden der Stadt auf.

Das Auto als „Heilige Kuh“, als Zeichen des Wirtschaftswunders – in dessen Namen in München zahlreiche Verkehrssünden angedacht und begangen wurden.

Um diese geht es im neuen Buch „München und das Auto“ von Axel Winterstein (Foto). In seiner Chronik der „Verkehrsgeschichte“ der Stadt erzählt der Autoexperte die Umwandlungen der Stadt parallel mit der Entwicklungsgeschichte des Autos. 

„Erst in den 70er-Jahren fand ein Umdenken statt“, so Winterstein. „Heute plant man mit weniger Autos in der Innenstadt.“ Ein Meilenstein hierfür sei das 1973 erlassene Denkmalschutzgesetz gewesen. Bis dahin sei die Stadt in der Nachkriegszeit nicht gut geplant worden, betont der 81-Jährige. „Der Altstadtring wurde unnötig breit gebaut und es wurden viel zu wenig Parkplätze geschaffen“, moniert der Maxvorstädter. „Der derzeitige Bau der Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring und die angedachte Verringerung der Fahrspuren ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Was beim Altstadtring sonst noch schief gelaufen ist und welche Münchner Sehenswürdigkeiten um ein Haar Straßen hätten weichen müssen, lesen Sie hier.

Maria Carbune

Abriss des Alten Rathauses und Co: Diese Sünden wurden verhindert

Autobahn-Stern: Eine seit 1936 immer wieder auftauchende Idee wurde erneut 1950 von Stadtbaurat Hans Högg vorgeschlagen: Die Zusammenführung der Autobahnen aus Stuttgart, Salzburg und Nürnberg in einem Stern zwischen Hacker- und Donnersbergerbrücke. Laut dem Vorschlag wären die Autobahnen 75 Meter breit durch Stadteile wie Obermenzing, Schwabing und Sendling verlaufen, hätten den südlichen Nymphenburger Schlosspark, den Hirschgarten und den Bavariagarten tangiert.

Freie Fahrt vom Tal zum Marienplatz: 1948 war der Abbruch des Alten Rathauses in der Diskussion. „Damals war der Marienplatz ein Verkehrsknoten, ein Abriss des Alten Rathauses hätte für freie Fahrt vom Tal zum Marienplatz gesorgt“, so Winterstein. Oberbürgermeister Thomas Wimmer hat das Münchner Wahrzeichen damals gerettet.

Straße durch Friedhof: 1959 teilte das Amt für Öffentliche Ordnung mit, dass man die Luisenstraße durch den Alten Nördlichen Friedhof führen wolle, um eine direkte Verbindung vom Hauptbahnhof nach Schwabing zu schaffen. Der Krankenhausreferent setzte sich damals gegen den Plan ein.

Verkehrssünden, die realisiert wurden

Als schlimmsten Einschnitt in die Stadt sieht Winterstein den Altstadtring. Während der wegen der Planungen drohende Abriss von zehn Standln am Viktualienmarkt 1964 zu massiven Bürgerprotesten führte, gab es laut Winterstein zu wenig öffentliches Interesse an dem Teil des Altstadtrings zwischen Isartor und Prinzregentenstraße. Insgesamt kaufte die Stadt bis 1966 107 Anwesen auf, um sie abzureißen, darunter viele Altbauten.

Auch auf Bürger-Entsetzen stieß die ursprünglich noch massiver geplanten Ein- und Ausfahrten des Altstadtring-Tunnels, als „Schlund“ tituliert. 1972 wurde die wenig geliebte Kompromiss-Lösung eröffnet.

Er hofft auf die zweite Stammstrecke

Einen entscheidenden Durchbruch im Verkehrsverhalten verspricht sich Winterstein vom Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. „Bereits bei den Bauarbeiten der ursprünglichen Stammstrecke waren sich die Experten einig, dass es irgendwann einmal einen zweiten Tunnel brauchen würde“, betont der Autor. Sieben von acht S-Bahn Linien nutzen denselben Tunnel, daher sei das Risiko der Fahrausfälle im Falle einer Fehlfunktion ungewöhnlich hoch. „Und München ist die deutsche Hauptstadt der Pendler, 355 000 Berufstätige kommen von außerhalb“, erklärt Winterstein. Gerade für die sei durch eine Ausweichroute weniger störungsanfällige S-Bahn-Verbindung ein gutes Argument, sich vom Auto wegzubewegen.

Verlosung

Das Buch „München und das Auto – Verkehrsplanung im Zeichen der Moderne“ von Axel Winterstein ist jetzt im Verlag Friedrich Pustet erschienen. Wir verlosen fünf Exemplare. Wer gewinnen will, schreibt eine E-Mail an aktion@hallo-muenchen.de. Einsendeschluss ist der 15. November. Stichwort: Verkehr

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Hirmer erhält Teilareal des Sattlerplatzes
Hirmer erhält Teilareal des Sattlerplatzes
Autor zeigt Auto-Sünden und Straßen-Schnapsideen der Stadt
Autor zeigt Auto-Sünden und Straßen-Schnapsideen der Stadt
Zwei Männer nach Brandanschlag auf Obdachlosen in Haft
Zwei Männer nach Brandanschlag auf Obdachlosen in Haft

Kommentare