Missbrauchtes Vertrauen

Aufgebrochene Geldkassen, geklaute Bücher und Kerzen: Immer mehr Bagatell-Diebstähle in München

Unbekannte räumen Bücherschränke teilweise mit Lkw leer: Diebe in München werden immer dreister

München - Nur ein paar Euro, eine Zeitung oder einige alte Bücher: Man könnte meinen, dass so etwas für Diebe kaum interessant ist. Die Realität sieht in München anders aus: Allein für stumme Zeitungsverkäufer hat das Polizeipräsidium München heuer etwa 50 Fälle von geknackten Geldkassetten registriert. 

„2018 waren es definitiv weniger“, sagt Polizei-Sprecher Ronny Ledwoch. Die immer gleiche Vorgehensweise sowie örtliche Nähe der jüngsten Vorfälle – besonders oft wurde in der Au, Giesing und Perlach zugeschlagen – deute auf eine Serie hin. Gesamtschaden: circa 5000 Euro. 

„Wobei der Sachschaden mitunter höher ausfällt, als der Beuteschaden.“ In weitaus mehr Fällen beginne der Diebstahl aber schon beim Nichtbezahlen der Zeitungen. Tatsächlich kalkuliere der Verlag damit, teilt beispielsweise die Vertriebsleitung der tz mit. „Das Ausmaß ist aber von Viertel zu Viertel unterschiedlich. An individuellen Stellen verschwinden bis zu zwei Drittel der Zeitungen.“ 

Dass es solche Fälle von Diebstahl gibt, weiß man auch in den Münchner Kirchen. „Natürlich kommt es vor, dass zum Beispiel Opferkerzen nicht bezahlt werden“, erklärt die Pressestelle der Erzdiözese München und Freising. „Aber andere legen mehr Geld in die Kasse. Das gleicht sich wieder aus.“ 

Viel ausrichten kann man gegen die Bagatell-Langfinger ohnehin nicht. Beispiel Bücherschrank: „Wenn jemand jede Menge Bücher rausnimmt, ist das kein Diebstahl“, sagt Elfriede Freudenreich, die im Juli 2018 den Laimer Bücherschrank ins Leben gerufen hat. Die Entnahme ist prinzipiell nicht begrenzt – zumal schwer nachweisbar ist, dass Bücher nicht zum Eigengebrauch mitgenommen werden. 

Die Art und Weise einiger Besuche lässt aber anderes vermuten. „Regelmäßig kommt ein Mann und nimmt alles mit, was man einigermaßen verkaufen kann“, so Freudenreich. Erst kürzlich habe er sogar nachts mit einer Taschenlampe den Schrank ausgeräumt. „Es sind schon Leute mit Lieferwagen gekommen und haben ganze Bücherreihen abtransportiert“, schildert Jürgen Jensen vom Neuhausener Bücherschrank ähnliche Vorkommnisse. 

Weil die Polizei nichts tun kann, behelfen sich die Engagierten anders: In Neuhausen wurden eine Zeit lang alle Bücher gestempelt, damit sie nicht verkauft werden können. In Laim haben die Bücherpaten die Adresse herausgefunden und dem Täter einen Brief geschrieben, dass er seine Ausräumaktionen unterlassen soll. „Als Betreiber des Bücherschrankes haben wir Hausrecht. Nach Aussprache eines Hausverbotes wäre jede weitere Buchentnahme durch eine entsprechende Person Diebstahl, der strafrechtlich verfolgt werden kann.“

Romy Ebert-Adeikis

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