Münchens neue Anlaufstelle für junge Studierende

Vom Arbeiterkind zum Akademiker

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Die Berliner Organisation „Arbeiterkind.de“ hat ein Büro in München eröffnet. Es bietet Unterstützung und Rat für alle, die als erste in ihrer Familie studieren.

München – Das Wintersemester an den Münchner Hochschulen ist vor Kurzem gestartet – Jetzt bietet ein neues Büro Unterstützung und Rat für alle, die als erste in ihrer Familie studieren

Etwa 20 000 Erstsemester sind vor Kurzem an den großen Münchner Hochschulen in das Studentenleben gestartet – doch nicht jeder von ihnen hat die gleiche Ausgangssituation. Ganz eigene Sorgen und Nöte kennen die „Arbeiterkinder“, also Kinder, die als erste in ihrer Familie studieren und statt des Lehrberufs einen akademischen Ausbildungsweg einschlagen. 

Unterstützt werden sie von der Berliner Organisation „Arbeiterkind.de“, die seit diesem Semester ihr Münchner Regionalbüro in der Maffeistraße 3 unweit des Marienplatzes betreibt. Von dort aus unterstützt Bundeslandkoordinatorin Christina Rauch die Regionalgruppen, Herzstück von „Arbeiterkind.de“ – acht gibt es ganz Bayern. Einmal im Monat trifft sich die Münchner Gruppe in der Maxvorstadt im Café Lanas in der Kurfürstenstraße. Die Teilnehmer können über Sorgen und Probleme sprechen oder Erfahrungen austauschen. 

Sarah Reschke hat erst kürzlich ihr Biochemiestudium an der TU abgeschlossen. 

Auch Sarah Reschke ist seit einem Jahr dabei. Auf einer Infoveranstaltung hat die Maxvorstädterin, die eben ihr Biochemiestudium an der TU abgeschlossen hat und jetzt die Promovierung anstrebt, die Organisation entdeckt: „Ich fand die Idee hinter ,Arbeiterkind.de‘ super und konnte mich sofort damit identifizieren“, sagt sie. Für die 26-Jährige war immer klar, dass sie nach dem Abitur studieren möchte, auch von ihren Eltern, mit denen sie im Alter von 13 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland kam, wurde sie in diesem Wunsch bekräftigt: „Ich hatte großes Glück und meine Eltern hatten dafür Verständnis, haben diesen Wunsch selbst schon immer bestärkt.“ 

Doch: Das sei bei weitem nicht die Regel. „Haben die eigenen Eltern nicht studiert, raten sie auch oft zu einem traditionellem Werdegang und dem Ergreifen eines Lehrberufs“, sagt Christina Rauch. Und: „Vor allem die Finanzierung des Studiums und eine Angst vor Bafög-Schulden ist für viele ein Hemmnis.“

Christina Rauch ist Bundeslandkoordinatorin bei „Arbeitkind.de“.

Dort will „Arbeitkind.de“ ansetzen: Im Rahmen der offenen Gruppentreffen oder bei Schulbesuchen in der Oberstufe gibt es Hilfestellung beim Ausfüllen des Bafög-Antrags oder Infos, wie ein Studium außerdem finanziert werden kann – beispielsweise über Stipendien. „Auch ich dachte früher, Stipendien wären nur etwa für 1er-Schüler“, sagt Reschke – Dabei kann für viele Arbeitkinder ein Stipendium entscheiden bei der schuldenfreien Finanzierung des Studium helfen. So auch bei Reschke. Darüber, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, will „Arbeiterkind.de“ informieren. „Es ist toll, wenn jemand so ermutigt wird, sich für ein Stipendium zu bewerben oder sich trotz anfänglicher Zweifel letztendlich für ein Studium entscheidet“, sagt Reschke.

Vanessa Hahn

Hohe Nachfrage

„Die Zentrale Studienberatung der LMU wird seit Ende 2012 durch den Bereich Diversity Management ergänzt, der sich insbesondere an Studieninteressierten aus Nichtakademiker-Elternhäusern oder mit Migrationshintergrund richtet“ erklärt Katrin Gröschel von der LMU. Das wird immer wichtiger: Denn es gibt immer mehr Hochschulzugangsberechtigte – und die sind während der Entscheidungsphase bezüglich ihres Werdegangs mit unterschiedlichen Pro­blemen konfrontiert.

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